Ist "Monster Hunter" rassistisch?

Film mit Milla Jovovich fliegt in China nach einem Tag wieder aus den Kinos

Die Videospielverfilmung "Monster Hunter" war seit 3. Dezember in den chinesischen Kinos zu sehen – bis zum 4. Dezember. Nach nur einem Tag wurden die Vorstellungen gestoppt. Dem Film wird Rassismus vorgeworfen.

Asien, insbesondere China gilt aktuell als einziger Filmmarkt, auf dem Produktionen wie in der Zeit vor Corona gezeigt werden können. Doch die Videospiel-Verfilmung "Monster Hunter", die nach mehreren Verschiebungen ab 28. Januar 2021 in Deutschland anlaufen soll, war lediglich einen Tag in den chinesischen Kinos zu sehen. Dann wurde das Werk von Regisseur Paul W.S. Anderson ("Resident Evil") bereits wieder abgesetzt. Eine kontroverse Szene zu Beginn des Films, in dem Milla Jovovich die Hauptrolle spielt, sorgt laut Branchenblatt "Deadline" für Rassismus-Vorwürfe.

Die Szene dauert lediglich zehn Sekunden, birgt aber ordentlich Brisanz: In seiner Rolle als US-Soldat sagt der asiatischstämmige US-Rapper und Schauspieler Jin Au-Yeung im Original "Look at my knees. What kind of knees are these?" und gibt die Antwort selbst: "Chi-knees". Dieser Spruch hat einen problematischen Hintergrund: Er ist an einen alten Reim angelehnt, der asiatischstämmige US-Bürger rassistisch beleidigen sollte.

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Die Kinobesucher, die des Englischen nicht mächtig waren, haben dies zwar nicht mitbekommen. Wie in vielen Ländern werden in China ausländische Filme im Original und mit Untertiteln gezeigt, in diesen wurde der Spruch aber laut des Analysten Daniel Ahmad mit einer chinesischen Redewendung ersetzt. Auf Deutsch lässt sich die Redewendung übersetzen mit "Männer knien nur vor dem Himmel und ihren Müttern."

Doch das wiederum weckte bei englischsprachigen Chinesen negative Assoziationen. In Verbindung mit der ursprünglichen rassistischen Bedeutung, hatten manche Zuschauer den Eindruck, es solle die Botschaft vermittelt werden, China solle sich vor den USA beugen. Der daraus resultierende Aufschrei sorgte offenbar dafür, dass alle Vorstellungen von "Monster Hunter" im Reich der Mitte vorerst gestoppt wurden.

Die Produktionsfirma Constantin Film hat sich mittlerweile beim chinesischen Publikum entschuldigt und beteuert, niemanden rassistisch beleidigen oder verletzen zu wollen. Laut "Deadline" spielte der Film vom 3. auf den 4. Dezember bereits 5,3 Millionen US-Dollar ein. Besagte Szene soll nun aus dem Film herausgeschnitten werden. Ob es für "Monster Hunter" ein Zurück in die chinesischen Kinos gibt, ist aber dennoch unklar.

Dabei steht hinter dem Film mit Tencent selbst ein chinesisches Unternehmen, welches obendrein als Kommission die Spiele überprüft. Offenbar hatten die Macher mit diesen Reaktionen nicht gerechnet. Darunter leiden muss auch das japanische Unternehmen Capcom, welches für die "Monster Hunter"-Videospiele zuständig ist. Der aktuelle Teil "Monster Hunter: World" erhielt vom 4. bis 5. Dezember auf der Gaming-Plattform Steam über 2000 negative Bewertungen hauptsächlich chinesischer Nutzer.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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