ZDF-Krimi

"Ein starkes Team – Scharfe Schnitte": Garbers Glatze beim Friseur

von Wilfried Geldner

Ein Berliner Starfriseur soll mit einer Armbrust ermordet werden, doch er hat Glück: Wegen einer Verwechslung muss sein Geschäftspartner dran glauben. "Scharfe Schnitte" ist der 82. Auftritt für Florian Martens als Otto Garber und sein "starkes Team".

ZDF
Ein starkes Team – Scharfe Schnitte
Krimi • 03.10.2020 • 20:15 Uhr

Im Milieu eines Berliner Friseursalons läuft Otto Garber (Florian Martens) schon seiner Glatze wegen zur Höchsform auf. Und fast ist es ein wenig schade, dass zur Drehzeit von "Ein starkes Team – Scharfe Schnitte" die Corona-Krise noch nicht angebrochen war. Denn das hätte ein Maskenball werden können im Salon des Berliner Starfriseurs Benno Rohde (Harald Schrott), der natürlich keinerlei Ähnlichkeit mit Udo Walz, dem Figaro der High-Society aus dem echten Leben, hat. Rein zufällig ist da jede Ähnlichkeit, falls vorhanden: Kudamm-Nähe, mehrere Salons und eine in der Society verankerte Kundschaft gibt es allemal. Rohdes Geschäfte laufen jedoch schlecht: Hat gar ein erboster Teilhaber und ehemaliger Geschäftsführer jene Armbrust-Schützin, die zuvor bereits in Dresden ihren tödlichen Flitzbogen spannte, auf den Figaro angesetzt?

"Scharfe Schnitte" ist eine recht flotte Kriminalkomödie, in der die Verdachtsmomente fast genauso sprudeln wie die Witzeleien, zu denen sich Garber und Genossen ob des haarigen Milieus hinreißen lassen. Das reicht – natürlich – von Garbers Glatze, die er stets unter einer schwarzen Mütze trägt, bis hin zum Preisvergleich mit alten Zeiten. "Einsfuffzich" (Ostmark) hat der Herrenhaarschnitt damals noch gekostet, bei Rohde sind da heute locker 80 Euro drin. Erst nicht zu reden von Sputnik, dem Faktotum (Jaeckie Schwarz), der als solches am Ende einen starken Auftritt hat. Aus der Insolvenzmasse des inzwischen pleite gegangenen Starfriseurs schnappt er sich nämlich einen Computer und zeigt mittels Foto-App, wie er vor 20 Jahren ausgesehen haben muss. Auch Otto kommt da, lustig ist's, wieder an die Reihe.

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Doch erst mal muss ermittelt werden, und das in alle Richtungen. Der Autor Martin Kinkel lässt es krachen. Die Verdächtigen werden mit der Zeit immer mehr: der Ex-Teilhaber allen voran, der Rohde scheinbar selbstlos mit größeren Geldbeträgen unter die Arme griff und mit einem eigenen Laden in Konkurrenz zum früheren Kompagnon trat, die Frau eines Schönheitsdoktors, mit der Rohde einen Seitensprung gewagt hatte – aber auch deren gehörnter Ehemann. Der Modearzt selbst (Roland Koch) schmettert allerdings die Anschuldigungen mit einem Schulterzucken ab: Wäre "George Clooney" sein Konkurrent gewesen, ja, dann vielleicht ...

"Haben Sie Feinde?" wird der Haircutter Rohde von den Berliner Kommissaren immer wieder gefragt. Doch wie sollte er – bloß, weil er mal "eine Strähne zuviel abgeschnitten" hat? – Andererseits: Warum turteln der Botox-Doktor und seine Gattin plötzlich so viel miteinander? – Eine Wende nimmt die schier labyrinthische Geschichte spätestens, als die Leiche eines Patienten aus Coburg – "in Oberfranken", so wird betont – im Hotelzimmer aufgefunden wird. Der Schönheitsdoktor war mal Arzt in einer Klinik im Coburg-nahen Hildburghausen, so viel soll verraten sein – und die Grenze war damals nicht weit.

So kriegen sie am Ende dann doch noch die Kurve, der Autor mit dem überbordenden Erzähltalent, und der sich ganz aufs Komödientempo verlagernde Regisseur Martin Kinkel. Dass bei so viel Komik die Spannung nicht gerade bis zum Äußersten wächst und zuletzt auch etwas vor der Zeit zusammenbricht: geschenkt. Sputnik und seine Computerpointe machen es wieder wett – jedenfalls für alle, die Krimis mögen, die dem Jux verschrieben sind.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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