Im neuen "Erzgebirgskrimi: Tödlicher Akkord" dreht sich alles um eine Bergmannskapelle, in der die ermordete Katja Hartmann spielte. War der heimische Großbauer mitsamt seiner Gülle der Täter – oder doch der Musikalienfabrikant, der mit Frau und Geliebter immer so gerne ins nahe Karlsbad fuhr?

Von der Lausitz bis zur Eifel, von der Nordsee bis ins Alpenland Bayern: jedem Landstrich seinen Krimi – mal als Komödie, mal als grausige Serienmörderei verpackt. Über Geschmack und Humor lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Wenn so ein "Leberkäsjunkie" im Kino Erfolge feiert und mit Preisen überhäuft wird, reibt sich mancher vielleicht verwundert die Augen. Ein Ritt auf der Rasierklinge zwischen Mordtat und Klamauk ist so ein Heimat- oder Regionalkrimi allemal, erst recht, wenn es kriminologisches Neuland wie das sächsischseitige Erzgebirge zu erschließen gilt.

Aber das haben sie mit ihrem zweiten Krimi "Tödlicher Akkord" (nach "Der Tote im Stollen" im November) ganz gut hingekriegt, die Autoren Jürgen Pomorin und Rainer Jahreis, zusammen mit dem routinierten Serienregisseur Ulrich Zrenner. Dass bereits nach dem ersten Film ihr bestes Stück, der ermittelnde Kommissar des Stephan Luca, verloren ging, dürfte ein arges Handicap gewesen sein. Im zweiten Film nun macht's Kai Scheve als neuer Mann, der bereits Regiokrimi-Erfahrung hat. Er wirkte unter anderem in mehreren Spreewaldkrimis mit (Redaktion, hier wie dort: Pit Rampelt).

Scheve zeigt sich auf der Rasierklinge durchaus sattelfest: Er versucht erst gar nicht, in die Fußstapfen eines grundsoliden Ermittlers zu treten. Er kommt eher wie ein netter Fremdling daher – ein Westernheld im Eastern. Das Drehbuch hat ihm als Kommissar Robert Winkler einen untrüglichen Riecher mitgegeben. Weder die hochnäsige Polizeiärztin Charlotte von Sedin (Adina Vetter) noch die attraktive Försterstochter Saskia Bergelt (Teresa Weißbach) können ihm das Wasser reichen. Außerdem ist da ja auch noch die heimische Kollegin Karina Szabo (Lara Mandoki), ein wahrer Ausbund an Menschenkenntnis und Zuverlässigkeit.

Nach einem Intro, das schwerste Mystik und Legendenwahn erwarten lässt, kommt es zum Glück anders, als man denkt. Eine junge Frau, die Bäume umarmt, wird erschlagen: Warum, und vor allem: von wem? Weil das Opfer in der örtlichen Bergmannskapelle (wenn auch ohne Bergleute!) als Hornistin tätig war, kommen viele als Täter infrage. Und wenn auch die emsige Blaskapelle ihren "Steiger, Glückauf!" so spielt, dass man den Wald vor lauter Pauken und Trompeten nicht mehr sieht, ergeben sich doch manche Pfade auf dem Weg zur Lösung. Ist das Instrumentenfabrikantenpaar gar so unschuldig wie es sich gibt? Hat nicht der Großbauer mit all seiner Gülle so viel Dreck am Stecken, dass ihm die ermordete Umweltschützerin ein Dorn im Auge war? Und dann erst noch der örtliche Geologe, zuständig für alle Bauvorhaben im alten Bergbaurevier, das so durchlöchert ist "wie ein Schweizer Käse"? Hatte er vielleicht seine Hand im Spiel?

Die Reise nach Karlsbad

Dass all das nicht bis zur bitteren Neige aufgeklärt werden kann, lässt sich erahnen, zumal die wackere Bergmannskapelle, ganz und gar folkloristisch ausgerichtet und stets in Uniform, ja auch noch für den berühmten "Bergstreittag" üben muss, der an einen Aufstand der Silberbergleute anno 1496 erinnern soll. Ungeahnte Variationen des Mordens treten da zutage – etwa, dass man den Horn spielenden Allergiker durchaus mit einem Selleriepulver auf dem Mundstück ins Jenseits befördern kann.

Es geht auch im zweiten Film, wie schon im ersten, wieder um Untreue und Ehebruch. Mit einer geheimnisvollen Reise nach Karlo Vivary (vormals Karlsbad) wird das Ganze aber recht geschickt aus dem Spätmittelalter in die Moderne gehoben: Der Musikalienfabrikant entpuppt sich als Schwerenöter, aber eben auch, wenn man so will, als Versager im Bett. Das letzte Wort hat aber dann Andreas Schmidt-Schaller, ehemals "SOKO Leipzig" und hier griesgrämiger Alt-Förster mit allen Vorbehalten gegenüber dem einst aus Sachsen geflohenen Jungkommissar. Kaffee kredenzt er am Ende zur Versöhnung mit dem schönen Satz: "Wir werden ja nicht umsonst Kaffeesachsen genannt!" – Ein guter Cast, dezent gesetzte Sprüche und – das an alle Landkrimi-Spezialisten! – ein zurückhaltender Einsatz des Dialekts machen diesen Heimatscherz letztlich zu einem durchaus unterhaltsamen Spectaculum.

Erzgebirgskrimi – Tödlicher Akkord – Sa. 07.03. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH