"KBV – Keine besonderen Vorkommnisse"

Mit Langeweile ist nicht zu spaßen – oder doch?

von Eric Leimann

Was in "Tatort" und Co. teils sehr dramatisch daher kommt, ist in der Realität ziemlich langweilig: Polizeiarbeit. Der Streamingdienst TVNOW lockte Stars wie Jürgen Vogel, Annette Frier, Serkan Kaya oder Rocko Schamoni zu einer Cop-Komödie, die fast nur aus Warten und Reden zum Zeitvertreib besteht.

Viele, die sich auskennen, behaupten: Würde man Polizeiarbeit realistisch verfilmen, sähe sich niemand einen Krimi an. Viel zu langatmig und ereignislos sei das Ganze, man denke allein ans Observieren oder Abhören verdächtiger Personen. Doch was tut der Mensch, um der Langeweile zu entkommen? Unter anderem reden – sofern ein anderer greifbar ist. Der australische Fernsehmacher Trent O'Donnell hat aus diesem menschlichen Bedürfnis die Cop Comedy "No Activity" entwickelt, die jetzt von einem deutschen Team adaptiert und für TVNOW unter dem Titel "KBV – Keine besonderen Vorkommnisse" zur Serie wurde. Ab Donnerstag, 25. Februar, laufen sechs etwa halbstündige Episoden im Premiumbereich des Streamingdienstes von RTL.

"KBV" hört und sieht zunächst mal drei Job-Pärchen beim Reden zu. Zwei Zivilpolizisten, gespielt von Jürgen Vogel und Serkan Kaya ("Der König von Köln") sitzen in einem Auto und observieren ein Gebäude. Darin befinden sich zwei kleine Ganoven, verkörpert von Denis Moschitto ("Aus dem Nichts") sowie dem Musiker und Entertainer Rocko Schamoni. Auch die beiden Gangster warten auf etwas. Sie wissen aber nicht, auf was genau – dafür befinden sie sich zu weit unten in der Hierarchie. Schließlich gibt es noch die per Funk mit dem Cop-Zivilfahrzeug verbundenen Kolleginnen in der Leitstelle, gespielt von Annette Frier und Maike Jüttendonk ("World of Wolfram", "Andere Eltern"). Dass viele Schauspieler Lust auf das Redestück hatten, beweist die Tatsache, dass in den sechs Folgen zudem prominente Gaststars wie Kida Khodr Ramadan ("4Blocks"), Andrea Sawatzki oder Christina Große auftreten.

Da sage noch mal einer, Reden und Zuhören läge nicht im Trend. Junge Menschen hören massenhaft Podcasts, und das Fernsehen launcht ein Laber-Format nach dem anderen. Stücke wie "Warten auf'n Bus" (ARD Mediathek), "In Therapie" (ARTE) oder nun eben "KBV": Jedes dieser fiktionalen Fernsehgespräche steht und fällt mit seinen Themen, Autoren und Schauspielern. Kreativdirektor und Regisseur Lutz Heineking, jr. ("Das Institut", "Andere Eltern") hat für "KBV" gleich eine ganze Reihe erfahrener Autoren engagiert, um die nach Hamburg transferierte Cop-Comedy schimmern zu lassen. Darunter Kreative, die für "Jerks", "Mein Leben & ich" oder "Ritas Welt" gearbeitet haben.

Ein Hauch von Tarantino

Thematisch kann man festhalten, dass "KBV" das Leben seiner Protagonisten unter den Aspekten Sex, Wertschätzung und Lebensziele betrachtet. Cops wie Gangster träumen vom besseren Leben, sie spiegeln sich in Selbstzweifeln und den Kommentaren ihrer Partner und Freunde – und natürlich will jeder dabei gut aussehen, schließlich ist man Teil eines Geschäfts, in dem die Bandagen eher hart geschnürt sind. Ein bisschen erinnert "KBV" deshalb an die Filme Quentin Tarantinos, in denen Gossen-Philosophie-Dispute das bisweilen quälend lange Vorspiel zu Gewaltexzessen bilden. Und bei denen sich Fans und Kritiker darüber streiten, ob das endlose Ziselieren von Befindlichkeiten oder Alltagsdetails – man denke an die Burger-Diskussionen zwischen John Travolta und Samuel L. Jackson in "Pulp Fiction" – nun unfassbar lustig oder quälend langweilig sind.

Auch an "KBV" werden sich die Geister scheiden. Krimifans dürften eher abwinken, da die Folgen weitgehend frei von Action, Spannung und klassischer Handlung sind. Und wer auf Comedy steht, muss ihn auch mögen – jenen eher derben, manchmal auch ein wenig deutsch überzogenen Humor. Jenes knallig Explizite, das allerdings auch die US-Adaption "No Activiy" (drei Staffeln seit 2017) ausmacht, in der immerhin Schwergewichte wie Will Ferrell, Bob Odenkirk oder Oscar-Preisträger J. K. Simmons als Gäste mitspielen. Nicht wenige Gags aus dem Original finden sich übrigens eins-zu-eins auch in der deutschen Adaption.

Die Kritiken zum US-Format fallen gemischt aus. So schrieb ein amerikanischer Kritiker: "Für eine Cop-Komödie fühlt sich das Format erfrischend schlampig und angenehm ziellos an. Es lädt den Zuschauer dazu ein, sich in seiner sanften Fröhlichkeit zu sonnen – auch wenn der Aufhänger für einige Zuschauer weniger als zufriedenstellend sein mag." Viel besser kann man es eigentlich nicht ausdrücken.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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