Film im Ersten

"Herr Pfarrer ist jetzt Pfarrerin": Warum darf ich kein Mädchen sein?

von Wilfried Geldner

Drei Jahre begleitete der Regisseur Manuel Rees die transidente Pfarrerin Elke Spörkel aus Haldern / Niederrhein, um ihren Weg vom Pfarrer zur Pfarrerin, vom Mann zur Frau, zu dokumentieren. Obwohl kein Einzelfall, fällt es vielen Gemeinden noch immer nicht leicht, so ein Comingout zu akzeptieren.

ARD
Herr Pfarrer ist jetzt Pfarrerin
Dokumentation • 26.07.2020 • 17:30 Uhr

"Fürchte dich nicht – Die Geschichte einer transidenten Pfarrerin" hieß der WDR-Film von Manuel Rees noch bei seiner Voraufführung vor Publikum 2018. Und im Untertitel: "Ein Mutmachfilm". Es trifft die Sache ziemlich genau: 2011 trat Pfarrer Hans-Gerd Spörkel vor seine Gemeinde in Haltern und bekannte öffentlich, sich als Frau zu fühlen. Fortan hieß Hans-Gerd nun Elke, und viele Gemeindemitglieder fanden nichts dabei.

Als Hans-Gerd war Spörkel zwei Mal verheiratet, hatte sieben Kinder. Aber es war wohl immer ein innerer Kampf. "Solange ich mich erinnern kann, war immer die Faszination, warum darf ich kein Mädchen sein?" erinnert sich Elke im Film. Jahrzehntelang war sie als evangelischer Pfarrer in ihrer Gemeinde äußerst beliebt – bis bekannt wurde, dass der Pfarrer gerne Frauenkleider trug.

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1984 war Spörkel nach Haldern gekommen, 2011 wandte sich die Gemeinde von ihm ab. Nach wie vor ist es in der evangelischen Kirche den Gemeinden und ihren Vorständen überlassen, wen sie als Pfarrer oder Pfarrerin akzeptieren. Zu viel war es der Gemeinde letztlich, als Spörkel sich verliebte und noch einmal heiraten wollte – diesmal als Frau eine Frau. Im weißen Brautkleid.

"Wir konnten einfach nicht mehr. Vielleicht wollten wir auch nicht mehr", sagt ein Gemeindevertreter im Film. Indessen hat sich aber auch in der Kirche weitgehend die Meinung einer Protestantin durchgesetzt: "Wat der Mensch macht, wie er sich verhält, wat er tut – dat is' doch das Entscheidende", sagt die im schönsten rheinischen Dialekt. Die Fertigstellung des Films ließ übrigens noch eine Weile auf sich warten: Unter anderem hatten die GEMA-Gebühren für die Musik zum Hochzeitstanz gefehlt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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