Regisseur Paolo Sorrentino lässt in "Ewige Jugend" Michael Caine und Harvey Keitel in einem Schweizer Sanatorium über das Leben philosophieren. Und man hört gerne dabei zu.

Die Beschäftigung mit alten Männern lässt den italienischen Regisseur Paolo Sorrentino ("La Grande Bellezza") nicht los. Zuletzt erzählte er in "Loro - Die Verführten" vom in die Jahre gekommene Berlusconi – und in "Ewige Jugend" (2015), im Ersten nun als Free-TV-Premiere zu sehen, schickt er Michael Caine und Harvey Keitel in ein Schweizer Sanatorium. Michael Caine auf den Leib geschrieben hat Sorrentino die Rolle eines englischen Dirigenten im Ruhestand; dazu gesellt sich Harvey Keitel als Regisseur, der seinen letzten und ultimativ wichtigen Film plant. Die dritte Hauptrolle in der bissigen Drama-Komödie "Ewige Jugend" spielt die Location, ein Schweizer Hotel, das schon Thomas Mann zur seinem "Zauberberg" inspirierte.

Wenn es morgens klingelt, marschieren die Gäste hier im Bademantel nach einer genauen Choreografie durchs Haus, zum Baden und allem, was der Arzt für sie vorgesehen hat. Man werde ihn hier schon wieder fit bekommen, verspricht Lena (Rachel Weisz) ihrem Vater Fred (Michael Caine). Er kommentiert dieses Anliegen mit der Selbstironie eines alten Mannes, der weiß, dass er die besten Jahre hinter sich hat. Auch Mick (Harvey Keitel) ist einer, der gern Weisheiten vom Stapel lässt: In der Jugend erscheint alles nah, auch die Zukunft, sagt er. Im Alter dagegen blickt man auf die Vergangenheit zurück und diese ist so weit weg, als würde man verkehrt herum durch ein Fernglas sehen.

Natürlich beherrschen die Themen Jugend und Alter den Film. Und dazu hat Paolo Sorrentino auch visuell viel mitzuteilen. Eine optische Schlüsselszene zeigt die splitternackte Miss Universe (Madalina Ghenea), wie sie zu den zwei alten Herren in ein Becken steigt. Für den einen stellt sie die Inkarnation Gottes da, der andere empfindet die als eine Bedrohung seiner Altersruhe. Die wirklichen Weisheiten hat der Regisseur zum Glück aber nicht den beiden Künstlern in den Mund gelegt. Ihre Themen sind Unterhaltungen darüber, wie viele Tropfen Urin jeder am Tag noch aus sich herausquetschen kann. Die intelligenten Kommentare zum Leben dürfen die unscheinbare Masseurin, aber auch Miss Universe von sich geben. Der Film lebt von einem sozialen Mikrokosmos in einem Wellness-Designer-Hotel, in dem sich obskure Prominenz und Künstler versammeln, um fernab der wahren Welt zu genesen.

Egal, wie es für die Figuren Fred und Mick in Film ausgeht, Sorrentino gibt ihnen eine besondere Würde und macht den Schmerz über das Altern mit bissigem Humor und wiederentdeckten Emotionen erträglicher. Die beiden auf diesem Weg zu begleiten, bereitet meist Freude – auch wenn der eine oder andere Ausrutscher ins Lächerliche schmerzt. "Ewige Jugend" ist kein perfekt in sich geschlossenes Meisterwerk wie "Die große Schönheit", dafür aber ein Film, den man albern, skurril oder wunderbar melancholisch finden und zugleich genießen darf.


Quelle: teleschau – der Mediendienst