Film in der ARD

"Die Diplomatin- Tödliches Alibi": Intrigen und künstliche Intelligenz

von Wilfried Geldner

Als ein Junge überfahren wird, fällt der Verdacht auf einen Mitarbeiter im tschechischen Wirtschaftsministerium. Die deutsche Botschafterin in Prag gibt ihm ein Alibi ... Die ARD zeigt den fünften Film der Reihe "Die Diplomatin" am Samstagabend.

ARD
Die Diplomatin- Tödliches Alibi
Krimi • 07.11.2020 • 20:15 Uhr

Vielseitig ist sie, die deutsche Botschafterin in Prag. In ihrem fünften Film, "Tödliches Alibi" (Regie: Roland Suso Richter), behält sie den Überblick noch in den größten Wirren eines Wirtschaftstreffens, bei dem es um die künstliche Intelligenz von Robotern geht – und fällt schon gar nicht auf die Avancen irgendwelcher Männer herein. Trotzdem: Als Daniel Stokr (Stipe Erceg), dubioser Mitarbeiter im tschechischen Wirtschaftsministerium, ein Alibi braucht, gewährt sie es ihm. Ein Junge kam auf der Prager Stadtautobahn zu Tode, er wurde von einem SUV nächtens umgefahren. Immerhin zeichnete die Verkehrsüberwachung den Unfall auf, was wiederum den Verdacht auf Stokr (sprich: Stocker) lenkt. Der aber saß zum Zeitpunkt des Unfalls mit der deutschen Botschafterin gerade beim Wein.

Zur besten Sendezeit am Samstagabend zeigt das Erste jetzt der fünften Film der "Diplomatin"-Reihe mit Natalia Wörner in der Titelrolle, die 2016 startete. Nach einem eher durchschnittlichen Auftakt schalteten zuletzt mehr als sechs Millionen Zuschauer ein – ein beachtlicher Erfolg trotz der bisweilen eher spröden Thematik. Ein möglicher Grund könnte auch die zunehmende Popularität der Hauptdarstellerin sein, die die Lebensgefährtin von Außenminister Heiko Maas ist.

Der Samstagskrimi bietet viel nächtliche Prag-Kulisse und immer wieder auch erstaunliche Büroarchitekturen, die beim Betrachten labyrinthisch verschmelzen. Die Personen – Diplomaten, Polizeibeamte, Unternehmer, Sekretäre – wirken allerdings austauschbar. Eine starke Figur gibt es neben der Diplomatin, die alle fünf Minuten respektvoll mit "Frau Botschafterin" angeredet wird, aber doch: Gleich zu Beginn wird beim "Prager Innovations-Campus" die Beinprothese eines Mädchens im Rollstuhl gezeigt. Dank 94 Motoren und eines künstlichen Hirns erhebt sich das dankbare Mädchen aus seinem Rollstuhl und kann mit seiner Prothese gehen.

Derlei mitfühlende Szenen sind im Kontext des szenisch aufwendig gefilmten Krimis dann leider doch eher selten. Es wird in einem strengen Bürokratenstil gesprochen, für viel Seele ist außer beim Rotweintrinken und Abendessen kein Platz. Beim steten verbalen Muskelspiel fühlt man sich wie im Fitnessstudio der höheren Diplomatie, die durchaus Intrigen und Auswüchse kennt. Die künstliche Intelligenz wird leicht zum Trittbrett für die Karriere.

Für Spürnasen ist es gleich klar, dass Herr Stokr nicht der intrigante Bösewicht sein kann – das wäre dann nicht nur wegen des mit Bedacht ganovenhaft wirkenden Stipe Erceg zu einfach gestrickt. Es dürfte also jemand anders gewesen sein, der die gleich eingangs beim Campus-Buffet erwähnten deutschen Forschungsmillionen unterschlagen hat.

Am Schluss wird man sogar noch mit einigem Witz belohnt: Da schauen die gestrenge Lorenz und ihr Prager Polizistenfreund auf Prag hinunter. Und während sie ihm gesteht, sie werde jetzt nach Rom versetzt, zieht der treue Freund und Polizist Jan Horava (Alexander Beyer) gleich den Vergleich: Sieht doch wie der Tiber aus, der Fluss mit all diesen Brücken. Das stimmt, freuen wir uns mit "Frau Botschafterin" auf die Reise.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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