Krimi im ZDF

"Der Kommissar und die Wut": Fortsetzung erwünscht

von Eric Leimann

Nun, ist das schon eine Krimireihe? Ziemlich genau drei Jahre nach dem vielschichtigen Entführungs-Krimi "Der Kommissar und das Kind" kehrt das Berliner Ermittlerteam um Roeland Wiesnekker und Meike Droste zurück. Immerhin, ein dritter Film – im Frühjahr soll er gedreht werden – befindet sich bereits in Vorbereitung.

ZDF
Der Kommissar und die Wut
Kriminalfilm • 07.12.2020 • 20:15 Uhr

Logistische Probleme, wahrscheinlich auch die Pandemie, sorgten dafür, dass eine der vielversprechendsten Krimireihen des ZDF bislang in Sachen Nachschub nicht so recht in die Gänge kam. Im Sinne des Zuschauers, aber auch der Kreativen, die hier sowohl Kunstanspruch als auch das erste bis zehnte Unterhaltungs-Gebot "Du sollst nicht langweilen" bestens umsetzen, wäre eine regelmäßige Krimireihe zu wünschen.

Dabei klingt der Fall erst mal, als könne er so oder so ähnlich in jedem beliebigen Vorabendkrimi stattfinden: Der 19-jährige Tim Jatzkowski (Aaron Hilmer) kommt nicht nach Hause. Bei seinem Vater, Luxusautohändler Heiner Jatzkowski (Benno Fürmann), geht eine dilettantisch klingende Lösegeldforderung ein. Während die Mutter (Ulrike C. Tscharre) in großer Angst um ihr einziges Kind lebt, will der hemdsärmelige Vater den Hardliner geben. Zu Jatzkowskis Stammkunden, die er mit getunten Luxussportwagen versorgt, zählen unter anderem Berliner Clans. Er entschließt sich gegen eine Lösegeldzahlung – und für "Ermittlungen" durch seine zwielichtigen Kumpel. Dabei rät das Team um Kommissar Martin Brühl (Roeland Wiesnekker) und Psychologin Susanne Koch (Meike Droste) dringend zur Zahlung des Lösegeldes, weil "Amateure die gefährlichsten Entführer seien".

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Eine erste Spur führt Martin Brühl zu Weinhändler Oliver Froeling (Lucas Gregorowicz). Der geschunden und entnervt wirkende Mann lebt gegenüber jenes Hauses, vor dessen Einfahrt Tims Sportwagen in der Nacht seines Verschwindens abgestellt wurde. Froeling, stellen die Ermittler fest, scheint dicke Autos aufrichtig zu hassen. Ja, er empfindet gar eine kaum steuerbare Wut auf sie. Ein perfides Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Polizei, Weinhändler Froeling, Automann Jatzkowski sowie seinen äußerst gefährlichen Kunden beginnt.

Ku'damm gesperrt: Ein illegales Autorennen in kinoreifen Bildern

Drehbuchautor Christoph Darnstädt ist der geistige Vater der TV-Krimis mit Kommissar Martin Brühl. Man kennt Darnstädt als Autor der früheren Til Schweiger-"Tatorte", die jedoch meist exklusiv über ihre actionreichen Bilder und den polarisierenden Hauptdarsteller "gelesen" wurden. Darüber hinaus war Darnstädt für viele Berliner "Tatorte" im schreibenden Einsatz, zuletzt für die ambitionierte Deutsche-Einheit-Jubiläumsfolge "Ein paar Worte nach Mitternacht".

In Darnstädts "anderem" Berlin-Krimi mit dem wie immer charismatischen Roeland Wiesnekker als Ermittler treten allerdings Qualitäten zutage, welche die geplante ZDF-Reihe durchaus aus der üblichen Krimiflut erheben. Die "Der Kommissar"-Erzählungen führen die Zuschauer auf falsche Fährten. Es werden Plots aufgezogen, die durch seltsame, aber nachvollziehbare Wendungen in völlig andere Richtungen laufen und es wird mit Szenen gespielt, die einen linearen Handlungsverlauf brechen oder zumindest infrage stellen.

Dazu kommen Figuren, die einerseits ernsthaft, aber auch auf grimmige Art ironisch gebrochen werden, sodass fast schon ein Hauch der Coen-Brüder durchs TV-kriminelle Berlin zu wehen scheint. Das alles jedoch immer unter dem Diktat einer spannenden, klugen Geschichte, die man aufmerksam verfolgen sollte, um großen Spaß aus diesen klugen und in hochwertigen Bildern (Regie: Andreas Senn, Kamera: Leah Striker) herausziehen zu können.

Wie ernst die Filmemacher ihren Unterhaltungsauftrag nahmen, sieht man an einer Szene gegen Ende des Films. Für ein illegales Autorennen zwischen zwei jungen Boliden-Rasern wurde der gesamte Ku'damm für eine Nacht gesperrt. Die Szene – mit "krassem" Ausgang – wird in kinoreifen Bildern ins Pantoffelkino geliefert, da schnalzt man schon mal mit der Zunge.

Roeland Wiesnekker, der längst ein eigenes Ermittlerformat verdient hätte – früher war er mal Chef von Wolfram Koch und Margarita Broich im Frankfurter "Tatort" – steht beim zweiten Krimi nicht so persönlich im Mittelpunkt wie im ersten Fall, der im November 2017 im ZDF zu sehen war. Das macht aber nichts. Als hochsensibel brummiger Ermittler haben Figur und Schauspieler noch viel Potenzial für weitere kluge Erzählungen. Der nächste Film soll übrigens "Der Kommissar und die Eifersucht" heißen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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