Was auch immer am Ende herauskommt: Der Mut ist beachtlich. 37 Jahre nach Wolfgang Petersens "Das Boot" wagen sich Sky Deutschland, Bavaria Fiction und Sonar Entertainment an eine Wiederauflage des Themas. Wobei: Die neue Serie, ebenso schlicht "Das Boot" genannt, ist weder Neuverfilmung noch Fortsetzung. Die Handlung setzt 1942 ein, neun Monate nach dem Originalfilm mit Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer und anderen. Erzählt werden parallel zwei neue Geschichten: eine an Land und eine an Bord eines U-Boots.

26,5 Millionen Euro wird die rund achtstündige Serie kosten, die im November 2018 bei Sky zu sehen sein wird. Im Rahmen des Filmfests in München gewährten die Macher nun zum ersten Mal einen tieferen Einblick hinter die Kulissen und präsentierten einige wenige Ausschnitte aus der Mammutproduktion, die in Prag, La Rochelle, Malta und München gedreht wurde.

Erfrischend ehrlich gab sich Regisseur Andreas Prochaska. "Du weißt, dass du an einem Denkmal kratzt", sagte er. Durch seine Arbeit für die TV-Reihe "Spuren des Bösen" mit Heino Ferch, vor allem aber mit dem Kinofilm "Das finstere Tal" war er ins Gespräch gekommen. Der monatelange Dreh sei eine Herausforderung der besonderen Art gewesen. Aber schon, als das Angebot kam, stand für ihn außer Zweifel: "Wenn die mich wollen, dann mache ich das."

Der Österreicher setzte alle acht Folgen in Szene. 105 Tage lang wurde gedreht. Die Innenaufnahmen des Bootes entstanden in einem Prager Studio unter extremen Bedingungen. Bisweilen arbeiteten 15 Schauspieler auf 17 Quadratmetern, dazu kam die Crew. Auf Malta, wo die Außenaufnahmen der U-612 gedreht wurden, wurde Nacht um Nacht bis in die frühen Morgenstunden gearbeitet. "Es war physisch und psychisch fordernd", erinnert sich auch Hauptdarsteller Rick Okon, der in der Serie den Kapitänleutnant an Bord spielt und damit in die Fußstapfen von Jürgen Prochnow tritt. Beraten wurde das Team am Set dabei von Fregattenkapitän a.D. Jürgen Weber.

Der Brite Tony Saint ("The Interceptor") und Johannes W. Betz ("Der Tunnel", "Die Spiegel-Affäre") sind die Head-Autoren der Eventserie. Früh war klar, dass diesmal nicht nur eine Handlungslinie erzählt werden würde. Eine zweite spielt im französischen La Rochelle, wo sich die aufkommende Résistance formiert. Vicky Krieps ("Der seidene Faden") und Tom Wlaschiha ("Game of Thrones") spielen hier die Hauptrollen. Zur Besatzung an Bord des U-Bootes gehören neben Okon unter anderem August Wittgenstein und Franz Dinda.

Start für November 2018 bei Sky geplant

In Deutschland soll "Das Boot" voraussichtlich im November bei Sky starten. Anders als bei der Serie "Babylon Berlin", die gemeinsam mit der ARD hergestellt wurde, ist diesmal kein weiterer deutscher Sender mit an Bord. Marcus Ammon, Senior Vice President Film und Entertainment bei Sky, ließ offen, ob und wann es eine Sublizenzierung geben wird. Die Exklusivität auf dem deutschen Markt sei diesmal für Sky von besonderer Bedeutung gewesen, zumal man sich beim Münchner Pay-TV-Unternehmen schon ob der starken Marke wichtige PR-Effekte erhofft. Tatsächlich ist schon seit Bekanntgabe des Projekts vor über einem Jahr das öffentliche Interesse immens. Und mit einhergehend der Druck, der ob des großen Namens auf einer Produktion wie dieser lastet.

Ins Spiel gebracht wurde das Projekt von der Bavaria, deren CEO Dr. Christian Franckenstein die Idee hatte. Bis zum heutigen Tag gehört "Das Boot" zu den renommiertesten Produktionen des Geiselgasteiger Filmstudios. Früh hatte die Bavaria die Rechte für die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Lothar-Günther Buchheim erworben. Neben der Kinoversion, die für sechs Oscars nominiert wurde, erschienen ein Director's Cut (1997) und eine Fernsehserie (1985).

Überraschungsgast bei der Präsentation in München war Klaus Doldinger, dessen Filmmusik bis heute eng mit dem Kinofilm verbunden ist. Das Hauptmotiv kommt in modernisierter Form nun auch in der Serie "Das Boot" vor. Doldinger lobte die Neuauflage vor allem ob ihrer Eigenständigkeit. "Das ist keine Kopie, das ist etwas Neues", erklärte der 82-Jährige.

Begleitet wurde das Projekt für die Bavaria durch die Produzenten Oliver Vogel und Moritz Polter. Letzterer betonte in München noch einmal die Bedeutung der Beteiligung von Sonar Entertainment, die für die internationale Auswertung der Serie über Europas Grenzen hinaus verantwortlich sind. "In einer Zeit, in der das Wort 'Klassiker' überbeansprucht und pauschalisiert verwendet wird, ist 'Das Boot' eines jener seltenen, wahren Originale, die zweifellos in diese Kategorie passen", sagt Sonars Executive President Jenna Santoianni.


Quelle: teleschau – der Mediendienst