Es war eine Überraschung: Der Dokumentarfilm "Mrs. Fang" von Wang Bing (China) gewann den Goldenen Leoparden, Großer Preis des Filmfestivals von Locarno. In der chinesisch-französisch-deutschen Koproduktion wird der Leidensweg einer chinesischen Bäuerin gezeigt, die an Alzheimer litt. Der Film begleitet ihren Aufenthalt in einem Genesungsheim und schließlich die letzten zehn Tagen ihres Lebens.

Als bester Schauspieler wurde Elliott Crosset Hove für seine Rolle eines Außenseiters und Kalkwerkarbeiters in der dänischen Produktion "Winterbroedre" ("Winterbrüder"), einem Drama um zwei verfeindete Brüderund eine unerfüllte Liebe, ausgezeichnet. Beste Schauspielerin wurde Isabelle Huppert in "Madame Hyde" (Frankreich, Regie: Serge Bozon), in dem eine von Kollegen und Schülern gemobbte Lehrerin ihr Leben nach einem Unglück verändert.

Den Preis für die beste Regie erhielt der Franzose F.J. Ossang für "9 Finger". Der surreale Thriller ist einer der diesmal seltenen Filme, der nach neuen Ausdrucksformen sucht.

Koproduktion mit dem ZDF

Überraschend ging der Preis für den besten Film im aufgewerteten Nebenwettbewerb "Cineasti del presente", der eigens Erstlings- und Zweitwerken vorbehalten ist, an die deutsch-bulgarische Produktion "3/4", eine Koproduktion mit dem kleinen Fernsehspiel des ZDF. Der bulgarische Regisseur Ilian Metev führt seine Schauspieler, durchwegs Laien, erstaunlich ungezwungen: Die Streitereien zwischen dem kleinen Bruder und der großen Schwester, die sich auf eine Klavierprüfung vorbereitet, wirken ebenso realistisch wie die fortdauernde Überforderung eines enervierten Vaters.

Der Preis für den besten Nachwuchsregisseur ging an den Südkoreaner Dae-Hwan Kim für den Film "The First Lap" ("Die erste Runde"). Ein junges Paar besucht die Eltern und wird mit bürgerlichen Konventionen konfrontiert. Härter als die anderen Familienfilme, von denen es in Locarno diesmal eine ganze Reihe gab. Der Publikumspreis in Locarno ging an die US-Komödie "The Big Sick".


Quelle: teleschau – der Mediendienst