Liebe, Freundschaft – oder bloß Bewunderung? In "Margos Spuren" bringt ein Roadtrip Klärung in die Schwärmerei eines Jugendlichen. Lebensklugheit macht dabei Schwächen wett.

Stille Zuneigung drückt sich manchmal nur in Beharrlichkeit aus. Margo, vor Kurzem 18 geworden, ist wie vom Erdboden verschluckt. Ihr etwas jüngerer Mitschüler Quentin (Nat Wolff), der sie seit mehr als einem Jahrzehnt anhimmelt, verbringt die Nacht in einem verdreckten Kiosk in einer üblen Gegend – denn er ist überzeugt, seinen Schwarm ausgerechnet hier zu treffen. Als er einschläft, tritt Margo (Cara Delevingne) aus einem Loch in der Wand, um ihn zu küssen – in rotem Kleid und Cape und leider sehr unwirklich. "Margos Spuren" (2015) zu folgen, ist für Quentin nicht unbedingt der goldene Weg ins Glück, lehrt ihn aber viel über seine Phantasmen. Auf ihn warten Erfahrungen und Lektionen, die für den Mangel an Einfällen und die hanebüchene Konstruktion der Komödie entschädigen, die ProSieben nun erstmals im Free-TV zeigt.

Von dem Moment an, da Margo mit ihren Eltern im Haus gegenüber einzieht, ist Quentin ihr verfallen. Als Kinder entdecken sie zusammen die Welt in ihrer Schönheit – und manchmal auch in ihrer Grausamkeit. Mit der Pubertät ist es auf einen Schlag aus. Auf Margos nächtliche Streifzüge mag der introvertierte Quentin sie nicht begleiten. Das Mädchen beginnt ein wildes Leben mit erotischen Abenteuern und vielen Geheimnissen, während Quentin zu Hause hockt oder mit den Außenseitern Ben (Austin Abrams) und Radar (Justice Smith) abhängt ...

Eines Abends jedoch pocht Margo noch einmal an Quentins Fenster. Er darf ihr bei einem ziemlich spektakulären Rachefeldzug gegen ihren untreuen Freund und ihre verräterische Freundin Lacey (Halston Sage) helfen. Anschließend tanzen sie zu romantischer Musik in einem luxuriösen Büro mit Blick über ihre Heimatstadt. Quentin fährt sie nach Hause, sie sagt: "Wir sehen uns!" Dann ist sie verschwunden, aus der Schule wie aus dem Elternhaus. Doch sind die markierten Zeilen in einem Gedichtband von Walt Whitman und das Porträt des Folksängers Woody Guthrie in ihrem Zimmer nicht Zeichen, denen er, Quentin, folgen soll?

Die Sprache dominiert in "Margos Spuren"

"Margos Spuren" beruht auf einem Roman von John Green, der mit "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" einen Buch- und Kinoerfolg feierte. Die Romanze zweier krebskranker Jugendlicher war ungeheuer bewegend, blieb allerdings auch auf der Leinwand sehr literarisch. Mit Sarkasmen, schwarzem Humor und liebevollen Neckereien schlugen die Protagonisten einer aussichtslosen Situation ein Schnippchen. Mit Quentin, der viel aus dem Off erzählt, dominiert die Sprache auch in "Margos Spuren", doch fällt die Adaption filmischer aus. Margos schmerzliche Abwesenheit zwingt Quentin, zum Spurenleser zu werden, der seine Umgebung völlig neu wahrnimmt, alte Grenzen überwindet, neue Menschen und nicht zuletzt sich selbst kennenlernt.

Leider fehlt der Schnitzeljagd nach Margo das Rückgrat einer fesselnden Handlung. Der Roadtrip wird mit mühsam angebahnten Gags und viel herzlicher Umarmung gefüllt. Die Auflösung des Rätsels um Margo, der Cara Delevingne faszinierende Undurchdringlichkeit verleiht, ist enttäuschend – aber gleichzeitig im besten Sinne pädagogisch wertvoll. Denn die Geschichte von Quentins Schwärmerei veranlasst dazu, Liebe und Freundschaft, Bewunderung und bloße Projektion fein auseinanderzuhalten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst