Erst Theater, dann Tatort, jetzt bekommt Friederike Ott die Hauptrolle in einem der großen Quotenschlager des deutschen Fernsehens: einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung des ZDF.

Zum ersten Mal aufgefallen ist Friederike Ott in einem Stück, für das sie gar nicht eingesetzt werden sollte. 2012 war das, da wurde sie von Martin Kušej ins kalte Wasser geworfen, auf die Bühne des "Resi", des Residenztheaters in München. Für die schwangere Erstbesetzung der Warja war das extravagante Bühnenbild zu gefährlich, also bekam die damals 29-Jährige ihre Chance – und nutzte sie.

Es folgten Rollen wie das Pünktchen in "Pünktchen und Anton", es folgten Auszeichnungen wie der Bayerische Kunstförderpreis oder der Kurt-Meisel-Förderpreis für eben diese Rolle – und es folgten Sätze wie "Das Resi ist für mich Familienersatz". Und doch ist sie 2017 nach Frankfurt zurückgekehrt, ans Schauspiel, wo ihre Karriere nach dem Studium begonnen hat.

"Für mich klingt das nach purem Hohn"

"Wandelbar wie die Raupe zum Schmetterling" sei sie, schrieb die Presse, und das beweist sie jetzt einmal mehr. Nach Ausflügen zu Film und Fernsehen, zuletzt in Philip Kochs hochgelobten Tatort "Der Tod ist unser ganzes Leben", hat sie am 19. November ihre erste Prime-Time- Hauptrolle – in der Pilcher-Verfilmung "Wenn Fische lächeln" (20.15 Uhr, ZDF). Es sei der perfekte Zeitpunkt gewesen, sagt sie, der Wechsel ans Schauspiel habe ihr ermöglicht, eine Spielzeit lang frei zu arbeiten. Eine Pilcher-Hauptrolle bekomme man außerdem nicht alle Tage, zumal wenn man kein bekanntes Gesicht sei. "Ich wusste, es ist auch eine Herausforderung, aber gerade das machte es reizvoll."

Dennoch erscheint der Sprung vom Theater ins romantische Fach mutig, gelten Rollen wie diese doch nicht gerade als komplex. Eine Unterstellung, die Ott so nicht stehenlassen will: "Für mich klingt das nach purem Hohn. Eine Hauptrolle in einem Pilcher-Film ist durchaus eine große Herausforderung und verbunden mit sehr viel Arbeit." Am Set warte ein hohes Pensum, und auch wenn die Text- und Figurenarbeit dadurch manchmal vernachlässigt werden müsse, liege es an jedem Darsteller selbst, was er aus seiner Rolle mache. "Man muss die Figuren ernst nehmen mit ihren Ängsten und Nöten, versuchen, sie anzureichern mit allem, was das Menschsein ausmacht. Das ist mein Anspruch an mich selbst als Schauspielerin, egal, ob ich jetzt die Marie in Georg Büchners Woyzeck spiele oder eben eine Pilcher- Figur."

Zudem sei sie überrascht gewesen, wie vielschichtig in diesem Drehbuch erzählt worden sei, sagt Ott. "Es ging um Herkunft, Identität, Verlust und Liebe, aber vor allem um einen inneren Prozess. Wie trifft man Entscheidungen? Wie sehr wird man von äußeren Umständen dabei beeinflusst? Was bringen Erfolg und Karriere, fernab von den eigentlichen Idealen? Dazu gab es noch eine Portion Gesellschaftskritik, gepaart mit Mystik und Aberglaube." Nicht zu viel für einen einzelnen Film? "Die Filme haben immer den Anspruch, besonders viele Themen unter einen Hut zu bringen", sagt sie. "Ich glaube, der Grund dafür ist, eine möglichst breite Zuschauerzahl anzusprechen und zu vermeiden, dass sich jemand nicht angesprochen fühlt, langweilt und gar abschaltet. Dabei glaube ich gar nicht, dass es falsch wäre, wenn man sich auf ein Thema fokussierte. Aber vielleicht ist es ja gerade dieses 'Schema F', das der Zuschauer braucht, um sich nicht zu sehr anstrengen zu müssen und um an einer Geschichte dranbleiben zu können, vielleicht auch, um ein Stück weit zu entspannen, um nicht zu viel Aufregung ertragen zu müssen; dafür wird alles wohl temperiert serviert." Zwar werde das Potential nicht immer voll ausgeschöpft, meint Ott, doch letztlich beweise der jahrelange Erfolg, dass es eben genau so funktioniert.

"Die Chemie zwischen uns stimmte"

Funktioniert habe vor allem auch das Zusammenspiel mit den Kollegen, allen voran mit ihren Filmeltern Gundi Ellert und Jürgen Heinrich. "Gundi hat eine umwerfende Energie und eine beeindruckende Genauigkeit im Spiel – sowohl auf der Bühne als auch vor der Kamera. Sie hat mich immer wieder aufs Neue als Spielpartnerin gefordert. Vor allem hat sie mir ihr Vertrauen geschenkt und an meine Fähigkeiten geglaubt. Und mit Jürgen Heinrich teilte ich von Anfang an eine große Emotionalität, die Chemie zwischen uns stimmte einfach."

Bliebe noch die Rolle, eine Londoner Anwältin namens Liz. Und auch die habe ihr gelegen, sagt Ott. "Im Laufe des Films wechseln sich schmerzhafte Erfahrungen mit höchster Euphorie ab", sagt Ott. "Es bedarf der Zeit und manchmal auch eines großen Kampfes, um Entscheidungen für das Leben zu treffen, mit allen Konsequenzen. Das macht die Figur für mich so menschlich und nahbar." Und irgendwie klingt das dann doch wieder erstaunlich nach den Figuren, die sie so oft auf der Theaterbühne verkörpert hat. Bleibt abzuwarten, was die Kritiker dieses Mal schreiben.