Dass die neue Netflix-Serie "Nightflyers" so erfolgreich wird wie "Game of Thrones" ist nicht anzunehmen. Auch wenn die Vorlage des SciFi-Horrors aus der Feder desselben Autors stammt.

Dass Horror und Science Fiction nicht zusammenpassen, ist eine längst widerlegte These. Einer, der Ende der 1970er-Jahre einen Gegenbeweis führte, war George R.R. Martin. Damals schrieb der Autor der "Game of Thrones"-Vorlage "Das Lied von Feuer und Eis" viel Science Fiction, unter anderem die Novelle "Nightflyers", aus der Netflix – zusammen mit dem US-Sender Syfy – eine zehnteilige Serie machte, die ab 1. Februar auf dem Streamingdienst verfügbar ist. Dass Horror und Science Fiction ein ziemlich gutes Paar abgeben und sogar noch Raum für Splatterelemente lassen, hat Martin natürlich nicht als Erster und auch nicht als Einziger erkannt. Man sollte also keine unbekannten Welten erwarten, die das titelgebende Raumschiff entdeckt.

Auch wenn vage bleibt, was auf der Erde genau passiert ist, dass die Menschheit im Jahr 2093 ausgespielt hat, ist prinzipiell nachvollziehbar. Die einzige Hoffnung sind Außerirdische, von deren Existenz die Menschen schon lange wissen, mit denen sie aber bislang keinen Kontakt aufnehmen konnten. Die Aliens haben, eine ziemlich amüsante Fußnote in der ersten Episode, alle Nachrichten unbeantwortet gelassen. Die Mühe eines Rückrufs sind die Menschen offenbar nicht wert, was angesichts ihres Hanges zur Selbstzerstörung irgendwie nachvollziehbar ist.

Aufgeben kommt aber trotzdem nicht in Frage. Und so macht sich eine Gruppe von Wissenschaftlern unter der Führung des Astrophysikers Karl D'Branin (Eion Macken) und der Psychologin Dr. Agatha Matheson (Gretchen Mol) auf den Weg, den Volcryn-Aliens einen Besuch abzustatten. Sie scheinen die Reiseroute eines ihrer Raumschiffe zu kennen: Woher sie die Informationen haben, ist nur eine von vielen Unklarheiten, die das Publikum in diesem Roadmovie im All einfach hinnehmen muss.

Im Weltall nichts Neues

Schon nach der Eröffnungsszene ist es kein Geheimnis mehr, dass die Reise im Raumschiff "Nightflyer" kein gutes Ende nehmen wird. Wrackteile, ein wahnsinniger Axtmörder und die panisch abgeschickte Warnung, die "Nightflyer" nie wieder zu betreten oder zur Erde zurückzuholen: Die Serie beginnt mit ihrem Ende, und das Verhängnis ist ein fortan ein treuer Begleiter. Dass die Mission scheitert, ist klar, bleibt nur noch das "Warum?" zu ergründen.

Ein Monster an Bord, eine xenophobe Crew, die nach und nach dezimiert wird, ein Kapitän, der nur als Hologramm auftritt, bösartig-rot funkelnde Überwachungskameras, Erinnerungen, die scheinbar willkürlich zum Leben erwachen: "Nightflyers" zitiert so ziemlich alles, was das Science Fiction-Genre hergibt. "Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt", "Event Horizon - Am Rande des Universums", "Sunshine" – und ganz viel Andrei Tarkowski ("Solaris") und Stanley Kubrick ("2001 - Odyssee im Weltraum").

Davon abgesehen, dass man vieles schon mal gesehen hat: Schlüssig wirkt das diffuse Spiel mit Wahrnehmung und Wahnsinn, mit den Tücken künstlicher Intelligenz und menschlichen Verhaltensstörungen nicht. Weil jeder von Beginn an in Gefahr und deswegen ziemlich gehetzt ist, bleibt nicht einmal Zeit für vernünftige Dialoge, die über Genrestandards hinausgehen.

Das Narrativ leidet unter den hohen Tempo, in denen immer neue unerwartete Ereignisse über die Crew hereinbrechen, und ist etwas schludrig geraten. Genau wie die düsteren Kulissen, die, abgesehen vom beeindruckenden Raumschiff und einigen hübschen visuellen Details, den Charme eines B-Movies versprühen. Eine gewisse Lust auf Trash sollte man für "Nightflyers" auf jeden Fall mitbringen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst