Ralf Husmann ist der Erfinder der Kult-Comedy "Stromberg". Nun hat er erneut mit Christoph Maria Herbst zusammengearbeitet. In "Merz und Merz" stellt Herbst gemeinsam mit Annette Frier ein in Trennung lebendes Ehepaar dar. Im Interview spricht der Autor über die Wiederbelebung der Comedy und die Zusammenarbeit mit den zwei Schauspielern.

Welche Vision hatten Sie denn, als Sie Merz gegen Merz geschrieben haben?

Die ursprüngliche Idee war es, ein Scheidungs-Comedydrama zu schreiben, welches aber keine Eskalation von Ehestreitigkeiten beinhaltet, sondern eigentlich anhand der Scheidung den beiden Protagonisten klar wird, was sie denn in den letzten zwölf Jahren so alles erlebt haben. Was war denn eigentlich die Grundlage für unsere Ehe und wie ist das jetzt abhanden gekommen? Die Sezierung der Krise war das, was ich vor Augen hatte.

Hatten Sie eine Vorlage oder einen bestimmten Film im Kopf?

Nein, es gab eigentlich nur diese Idee, mit Christoph Maria Herbst und Annette Frier zusammen etwas zu machen und dann war für mich schnell klar, daraus ein in Trennung befindliches Paar zu entwickeln, das sich dann aber noch einmal überlegt: Macht das nicht doch noch Sinn?

Hatten Sie beim Schreiben nicht ständig die Figuren Bernd Stromberg und Danni Lowinski vor Augen?

Nein, denn das gute an den beiden ist ja, dass sie sehr gute Schauspieler sind, keine reinen Comedians, die nur eine Kunstfigur darstellen. Sie sind sehr wandelbar, ich habe mit beiden auch schon verschiedene Projekte zusammen gemacht. Und mir ging es jetzt auch darum, zu verhindern, noch einmal dasselbe zu machen, also vor allem jetzt etwas Anderes zu schreiben. Und das geht mit Annette und Christoph sehr gut, weil sie selbst auch das große Interesse haben, sich nicht ständig zu wiederholen, sondern immer etwas Neues zu machen.

Was ist denn dieses Neue bei Merz gegen Merz konkret? Was haben Sie Annette Frier und Christoph Maria Herbst neu gegeben, was die Zuschauer so von ihnen noch nicht kennen?

Vielleicht ist es Annettes Figur als Anne Merz, die eine emanzipatorische Entwicklung durchmacht: von der Tochter aus gutem Hause, die plötzlich feststellt, dass sie die ganzen Jahre über nachlässig behandelt worden ist von ihren Eltern und auch von ihrem Mann. Und jetzt versucht sie ihre Position in der elterlichen Firma neu zu positionieren und nicht nur halbtags im Marketing zu arbeiten sondern auch Verantwortung für die Firma zu übernehmen. Bei Christoph ist das Neue vielleicht, dass man ihn jetzt auch einmal als Familienvater sieht, als Jemanden, der Verantwortung für den Sohn übernimmt und kein schlechter Vater ist. Er hat als Erik Merz eine pragmatische Herangehensweise an das Elternsein. Das hat eine schöne Farbe, die man Christoph so eigentlich nicht zutraut. Er hängt an dieser Ehe.

Wie funktioniert denn das Zusammenspiel zwischen Ihnen als Chefautor und den Schauspielern bei einer Sitcom?

Es gibt eigentlich kein Zusammenspiel im klassischen Sinne. Wenn ich weiß, wer die Figuren spielt, versuche ich mir die innere Stimme vorzustellen und dann schreibe ich los. Ich versuche also für mich einen Ton zu finden für diese Figuren, habe im Idealfall einen Sound im Ohr, schreibe dann und dann gibt es Leseproben mit den Schauspielern. Da sehen wir dann, ob es passt. Danach ändere ich noch einmal etwas und erst dann wird gedreht. Es gibt da also eine sehr klare Arbeitsteilung: Ich schreibe, lege den Schauspielern das vor, irgendwann gibt es das abschließende Buch und dann spielen sie das. Wir reden uns da gegenseitig nicht rein, wir haben großes Vertrauen ineinander.

Wie lange dauert der Prozess von der ersten Idee bis zum Dreh?

Das kann ich so pauschal nicht sagen. Das ist von vielen Dingen abhängig. Eigentlich wird es immer super eng, die ersten zwei drei Bücher habe ich, aber dann habe ich oft die letzten Sachen erst ganz knapp vor Drehbeginn fertig. Das war auch dieses Mal so. Aber wir haben alle großes Vertrauen ineinander, deshalb funktioniert es auch immer. Der Prozess beim Sender dauert eigentlich am längsten, oft müssen dort verschiedene Personen und Gremien entscheiden, ob und wie eine Serie umgesetzt wird. Bei Merz gegen Merz war es so, dass ich vor etwa drei Jahren den ersten Versuch gestartet habe.

Wie stehen Sie als Autor denn dazu, dass das ZDF jetzt die Comedy so stark für sich annimmt?

Das freut mich total. Naja, ich habe in dem Lustigsegment jetzt auch nicht so viele Autorenkollegen, die sich dort tummeln. Ich mache das ja regelmäßig und bin dort einer der wenigen. Deshalb freut es mich sehr, dass es solche Themen nun wieder öfters gibt. Ich beobachte, dass sich das Genre der Sitcom wieder ein wenig belebt. Darüber bin ich sehr froh, denn das ist ein tolles Format!

"Vielen Dank für diese Gratistherapie" – lesen Sie hier unser Interview mit Annette Frier und Christoph Maria Herbst zu "Merz gegen Merz".

TV-TIPP

"Merz gegen Merz" im ZDF

Folge 1 + 2

Donnerstag, 18.4.

22.15 - 23 Uhr

Weitere Folgen am 20.4 (21.45 Uhr), 21.4. (22.05 Uhr) und 22.4. (22 Uhr)

Insgesamt acht Folgen, ausgestrahlt in vier Doppelfolgen