Sie war erst Nonne, dann Rebellin und die Frau des wohl bekanntesten Kirchenkritikers aller Zeiten: Katharina Luther. In einem Biopic, das die ARD nun erneut zeigt, wurde das Leben der ungewöhnlichen Frau gewürdigt.

Was tun im Reformationsjahr 2017 – 500 Jahre nach den 95 Thesen Luthers an der Kirchentür zu Wittenberg? Warum nicht die Geschichte des Kirchenrevolutionärs aus der Sicht von dessen Frau erzählen, dachte sich die ARD. Karoline Schuch spielt in "Katharina Luther" die unangepasste "Klosteraussteigerin" Katharina von Bora, die sich den Reformator (Devid Striesow) als Partner auf Augenhöhe ausguckt. Herausgekommen ist ein solider Historienfilm, der unaufgeregt eine ungewöhnliche Liebes- und Beziehungsgeschichte des 16. Jahrhunderts erzählt. Nun ist er in einer Wiederholung im Ersten zu sehen. Die Erstausstrahlung war ein großer Erfolg: Mehr als sieben Millionen Zuschauer schalteten im Februasr 2017 ein.

Entlaufene Nonne heiratet katholischen Mönch! Mehr Skandal ging nicht 1525, als Katharina von Bora den damals schon berühmten Kirchenkritiker Martin Luther ehelichte. Die erste Hälfte des in dunklen, staubigen Farben gehaltenen Kammerspiels beschreibt das Leben der jungen Katharina: Wie sie im Kloster ihren Dienst am Herren verrichtet, aber durch unter dem Tisch kursierende Schriften Luthers zu jener Rebellin wird, die mit einer Handvoll Gleichgesinnter aus dem Kloster flieht.

Im wirklichen Leben angekommen, wird der Alltag für die Geflohenen keineswegs leichter. Die einfache Bevölkerung Wittenbergs behandelt die Ex-Nonnen wie Aussätzige. Katharina trifft in Wittenberg bald auf den berühmten Reformator und seinen Gefährten Philipp Melanchthon (Ludwig Trepte). Doch Luther ist weniger Kraftmeier und Kämpfer als man annimmt. Er wirkt verletzlich, quält sich mit Zweifeln und arbeitet regelmäßig bis zur Erschöpfung.

"Katharina Luther" bietet eine Naheinstellung auf Aspekte des Lebens der Luthers: Die selbstbewusste Katharina, von Karoline Schuch zeitgemäß zurückhaltend verkörpert, etabliert sich als gleichberechtigte Partnerin. Sie wird zu einer Art Managerin ihres Mannes und stellt sich ihm als Gesprächspartnerin auf Augenhöhe.

Autor Christian Schnalke, Regisseurin Julia von Heinz und ihre Kamerafrau Daniela Knapp ("Hannas Reise") entschieden sich nicht nur für eine kammerspielartige Erzählweise, sondern wählten auch eine ebensolche Bildgestaltung. Das Spätmittelalter wird in konzentrierten Ausschnitten ausgeleuchtet. Insgesamt liefert der Film einen interessanten neuen Blick auf ein altbekanntes Thema. Auf eine gewisse Hölzernheit des Spiels, mit der wohl eine "steife" Zeit eingefangen werden sollte plus eine Spur öffentlich-rechtliches Bildungsfernsehen voll politischer Korrektheit muss man sich allerdings einlassen wollen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst