Filmreihe im ZDF

"Familie Bundschuh – Wir machen Abitur": Chaos in der Schule und nebenan

von Maximilian Haase

Auch im vierten Film der Reihe versinkt Familie Bundschuh im Chaos. Die Vorlage kommt erneut von Andrea Sawatzki, die auch die Hauptrolle spielt. Sehenswert.

ZDF
Familie Bundschuh – Wir machen Abitur
Komödie • 16.12.2019 • 20:15 Uhr

"In den großen Familientragödien der Antike und des Mittelalters sind zum Schluss immer alle tot. Früher fand ich das ein bisschen übertrieben", spricht Andrea Sawatzki alias Gundula Bundschuh zu Beginn ihrer neuen Familienkomödie aus dem Off. Das änderte sich jedoch, wie die gestresste Mutter und Hauptfigur der beliebten Reihe gesteht: "Inzwischen finde ich das ziemlich nachvollziehbar. Ehrlich gesagt, ist es eine ziemlich saubere Lösung." Weshalb sie derlei doch recht drastische Maßnahmen befürwortet, zeigt das ZDF unter dem Titel "Familie Bundschuh – Wir machen Abitur" im inzwischen vierten Film über die Chaossippe, deren Geschichten auf den Romanen von Schauspielerin und Schriftstellerin Andrea Sawatzki basieren.

Als Familienoberhaupt an der Seite ihres Mannes Gerald (Axel Milberg) versteht es Sawatzki auch diesmal, die Rolle der fürsorgenden und zugleich genervt nach Emanzipation lechzenden Mutter ebenso ironisiert wie ernsthaft auszufüllen. Diesmal lauert das Durcheinander von allen Seiten: Schwager Hadi und seine hochschwangere Frau Rose, von Eva Löbau als nervtötende Schwäbin par excellence gespielt, ziehen als Nachbarn nebenan ein – und bringen alles durcheinander. Vor allem aber soll Tochter Ricarda (Amber Marie Bongard) ihr Abitur schaffen – nicht leicht bei der typischen Teenager-Lustlosigkeit der Heranwachsenden.

Doch Gundula glaubt, auch dafür eine Lösung zu haben: Freiwillig meldet sie sich in der Schule als Ersatzleiterin der Theater-AG, deren Lehrerin ausgefallen ist und die vor allem Migrantenkids fördern soll. Von dem selbstlosen Einsatz erhofft sie sich eine Besserbehandlung ihrer Tochter – gerät aber in einen Strudel aus Stress und Sorge. Die Kinder bocken herum, und die Ratschläge der Großmütter Ilse (Thekla Carola Wied) und Susanne (Judy Winter) helfen auch nicht wirklich weiter. Kaum zieht sich Gundula zurück, wird sie gescholten, sie solle "nicht immer nur an sich denken". Das sei wie mit den Atemmasken im Flugzeug, entgegnet die gestresste Mutter – die solle man auch erst sich selbst anlegen, bevor man den Kindern hilft.

Mit einem Witz, der vom Drehbuch von Florian Hanig für ZDF-Primetime-Verhältnisse angenehm vielschichtig umgesetzt wurde, schneidet der vierte Bundschuh-Film von übermäßigen Rollenerwartungen an Frauen bis zur Integration von Migranten zahlreiche brennende Themen an. Wunderbar umgesetzt ist etwa die Debatte der nervenden neuen Nachbarn um die mögliche Hautfarbe ihres erwartenden Kindes – das nämlich könnte durchaus nicht von Hadi sein. Und so fragt Rose beim Ultraschall den ebenfalls stark schwäbelnden schwarzen Arzt, ob etwas darauf hindeute, dass das Kind "so aussieht wie Sie". Derlei verquere Konstellationen müssen natürlich aufgearbeitet werden: Als Gaststar überzeugt Uwe Ochsenknecht in der Rolle des jovial-schmalzigen Therapeuten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst
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