Im packenden ZDF-Fernsehfilm "So weit das Meer" spielt Suzanne von Borsody eine Mutter, deren Sohn einer Rachetat zum Opfer fiel und die um das Leben ihrer krebskranken Tochter kämpft. In prisma spricht die Schauspielerin über diese anspruchsvolle Rolle und ihre Liebe zur Malerei.

In "So weit das Meer" sind Sie Uta Carstens, deren Sohn von einem hasserfüllten Mann ermordet wurde und deren Tochter Maren an schwerer Leukämie leidet. Was geht in Uta Carstens vor, als sie nach 15 Jahren erstmals auf den Mörder ihres Sohnes trifft?

Das sieht man hoffentlich an meinem Spiel. Denn das, was in dieser Frau genau passiert, ist alles so ungeheuerlich, das kann man kaum in Worten ausdrücken. Wie furchtbar ist die Tatsache, am Ende beide Kinder verlieren zu müssen?

Uta Carstens bewahrt sich trotz allem Leid nach außen ihre Haltung, trägt ihr Schicksal geradezu mit Würde ...

Uta schaut in ihre Kinder wie in einen unendlichen Goldtopf. Was sie indes denkt, das bleibt ihr Geheimnis. Manchmal blitzt es durch. Dass man sich als Zuschauer fragt, was in dieser zutiefst verletzten Mutter vorgeht, finde ich spannend. Deshalb möchte ich ihr Geheimnis an dieser Stelle noch nicht lüften.

Es gibt unendlich viel Leid und Trauer in diesem Fernsehfilm der Woche. Wie haben Sie sich dieser Rolle genähert?

Es geht darum, die Essenz einer Figur herauszufinden und sich dann auf den Weg zu machen, um die Figur in sich selbst zuzulassen. Es ist ja eher eine kleinere Rolle, die ich als Uta Carstens spiele. Und das ist genau die Herausforderung: Ich musste mich sehr präzise vorbereiten und meine Figur sehr genau zeichnen, denn der Film erzählt auch viel zwischen den Zeilen. Uta Carstens ist eine allein erziehende Mutter, die sich nach außen hin mit geradezu preußischer Disziplin keine Schwächen erlaubt. Der Kopf läuft vorweg, die Beine haben zu folgen.

Wie bekommt man diesen Charakterzug handwerklich hin?

Die Körperhaltung ist alles: eben die Brust raus, den Bauch rein und die Schultern nach hinten.

Gibt es eine Szene im Film, die Ihnen beim Dreh besonders viel abverlangt hat oder die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Das Timing, die Haltung und die Atmung mussten passen. Denn fast noch wichtiger als das, was gesagt wird, ist in dem Film das, was nicht gesagt wird. Es ist dieses Zwischen-den-Zeilen-Spielen, das Unausgesprochene, das oft mehr Kraft hat als das geschriebene Wort. Das hat mir besonders gut gefallen.

Sie haben in den 1970er Jahren in München Kunst studiert und mit einem Master of Arts abgeschlossen, doch Ihr Talent für die bildenden Künste viele Jahre von der Öffentlichkeit ferngehalten.

Meine erste Einzelausstellung hatte ich im Jahr 2013. Ich wollte eigentlich nie ausstellen. Dabei male ich bereits länger, als ich Schauspielerin bin. Schauen Sie, ich muss mich ja bereits als Schauspielerin der öffentlichen Kritik stellen, da wollte ich nicht noch meine Malereien kritischen Geistern ausliefern. Aber es freut mich, dass auch in dem Bereich Lob für meine Arbeit kommt. Danke.