Das Finale der "Tribute von Panem"-Reihe, "Mockingjay Teil 2", ist bei ProSieben erstmals im Free-TV zu sehen. Für Jennifer Lawrence alias Katniss Everdeen heißt das: Ein letztes Mal Krieg.

Im Krieg und in der Liebe gibt es keine Regeln. "Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2" (2015) ist ein Film über den Krieg und über die Liebe. Alles ist erlaubt in diesem barbarischen Finale einer Reihe von Jugendbuchverfilmungen. Von Beginn der Reihe an (2012) war keine Angst zu spüren, sich den grausamen Wahrheiten über das Wesen der Menschen zu stellen und diese auch zu zeigen. Das muss man den "Tribute von Panem"-Filmen hoch anrechnen: Sie scheuten sich nicht davor, die Grausamkeiten auch im Bild umzusetzen.

Der zu Teilen in Berlin gedrehte Film setzt genau da ein, wo der erste Teil des Finales aufhörte: Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence), die eigentlich als strahlendes Propaganda-Aushängeschild den Volksaufstand in Panem anführen soll, ist schwer verletzt. Man sieht, dass die Heldin keine Kraft mehr hat: Peeta (Josh Hutcherson) mit dem sie zusammen die Hungerspiele überlebte und den sie liebt, hatte sie fast umgebracht. Vom Kapitol einer Gehirnwäsche unterzogen, lebt Peeta in einer Welt voller Wahnvorstellungen und projiziert seinen Hass und seine Angst auf Katniss.

Die Menschlichkeit geht allenthalben flöten, auch bei den Rebellen. Was schon in der ersten "Mockingjay"-Hälfte anklang, wird nun Gewissheit: Der Kampf gegen Präsident Snow (Donald Sutherland) ist nur eine Etappe auf dem Weg in die Freiheit. Die nächste Diktatorin steht schon bereit, und ihr ist jedes Mittel recht, um an die Macht zu kommen. Als Revolutionärin verkleidet, spielt Alma Coin (Julianne Moore), die militärische Anführerin des Aufstandes der Distrikte, dasselbe grausame Spiel wie Snow. Der Krieg macht Monster aus allen.

Dunkel, laut, hektisch

Man mag bemängeln, dass "Mockingjay 2" allzu brav den Regeln des Blockbusters folgt und sich ergeben in die dramaturgischen Zwänge des Unterhaltungsfilms fügt. Das wird ganz deutlich in einer Reihe von Szenen in der Kanalisation des Kapitols. Dort wollen sich Katniss und ihre Mitstreiter zum Präsidentenpalast vorarbeiten und bekommen es mit einer Horde von Mutanten zu tun. Es folgt ein Hauen und Stechen, wie man es aus Zombiefilmen kennt – dunkel, laut, hektisch. Hier hat Regisseur Francis Lawrence seinen Film ganz deutlich auf Spektakel getrimmt. Aber hinter diesem Spektakel lauern auch immer die Wahrheiten.

Denn, und das ist das Beachtliche, "Mockingjay" holt damit eben auch das Zielpublikum ab. Im Prinzip kann man den Film, eigentlich die ganze Reihe, als didaktisches Mittel sehen, um zu vermitteln, was schwer zu vermitteln ist. Dabei geht es diesmal weniger um Medienkompetenz und Propaganda, es geht um das Wesen des Krieges und die Notwendigkeit von persönlichem Engagement, um die Welt erträglich zu machen. Regisseur Francis Lawrence bringt die Verfilmung der Romantrilogie von Suzanne Collins mit gebotener Drastik zu einem Ende, das keine Sieger kennt. Strahlen kann jedenfalls niemand nach diesem Krieg.


Quelle: teleschau – der Mediendienst