ZDF-Krimi

"Die Toten vom Bodensee – Der Blutritt": Wenn ein totes Pferd plötzlich wieder auftaucht

von Wilfried Geldner

Am Rande des traditionellen "Blutritts" wird eine Reiterin erschossen. Musste sie sterben, weil sie inmitten der Prozession ein tot geglaubtes, sündhaft teures Rennpferd entdeckt hatte?

ZDF
Die Toten vom Bodensee – Der Blutritt
Krimi • 07.09.2020 • 20:15 Uhr

Einmal mehr wird im Landschaftskrimi "Die Toten vom Bodensee" versucht, Mystik mit einem Kriminalfall zu verquicken. Immerhin soll Ende des 11. Jahrhunderts dem Kloster zu Weingarten eine Reliquie mit dem Blut Christi ausgehändigt worden sein. Der römische Lanzenstecher von Golgatha hatte es einst nach Mantua weitergereicht, von wo aus es nach Weingarten gelangte. Die Übergabe soll an einem Freitag nach Christi Himmelfahrt gewesen sein, weshalb der sogenannte "Blutritt" stets an diesem Tag gefeiert wird. Rückschläge gab es in diesem Jahr: Erstens wurde das Gesuch um Aufnahme ins immaterielle Unesco-Kulturerbe kürzlich abgelehnt, weil Frauen an der Reiterei nicht teilnehmen dürfen, zweitens fiel die Prozession wegen Corona seit dem Zweiten Weltkrieg erstmals aus.

Im Krimi selbst (Drehbuch: Timo Berndt, Regie: Michael Schneider) kommt der Blutritt (von 2019) zwar vor, aber eher marginal. Stattdessen erzählt der deutsche Kommissar Oberländer (Matthias Koeberlin) seiner kleinen Tochter die Geschichte, die er beim Hausaufgaben machen erfahren hat. Dann aber wendet sich die Handlung doch sehr profanen Dingen zu. Während der Reiterprozession wird von einer unter den Zuschauern weilenden Reiterin ein tot geglaubtes sündteures Rennpferd entdeckt, das vor Monaten zusammen mit seiner Besitzerin auf deren Gestüt bei einem Brand umgekommen war.

HALLO WOCHENENDE!
Noch mehr TV- und Streaming-Tipps, Promi-Interviews und attraktive Gewinnspiele: Zum Start ins Wochenende schicken wir Ihnen jeden Freitag unseren Newsletter aus der Redaktion.

Schuld am Tod der Frau soll der Sohn einer Mitarbeiterin gewesen sein, der vor den um sich greifenden Anschuldigungen flüchtete und nun erst wieder zurückgekehrt ist – gerade rechtzeitig, um einen Mordanschlag auf seine Mutter mittels Armbrust zu erleben. Offensichtlich wollte jemand die Preisgabe der Entdeckung des tot geglaubten Pferds verhindern.

Im Folgenden nimmt der Zuschauer an einer höchst verpuzzelten Familiengeschichte teil. Es geht um zwei Familien, um Väter, Frauen und Söhne. Die Söhne, befreundet seit Kindertagen, leiden heute nicht schlecht unter dem Geschehen: Hat der eine bereits vor Längerem beim Brand die Mutter verloren und wird vom Vater mit völliger Missachtung gestraft, so muss der andere um das Leben seiner eigenen Mutter bangen – sie hat den Schuss mit der Armbrust, im Koma liegend, überlebt. Hätte sie aussagen können, wäre der wahre Brandstifter sicher aufgeflogen.

An mystischer Spannung gebricht es diesem Bodenseekrimi in hohem Maße, auch weil das deutsch-österreichische Kriminalerpärchen Oberländer und Zeiler (Nora Waldstätten) meist mit reichlich bitterer Miene und viel Weltschmerz recherchiert. Hanna Zeiler trägt noch immer schwer am Unfall ihrer Eltern, Oberländer kümmert sich rührend um Vater und Kind. Doch die beiden gewinnen nur wenig Plastizität – ganz so, wie auch die tatverdächtigen Episodenfiguren eher erzählte als gegenwärtig handelnde Charaktere sind. Immerhin: Wer durchhält, wird – als alle Pferde- und Familiengeheimnisse gelüftet sind – mit einem ansehnlichen Bodensee-Sonnenuntergang belohnt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
Das könnte Sie auch interessieren