Zwei Familien bewirtschaften Farmland in der gleichen Gegend in Mississippi, doch trotzdem leben sie in unterschiedlichen Welten. Bis zwei Männer eine ungewöhnliche Freundschaft eingehen. Und damit ihr Schicksal besiegeln.

"Ich weiß nicht, was sie dich da drüben machen ließen, aber du bist jetzt wieder in Mississippi. Und hier benutzen Nigger wie du die Hintertür", giftet Pappy McAllan (Jonathan Banks) Ronsel Jackson (Jason Mitchell) an. Ronsel, der im Zweiten Weltkrieg in Europa Seite an Seite mit den Weißen kämpfte, will nicht mehr die Hintertür benutzen. Doch seine Heimat zeigt ihm allzu deutlich, dass der Krieg für ihn noch lange nicht vorüber ist.

Es ist nicht leicht, das Netflix-Drama "Mudbound" (zu Deutsch etwa "Schlammbegrenzung"), das am 21. Januar auf dem Sundance Film Festival seine Weltpremiere feierte, anzusehen, ohne eine unsägliche Wut zu bekommen. Wut auf alle Pappy McAllans der Gegenwart, die nicht begreifen, dass sie anderen nicht durch ihre Hautfarbe überlegen sind. Wut auch auf die, die Ungerechtigkeiten sehen und trotzdem wegschauen. Und vor allem Wut auf die, die heute noch ähnlich denken und handeln, und das, obwohl sich in so langer Zeit eigentlich schon vieles hätte bessern müssen. Doch es gibt Hoffnung. Auch sie findet in dem beeindruckenden Werk von Regisseurin Dee Rees seinen Platz.

Grundbesitzer weiß, Arbeiter schwarz

Mississippi, im Süden der USA, in den 1940er-Jahren: Zwei Familien leben hier nahe zusammen, doch sind sie trotzdem eindeutig getrennt. Die Grundbesitzer sind weiß, die Arbeiter schwarz. Auf der einen Seite Henry McAllan (Jason Clarke), der irgendwo in der Pampa versucht, den Traum von einer florierenden Farm zu verwirklichen, und seine Frau Laura (Carey Mulligan), die inmitten dieser Schlammwüste beginnt, an Henrys hochfliegenden Plänen zu zweifeln. Auf der anderen Seite die Afroamerikaner Hap (Rob Morgan) und Florence Jackson (Mary J. Blige), deren Familien das Land seit Generationen bewirtschaftet haben, und die versuchen, ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Doch trotz aller Unterschiede, das ist nur eine von vielen Aussagen in diesem großartigen Film, plagen die einzelnen Familienmitglieder oft die gleichen Sorgen und Nöte.

Zur gleichen Zeit kämpfen Henrys Bruder Jamie McAllan (Garrett John Hedlund) und Haps Sohn Ronsel Jackson im Zweiten Weltkrieg gegen die Deutschen. Als die beiden aus dem Krieg zurückkehren und sich in der Heimat anfreunden, stellen sie die alten Hierarchien auf den Kopf und bringen einige Südstaatler gegen sich auf. Die Katastrophe scheint unvermeidlich.

Es tut weh – und muss es wohl auch

Die Geschichte, die "Mudbound" erzählt, ist keinesfalls neu. Doch so lange die USA und auch der Rest der Welt nicht nur einen Schritt, sondern endlich einen gewaltigen Sprung nach vorne wagen und Rassismus aus den Köpfen der Menschen verschwindet, so lange braucht es solche Filme, die uns vor Augen halten, dass jeder Mensch gleich ist und somit die gleichen Rechte haben sollte, ob schwarz, weiß, Frau oder Mann. Wenn Ronsel sagt: "Ich hatte für mein Land gekämpft, um festzustellen, es hatte sich nichts geändert", dann hofft man inbrünstig, dass es ihm in der heutigen Zeit anders erginge. Doch sicher ist man sich dessen – unter anderem in Anbetracht der rechtsextremen Demonstrationen in Charlottesville im August – keinesfalls.

Und so bewirkt "Mudbound" vor allem eines: Das exzellent besetzte und bildgewaltige Drama tut weh. Und das muss es wohl auch.


Quelle: teleschau – der Mediendienst