Sieht so die Zukunft aus? Man will es nicht hoffen! Im Saar-"Tatort: Ex Machina" (Regie: Christian Theede) ermittelte Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) im Fall eines Autos, das zur tödlichen Waffe wurde. Spannende Sache, nur: Das gab's so ähnlich schon einmal im Sonntagskrimi. Haben die "Tatort"-Koordinatoren etwa die Übersicht verloren über ihre Filme? Oder haben gar die Macher der Krimireihe keine neuen Ideen mehr?

Was war los?

Nach einem Streit mit IT-Unternehmer Victor Rousseau (Steve Windolf), dessen Anwalt er war, kam Sebastian Feuerbach (Nikolai Kinski) bei einem spektakulären Autounfall ums Leben. Der Wagen, in dem er saß, war allerdings kein gewöhnlicher, sondern vollgestopft mit Technik. Ein selbstfahrendes Auto, über das Rousseau ferngesteuert die Kontrolle übernommen hatte. Einen Selbstmord konnte der zu Tatort herbeigeeilte Stellbrink schnell ausschließen. Bis der Offline-Ermittler den Täter aber dingfest machen konnte, musste er sich so manche Nachhilfestunde in Sachen Zukunftstechnologie geben lassen.

Gab's das nicht schon einmal?

Wer sich noch an den Bremer "Tatort: Echolot" vom vergangenen Jahr erinnert, dem dürfte die Idee von einem Auto als Mordwaffe bekannt vorkommen. Damals war es eine junge Frau, die in einem Fahrzeug ums Leben kam, weil dessen Steuerungssoftware manipuliert wurde. Das Opfer – Parallele Nummer zwei – stammte ebenfalls aus dem Umfeld eines hippen Tech-Start-Ups. Aber auch schon "Echolot" war nicht wirklich ein Novum im "Tatort"-Universum: Einige Wochen zuvor wurde im Stuttgarter "Tatort: HAL" ein ähnliches Szenario durchgespielt. Auch hier war es eine Software, die Menschen tötete. Alles spannende Themen, keine Frage. Etwas mehr Abwechslung wäre aber doch ganz schön. Zumal vor den Fernsehgeräten sicherlich nicht nur Technik-Skeptiker sitzen.

Wie realistisch ging es zu?

Als Anwalt Feuerbach in sein Auto stieg, ermahnte ihn selbiges: Er habe einen erhöhten Herzschlag und etwas Alkohol im Blut. "Wünschen Sie pilotiertes Fahren?" Wünschte er nicht, und so raste Feuerbach in den Tod. Das, was sich die Autoren Hendrik Hölzemann und David Ungureit da ausgedacht hatten, war nur bedingt Zukunftsmusik. Selbstfahrende Autos dürften schon in wenigen Jahren unsere Straßen befahren (und Innenstädte verstopfen) – aber lassen sie sich auch so manipulieren, dass sie als tödliche Waffen eingesetzt werden können? Während es in der aktuellen Diskussion viel um Versicherungsfragen geht (wer haftet bei einem tödlichen Unfall – der Fahrer oder der Autohersteller?), scheinen Hackerangriffe noch kein großes Thema zu sein. Sollten sie aber, wie dieser Film zeigte.

Worüber wird zu reden sein?

Auch sonst bot "Mord Ex Machina" reichlich Gesprächsstoff. "Die Menschen mögen es nun mal bequem", rechtfertigte Technik-Philosoph Victor Rousseau sein Geschäftsmodell, Daten zu sammeln und auszuwerten, um etwa selbstfahrende Autos auf die Straßen schicken zu können. Ob's das wert ist, fragte man sich als Zuschauer irgendwann. Dass am Ende ausgerechnet die Technik den Täter überführte, war ein schön ironischer Zug in diesem Film.

Wie waren die Ermittler in Form?

Wenn "Tatort"-Kommissare im Cyberspace ermitteln, kommt einem schnell das Merkel'sche "Neuland" in den Sinn. Auch Stellbrink entfuhr irgendwann ein "Scheiß Computer!", hatte der Mittvierziger doch bald die Nase voll von all den Digital Natives, die da um ihn herumschwirrten. Warum ausgerechnet im Sonntagskrimi immer wieder Offline-Menschen in digitale Gefilde geschickt werden (man denke etwa an den grandios gescheiterten Bremer "Tatort:"Echolot"), ist ein Rätsel. Elisabeth Brück übrigens, eigentlich Striesows Kommissars-Partnerin an der Saar, ging in diesem Film völlig unter. Einmal durfte sie abschätzig etwas vom Strukturwandel im Saarland erzählen, und das war's dann auch schon an Geistesblitzen, die ihr das Drehbuch zugestand.

Wer hatte den besten Auftritt?

Ganz klar: Julia Koschitz als Hackerin Natascha. Die Computerexpertin sollte im Auftrag von Rousseau dessen Systeme hacken, als Übung für den Ernstfall quasi. Um etwas aus der klugen Dame herauszukitzeln, ließ sich Stellbrink auf ein Spiel mit ihr ein: Sie versprach, auf digitalen Wegen mehr über ihn herauszufinden als er, der klassische Ermittler, über sie in Erfahrung bringen könne. Die 42-jährige Österreicherin Koschitz spielte ihr Rolle dankenswerterweise einmal nicht als typisches Hacker-Klischee – eine Wohltat im deutschen Fernsehen!

Wer war der tote Anwalt?

Einen berühmteren Nachnamen kann man in der deutschen Schauspielwelt kaum haben: Anwalt Feuerbach wurde von niemand Geringerem als Nikolai Kinski gespielt, dem Sohn von Schauspiellegende Klaus Kinski. Kinskis Mutter ist das aus Vietnam stammende Model Minhoï Geneviève Loanic, seine Halbgeschwister Nastassja und Pola sind ebenfalls Schauspieler. Im deutschen TV zu sehen ist Nikolai Kinski, der in den USA aufwuchs und erst 2003 in die Heimat seines 1991 verstorbenen Vaters übersiedelte, jedoch selten und zumeist in kleineren Rollen.

Wie oft ist Stellbrink noch im Einsatz?

Zwischenmenschlich war viel los in diesem Film. Es wurde geflirtet und betrogen, und Stellbrink, der Single, tummelte sich gar auf einer Partnerbörse (er nannte sich "Johnny Guitar"). So viel Persönliches erfährt man sonst selten über einen "Tatort"-Kommissar in nur 90 Minuten. Schade also, dass Stellbrink bald Geschichte ist: "Mord Ex Machina" war der vorletzte Film aus Saarbrücken mit Devid Striesow. 2019 folgt "Der Pakt", das war's dann.

Wie gut war der "Tatort"?

Geübte "Tatort"-Gucker wussten zwar schon nach weniger als einer halben Stunde, wer der Mörder war. Der Spannung tat das aber nur bedingt Abbruch. Denn das Thema, das hier ins Zentrum gestellt wurde, hat durchaus Brisanz – auch wenn es so ähnlich schon einmal im "Tatort" durchexerziert wurde. Wir vergeben die Note Zwei Minus.


Quelle: teleschau – der Mediendienst