TV-Premiere bei ARTE

"Sissi – Die Getriebene": Doku zeigt eine ganz andere Kaiserin

von Hans Czerny

Dass die echte Sissi mit der von Romy Schneider verkörperten Rolle nicht viel gemein hatte, ist kein Geheimnis. Eine Doku zeigt sie als Getriebene in ihren späteren Jahren.

ARTE
Sissi – Die Getriebene
Dokufiction • 14.12.2019 • 20:15 Uhr

Während die Fans der alten "Sissi"-Filme die unvermeidliche Frage stellen: "Wann kommt 'Sissi' diesmal an Weihnachten?", gießt ARTE mit einer ZDF-ORF-Vorpremiere ein wenig Wermut in den Nostalgie-Tropfen. Eine knapp einstündige Doku zeigt die legendäre Kaiserin von Österreich von ihrer dunklen, lebensschweren Seite in ihren späteren Jahren. Ausgegraben wird zu diesem Behuf vor allem die noch recht unbekannte Freundschaft mit ihrem wesensverwandten "Reisemarschall" Alexander von Warsberg, einem Griechenland-Liebhaber wie sie, den sie auf Korfu traf und der schließlich das dortige Traumschloss Achilleion, benannt nach dem antiken Sagenhelden, in den späten 1880er-Jahren als Fluchtort für sie entwarf.

Während man sich bereits auf einen neuen Spielfilm von Frauke Finsterwalder gefasst machen muss, der als "schwarzhumoriges Drama" eine "von Frauen umgebene Kaiserin" fernab des kitschigen Sissi-Klischees zeigen will, darf man hier den schwärmerischen Gedankenaustausch eines Hetero-Paares erleben, das sich allerdings vom Wiener Klatsch bedroht sah und sich daher sittlich enge Grenzen setzte. Noch einmal ist auch hier, in zahlreichen Bilddokumenten und Experten-Einlassungen dokumentiert, wie sehr Elisabeth ein Opfer des Wiener Hofes und dessen strenger Sitten war – vor allem aber auch ihrer ungelittenen Schwiegermutter Sophie, die allmorgendlich nachzuforschen pflegte, ob dem Kinderwunsch des Hauses Habsburg nachgekommen worden war.

"Was ist Wahrheit, was Klischee?" haucht eine Kommentatorenstimme zu Beginn von "Sissi – Die Getriebene" und gibt Bescheid: "Wer sie wirklich war, bleibt ein Geheimnis." Dabei weiß man über Sisi, wie sie sich wirklich schrieb, ja schon sehr viel – über ihren manischen Schlankheitswahn, den sie nach ihrer Hochzeit (1854) als 16-Jährige mit Hungerkuren und Turnübungen am Barren und an Ringen im hauseigenen Fitnesstudio betrieb. Auch, dass sie gar keine so schlechte Dichterin war, ist belegt. Schönheit und fortdauernde Jugend waren ihr erstrebenswertes Ziel, vor allem aber suchte sie die Ferne von Hof und Volk. Das alles trieb sie immer wieder auf ihre Reisen durch Europa, während ihr Franz Joseph schrieb: "Ich bitte dich, zeige dich."

Es gibt also nicht allzu viel Neues in dieser neuen Sisi-Doku zu entdecken, in der allerlei Experten auftreten, vom Warsberg-Biografen bis zur französischen Historikerin, die erfrischend kernig auszuteilen versteht, bis hin zum Ururenkel der Kaiserin, Leopold Altenburg, der nicht ganz unbegründet glaubt, dass Sissi heute eine beachtliche Allrounderin wäre: "Montags Model, dienstags für die Unabhängigkeit der Katalanen kämpfend", mittwochs Gedichte schreibend, die womöglich floppen, "macht nix!" – und obendrein noch den ersten Preis in einem internationalen Reitwettbewerb gewinnend.

Doch nicht alle Kommentare zum Mythos Sissi sind so unbefangen wie dieser. Es ist aber auch eine Crux mit dieser rebellierenden Kaiserin und ihrem Weltschmerz in einer allmählich verdämmernden Monarchie. Schwermut und Depressionen verfolgen sie, vermehrt seit dem Tod ihres Sohnes Rudolf, der sich in Mayerling 1889 das Leben nahm. In diesen tragischen Momenten wächst Sunnyi Melles als von Sehnsucht getriebene Elisabeth über ihre Reenactment-Pflichten hinaus. "Mich bindet nicht Ort und nicht Stelle", dichtet sie am Ende dieser Doku, über Korfus Steine stolpernd, "ich fliege von Welle zu Welle." So weit ist sie da in ihrem beschwingten Fernweh von der Romy-"Sissi" gar nicht entfernt.

Die kriegt man übrigens diesmal im Ersten am 25. und 26.12., in ORF 2 am 07. und 14.12., sowie beim Bezahlsender Sky Cinema Nostalgie ausführlich zu sehen. ZDF History wiederholt die Doku von Stefan Ludwig schon am 15.12., um 23.45 Uhr, unter dem Titel "Sisi – Die wilde Kaiserin".


Quelle: teleschau – der Mediendienst
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