Ach, der Spreewald: eine Landschaft, wie für Sagen und Mythen gebaut. Weniger für Krimis. Sturköpfig wie sie nun mal sind, versuchten sie es trotzdem beim ZDF und sind nun mit dem Wagnis bereits bei der zehnten Folge angelangt. Thomas Kirchner schrieb alle Drehbücher, in denen – so die selbstgestellte Aufgabe – die Landschaft die Hauptrolle spielen soll.

Zum kleinen Jubiläum gibt es nun ein Wiedersehen mit früheren Hauptdarstellern, mit Teilen aus früheren Geschichten, die fortgesponnen werden. Kirchner macht es dem Zuschauer nicht leicht. Aber es bleibt eine große Metapher für die vergehende Zeit und die Schuld, die in ihr zurückgeblieben ist. In "Spreewaldkrimi – Zwischen Tod und Leben" (Regie: Kai Wessel) geht es bei aller Spreewald-Romantik um Treuhandmachenschaften und dunkle Geschäfte am Ende der DDR.

Mit einer Riesenexplosion fängt alles an: Kommissar Krügers Wohnwagen fliegt in die Luft, noch Minuten nach dem großen Krach steht alles in Flammen. Krüger (Christian Redl) liegt mit einer Kopfwunde am Boden. Wenig später gleitet er mit einem Fährmann (Kai Scheve) über den Spreewald-Fluss. Und Krüger weiß nicht, ob er noch unter den Lebenden oder schon unter den Toten ist. Im Koma, in dem er nun wirklich liegt, versucht er, sich an Vergangenes zu erinnern.

Schuld am Vergangenen

Ist nicht der Fährmann jener Karsten Hellstein, der sich einst nach einem Immobilienskandal und dem Brand seines Hotels das Leben nahm? Und ist nicht das immer noch brennende Hotel längst abgebrannt? – Ach, stundenlang könnte man den beiden so zusehen, wie sie sich fragen, was geschehen ist, und wer die Schuld am Vergangenen trägt. Schuld wohl nicht nur am Tod Einzelner, sondern auch am ganzen Unglück der Zeit mit all ihrer sozialen Ungerechtigkeit. Die getragene Musik von Ralf Wienrich mit dem Filmorchester Babelsberg treibt die Geschichte wie einen Stummfilm voran.

Immer wieder blendet der Film in die Vergangenheit zurück, und das in mehreren Stufen: Krüger, der in sich gekehrte störrische Kommissar, recherchiert zu "Lebzeiten". Er kommt einem Erpresser auf die Spur, der wiederum ein Trittbrettfahrer ist. Er hat den Computer eines in Bautzen eingesessenen Ganoven gehackt. Der hatte eine schwarze Liste von Wendegewinnlern in den Händen, die vieles an den Behörden und rechtmäßigen Besitzern vorbeischoben. Aus Kinder-Ferienheimen wurden etwa mit Gewinn Golfplätze gemacht.

Es fügt sich, dass jener Trittbrettfahrer ausgerechnet der Sohn des vor fünf Jahren in den Tod Getriebenen ist. Krüger fühlt sich schuldig. Er hätte es verhindern können. So hilft er denn lange dem Falschen und dessen Freundin, die als Erpresser gemeinsame Sache machen. Er wird es fast mit seinem Leben bezahlen. Das nimmt sich dann leider doch sehr hakelig aus und hält mit der mystischen Ebene des Films keinesfalls mit.

Cameo-Auftritte auf dem Friedhof

Fast fürchtet man schon, es werde der letzte Spreewaldkrimi sein, so nahe ist Krüger diesmal dem Tod. Auch legen es die Cameo-Auftritte auf dem Lübbener Friedhof und die Handlungsrückgriffe nahe. Da versammelt sich alles, was Rang und Namen hat – von Anna Loos bis Rolf Hoppe, von Ulrike Krumbiegel bis Anja Kling –, um noch einmal in frühere Rollen zu schlüpfen. Doch es kann Entwarnung gegeben werden: Krüger lebt – und macht am Ende mit seiner Mefistohaube gar noch die lustige Figur. Wer hätte das zu Beginn gedacht?


Quelle: teleschau – der Mediendienst