Serie wird im BR wiederholt

Comeback eines Hallodri: Der "Monaco Franze" ist zurück

von Frank Rauscher

Etwas Aufmunterung und Ablenung können viele Menschen im Corona-Lockdown gut gebrauchen. Wie gut, dass im BR-Fernsehen wieder einmal der vielleicht charmanteste Schwerenöter der bayerischen TV-Geschichte durchs Programm stolziert.

Weil ein bisschen gute Laune gerade jetzt nicht schaden kann, weil es so schön in die Faschingszeit passt, und weil ein bisschen was halt immer geht, erlebt im Bayerischen Fernsehen jetzt eine der markantesten Münchner TV-Figuren aller Zeiten ein großes Comeback. Natürlich, es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass im BR-Dritten die "Monaco Franze"-Folgen wiederholt werden, aber noch nie kam der "ewige Stenz" so gelegen wie diesmal. Warum das so ist, liegt auf der Hand.

Wer mag, darf sich einen Spaß daraus machen, zu überlegen, was der von Helmut Fischer einst so trefflich verkörperte Kriminalhauptkommissar Franz Münchinger wohl zur aktuellen Situation sagen würde. Der Weiberheld und ewig auf Enterkurs segelnde "Herr der Sieben Meere" mit Abstand und Mundschutz, aber ohne Nachtleben? – Undenkbar! Vielleicht hätte er es noch eine Weile, umsorgt von seinem "Spatzl", ausgehalten, in der großen Schwabinger Wohnung. Aber mehr als ein, zwei Wochen festgenagelt im Lockdown – der Monaco dahoam? Geh weiter! Dazu noch der ganze gesellschaftliche Zwist – schlimmer als "des G'schiss mit der Elli". Kurzum: Vermutlich hätte sich der Franze, ein Mann, der sich gewissermaßen allein von des Lebens bunter Vielfalt ernährte, von der Reichenbachbrücke gestürzt. Ab in die Isar, und aus.

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Erkenntnisse dieser Art dürften die Münchner Kultfigur derzeit für viele Zuschauer zum Sinnbild machen für die quasi täglich wachsende Sehnsucht nach besseren Zeiten. Wobei es natürlich schon immer so war: Es brauchte nie viel mehr, als ein paar schwungvolle Takte der von Dario Farina komponierten Titelmusik, um sich direkt wieder hineinzuversetzen in die Welt der Schönen, Reichen und Durchgeknallten, in ein bohèmes München-Schwabing, das heute viel von der mythischen Verklärung lebt. Einer Verklärung, die auch der Kreativität und Beobachtungsgabe des unvergessenen Helmut Dietl zu verdanken ist, der diese wunderbare Fernsehserie in Szene setzte.

Um ein Geheimnis zu verraten: Es war auch damals, in den wilden 80er-Jahren, nicht alles gut zwischen Pinakothek und Münchner Freiheit. Aber immerhin gab es jede Menge pralles Leben, viel zu trinken und noch mehr zu entdecken für einen Hallodri wie den Monaco Franze, der nicht weniger war als ein "Weltenbummler", wenn man denn die Restaurants, die Oper, die Bars und Diskotheken Münchens als Welten akzeptiert.

Helmut Fischer: "Die Rolle meines Lebens"

Ja mei, der Monaco Franze! Über zehn TV-Episoden lavierte und streunerte er 1983 durch München, immer auf der Suche nach "kleinen Abenteuern", sprich: nach aufregenden weiblichen Bekanntschaften. "Ein bissel was geht immer", lautet das Motto des Kriminalbeamten Münchinger. Wenn er auf der Straße eine schöne Frau sieht, na dann geht er halt erst mal hinterher. Auch wenn zu Hause sein "Spatzl" Annette (Ruth Maria Kubitschek) wartet, das von Franz' diversen Liebeleien natürlich möglichst nichts erfahren soll. Ein köstliches Schauspiel, dessen Charme und schelmischer Witz bis heute seinesgleichen sucht. Den Münchnern ist der Lebemann nicht ohne Grund bis heute heilig, an der Münchner Freiheit steht eine Statue, die an ihn erinnert.

"Der Monaco Franze war die Rolle meines Lebens, eine bessere gibt es nicht für mich. Das ist so eine gute Sache gewesen", resümierte Fischer einst seine schauspielerische Karriere. Privat allerdings unterschied er sich ziemlich von dem leichtlebigen Frauenhelden. "Ich nehme das Leben oft viel zu schwer und ernst. Zwar bin ich auch spontan im Wesen, aber nicht so flexibel – eher schwerfällig", gab er 1996 anlässlich seines 70. Geburtstags zu Protokoll. Es sollte sein letzter Geburtstag sein, Fischer wusste damals schon, dass er an Krebs erkrankt war. Der bayerische Volksschauspieler starb am 14. Juni 1997.

Der 2015 verstorbene Helmut Dietl erklärte einst im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" über seinen Protagonisten auf: "Von etwas windiger Eleganz, der jeweils herrschenden Mode immer einen Schritt vorausstolzierend, hat der Stenz die Pflege seines Haupthaares sowie die Pflege seiner Schuhe (von denen er unzählige besitzt) zu kultischen Handlungen entwickelt. Er legt Wert auf Umgangsformen bzw. auf das, was er dafür hält, und schafft es, das oberste Ausstrahlungsziel dabei nicht aus den Augen zu verlieren: immer cool und lässig zu sein. Seine Sprache ist cool und lässig, die Art, wie er ein Glas, eine Zeitung oder eine Sonnenbrille hält, ist cool und lässig."

Dass damals, zwischen 1981 und 1983 nur eine einzige, zehn Folgen umfassende Staffel gedreht wurde, erscheint aus heutiger Sicht, da Serien geradezu inflationär unters Volk gebracht werden, unfassbar. "Monaco Franze – Der ewige Stenz" lief 1983 bundesweit in allen ARD-Programmen zur besten Sendezeit und hatte gigantische Einschaltquoten. Laut Medienberichten hätten vor allem Ruth Maria Kubitschek und Helmut Fischer nur zu gerne weitergemacht – doch kurioserweise hatte der BR damals offenbar kein Interesse an einer Fortsetzung.

Heute weiß man beim BR sein kultiges Stück TV-Historie allerdings gut zu pflegen. Die Erinnerung wird regelmäßig mit Wiederholungsschleifen hochgehalten. Das BR-Fernsehen zeigt "Monaco Franze – Der ewige Stenz" seit 19. Januar, immer dienstags, 22.00 Uhr, und in der BR-Mediathek.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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