Die Wohngegend bestimmt die Bildungschancen von Kindern in Mitteldeutschland. Das hat eine Studie ergeben, die heute in der MDR-Sendung "Exakt - So leben wir!" vorgestellt wird. Sie zeigt einen Zusammenhang zwischen der Schulbildung von Kindern und den Kaltmieten der Wohnungen, in denen die Familien leben. Je mehr die Eltern verdienen, umso höher ist die Chance für Kinder, eine Empfehlung für das Gymnasium zu erhalten.

Die Studie hat ein Beispiel in Jena untersucht. Dort schaffen etwa 77 Prozent der Grundschüler aus der Talschule in Wenigenjena den Sprung auf eine höhere Schule. Die Kaltmiete in dem Stadtteil beträgt durchschnittlich rund neun Euro. Sechs Kilometer entfernt bekommen jedoch nur etwa 25 Prozent der Grundschüler in der Saaletalschule die Empfehlung für ein Gymnasium. Die durchschnittliche Kaltmiete rund um die Bildungseinrichtung kostet mit 4,50 Euro kalt ungefähr die Hälfte wie in Wenigenjena.

Bildungsunterschiede auch im Vergleich ganzer Städte

Der Zusammenhang zwischen Einkommen und Bildung wird auch im Vergleich ganzer Städte sichtbar. In Jena etwa lag laut Landesamt für Statistik 2013 das Primäreinkommen je Einwohner bei durchschnittlich 19.635 Euro. Zum neuen Schuljahr 2016 haben in der Saalestadt 53,1 Prozent der betreffenden Kinder eine Gymnasialempfehlung bekommen. Zum Vergleich: In Erfurt bekamen bei einem Primäreinkommen von durchschnittlich 18.805 Euro etwa 44 Prozent diese Empfehlung. In Gera waren es bei durchschnittlich 16.600 Euro nur knapp 34 Prozent.

Das datenjournalistische MDR-Projekt "Exakt - So leben wir!" beschäftigt sich mit der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich, mit der Überalterung der Gesellschaft, dem wachsenden Gegensatz zwischen Stadt und Land und den Folgen der Digitalisierung unseres Lebens.

"Exakt - So leben wir!" läuft im September immer mittwochs um 20.15 Uhr im MDR.