"Wikileaks – Die USA gegen Julian Assange"

Wer ist dieser Julian Assange wirklich?

von Eric Leimann

An Julian Assange scheiden sich die Geister: Ist der Wikileaks-Gründer eon Kämpfer für Pressefreiheit und Demokratie – oder ein narzisstischer Querulant, der Frauen vergewaltigte? Eine Insider-Doku sucht Antworten auf diese Fragen.

ARD
Die Story im Ersten: Wikileaks – Die USA gegen Julian Assange
Dokumentation • 07.09.2020 • 22:50 Uhr

Am 7. September – dem Sendedatum dieser "Story im Ersten" – beginnt in London die Hauptverhandlung um Julian Assanges Auslieferung an die USA. Dort drohen dem Wikileaks-Aktivisten bis zu 175 Jahre Haft, vielleicht sogar die Todesstrafe. Von 2012 bis 2019 lebte der australische Computerfreak und Ex-Hacker in der Londoner Botschaft Ecuadors. Während eines Aufenthaltes in der britischen Hauptstadt hatte er sich dorthin geflüchtet, als im in seiner vorherigen Wahlheimat Schweden ein Verfahren wegen Vergewaltigungsvorwürfen drohte. Die sieben Jahre in der Botschaft endeten, als ihm sein südamerikanisches Gastland die erteilte Staatsbürgerschaft wieder entzog – genervt von Assanges ständigem Querulantentum, das negativ auf den Gastgeber abfärbte.

Eine Dokumentation von NDR-Journalisten versucht nun, Julian Assange, den wohl schillerndsten aller Leak-Aktivisten, auf den Zahn zu fühlen. Wer ist dieser Mann? Ein schutzbedürftiger Kämpfer für Pressefreiheit und Demokratie? Oder ein narzisstischer Querulant, der Frauen vergewaltigte und sich chronisch lebenslang in den Fokus rücken muss.

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Die Antworten werden wohl auf einer breiten Skala irgendwo zwischen den Polen "Held" und "Verbrecher" markiert werden. Da der NDR eine längere Geschichte mit Assange-Beobachtungen hat, darf man annehmen, dass zumindest im Falle der langjährigen heimlichen Überwachung Assanges in der Botschaft Ecuadors durch ein spanisches Sicherheitsunternehmen, das wohl im Auftrag der CIA arbeitete, eine gewisse Eingenommenheit für Assanges Sache herrscht.

Der norddeutsche ARD-Sender hat im November 2019 Strafanzeige im Zusammenhang der mutmaßlichen Ausspähung von Assange gestellt, bei der auch Ärzte und eben drei Mitarbeiter des NDR heimlich überwacht wurden. Heikler Stoff also, der wohl auch verhindert, dass diese Doku vorab zu Rezensionszwecken gezeigt werden darf.

Die Dokumentation will jedoch mehr leisten, als nur die "kritischen" Jahre Assanges unter den Augen der Weltöffentlichkeit zu beleuchten. Der Film zeigt laut Senderinfo "den Aufstieg und den Fall von Julian Assange – vom gefeierten Publizisten zum als Spion und Vergewaltiger verschrienen Sonderling". Anhand vertraulicher Akten rekonstruieren die Autoren aber natürlich auch die Zeit in der ecuadorianischen Botschaft, welche laut deren Aussage "einem Spionage-Thriller" gleicht.

Jeder Schritt des Wikileaks-Aktivisten wurde überwacht, dokumentiert und mutmaßlich US-amerikanischen Behörden zugeliefert. Trotz der "Big Brother"-artigen Zustände verliebte sich Assange in jener Zeit in eine seiner juristischen Beraterinnen und bekam mit ihr zwei Söhne. Nun äußert sich deren Mutter, die in Südafrika geborene Stella Morris, erstmals im deutschen Fernsehen. Weitere Interviews zeigen die Sichtweise von Whistleblower und Ex-CIA-Mitarbeiter Edward Snowden, dem ehemaligen CIA-Direktor Leon Panetta und John Shipton, dem Vater Julian Assanges.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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