25.01.2019 "Tatort: Der Pakt"

Wenn das Licht ausgeht in Saarbrücken

von Florian Blaschke
Ermitteln zum letzten Mal: Devid Striesow und Sandra Maren Schneider.
Ermitteln zum letzten Mal: Devid Striesow und Sandra Maren Schneider.  Fotoquelle: Manuela Meyer/SR

In seinem letzten Fall ermittelt Devid Striesow alias "Tatort"-Kommissar Jens Stellbrinck zwischen Mittelstandsidyll und Flüchtlingselend.

TV-TIPP

"Tatort: Der Pakt"

Sonntag, 27.01.

20.15 - 21.45 Uhr

ARD

Es scheint, als würde in ganz Saarbrücken gefeiert. Im Kommissariat stößt man auf die Beförderung der Kommissarsanwärterin Mia Emmrich (Sandra Maren Schneider) an, die endlich ihre Prüfung bestanden hat, im Schwesternwohnheim des Städtischen Krankenhauses steigt die jährliche Semesterparty, nur Kamal Atiya (El Mehdi Meskar) und sein kleiner Bruder Raouf haben keinen Grund fröhlich zu sein. Die beiden koptischen Christen sind aus Ägypten nach Deutschland geflohen und befürchten, wieder abgeschoben zu werden.

Doch auch im Schwesternwohnheim ist nicht alles eitel Sonnenschein. Während Schülerin Vanessa (Aylin Werner) mit den attraktiven Assistenzärzten feiert, kümmert sich Anika (Lucie Hollmann) in der Initiative "Mediziner für Illegale" (MefI) ehrenamtlich um Flüchtlinge. Und genau hier kollidieren diese beiden Welten. Kamal nämlich hat sich, um seine Abschiebung hinauszuzögern, als Spitzel für die Ausländerbehörde unter dem aalglatten Dr. Hesse (Christian Intorp) einspannen lassen. Als Anika das rausfindet, setzt sie ihn unter Druck, und als sie wenig später ins Wohnheim zurückkehrt, ist die Party vorbei … und Vanessa tot. Erdrosselt mit einem Bademantelgürtel – in Anikas Zimmer.

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Für Jens Stellbrink (Devid Striesow), Lisa Marx (Elisabeth Brück) und Mia Emmrich gibt es also genug Verdächtige. Ganz vorne mit dabei: Dr. Sharifi (Jaschar Sarabtchian), der an diesem Abend Sex mit Vanessa und reichlich Drogen genommen hatte. Dieser Verdächtige zeichnet sich durch alles Mögliche aus: Arroganz, Gefühlskälte, Oberflächlichkeit. Aber durch das wichtigste leider nicht: ein Motiv.

Die Saarbrücker Ermittler haben jedoch schnell eine zweite Idee: Da Vanessa in Anikas Zimmer getötet wurde und die beiden durchaus Ähnlichkeit haben, könnte es sich auch um eine Verwechslung halten. Also nehmen sie gleich zwei Fährten auf. Was diesem Tatort aus Zuschauersicht durchaus gut tut.

Für Stellbrinck aber wird das kein leichter Fall. Er ist hin- und hergerissen zwischen Fakten und dem Einzelschicksal von Kamal und Raouf. Zwischen dem widerwärtig perfekten Mittelstandsidyll eines Dr. Hesse und den prekären Bedingungen vieler Flüchtlinge. Zwischen seinem Gerechtigkeitssinn und seinem Gespür für Rache. Und er ist hin- und hergerissen zwischen den einerseits ins Tragische gehenden Ermittlungen und dem, was Ausbildungsschwester Maria Krafft (Nina Vorbrodt) offensichtlich darunter versteht: ein Spiel – bei dem sie mit dem Kommissar flirten kann, was das Zeug hält.

Von ein paar haarsträubend banalen Dialogen abgesehen, ist "Der Pakt" ein durchaus hochklassiger Krimi mit vielschichtigen Protagonisten und etlichen Abzweigungen für Verdächtigungen und Motive. In den Stilmitteln zwischendurch etwas unausgewogen, überzeugt er im Plot durch seine Stringenz, sodass man ihm auch die ein oder andere Rührseligkeit und das melodramatische Finale verzeiht.

Nur warum das nun Stellbrincks letzter Fall gewesen sein soll, erklärt Regisseur Zoltan Spirandelli leider nicht. So ist es aber, also müssen wir uns ohne diese Begründung von ihm verabschieden, was nach den acht Fällen, in denen er in Saarbrücken ermittelt hat, durchaus schwerfällt. Bleibt zu hoffen, dass sich diese Lücke füllen lässt. Und bleibt die Vorfreude darauf, durch wen.

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