An der Schnittstelle zwischen 15. und 16. Jahrhundert siedelt der ARD-Feiertags-Zweiteiler "Die Puppenspieler". Er entstand nach dem gleichnamigen Bestseller Tanja Kinkels aus dem Jahr 1995.

Die Mutter des Klosterschülers Richard (Petr Cemper), eine zum Christentum konvertierte Sarazenin, wird willkürlich der Hexerei angeklagt und verbrannt. Der Augsburger Kaufmann Jakob Fugger (Herbert Knaup) nimmt sich des Waisenjungen an. Während das Kind zum jungen Mann (Samuel Schneider) heranreift, treibt der Rachegedanke sein Leben an. Doch Fugger, ein kluger Stratege, lehrt seinen Adoptivsohn, wie man durch stille Diplomatie seinen Zielen tatsächlich näher kommt.

Unter der Regie des renommierten Rainer Kaufmann ("Operation Zucker") versucht der Film, über hölzerne Erklär-Dialoge eine spannende Zeit zu vermitteln. Dabei hat man selten das Gefühl, in eine andere Ära einzutauchen – sondern lediglich (alt)deutschem Fernsehen beizuwohnen.

Zweiter Teil spielt in Italien

Hexenverbrennung und der Aufstieg des Bürgertums, das Ende des Mittelalters und die beginnende Aufklärung: Tanja Kinkels Historienschmöker, den die Autorin in jungen Jahren verfasste, wählte als Hintergrund eine Zeit des Umbruchs in Europa. Davor konstruierte sie eine fiktive Handlung mit typischen Schmonzetten-Elementen: Die Mutter des jungen Helden wird ermordet, der eigentlich sanftmütige Junge widmet sein Leben der Rache. Durch den Einfluss eines mächtigen Ziehvaters reift das Kind aus einfachen Verhältnissen zum abenteuerlustigen Manne und Strategen, dessen Ziel freilich von einer – unmöglichen erscheinenden – Liebe unterspült wird.

Während Teil eins die Jugend und das Erwachsenwerden Richards im spätmittelalterlichen Süddeutschland zeigt, verlagert sich das Geschehen später – vor allem im zweiten Teil "Die Puppenspieler – Ans Licht" (Freitag, 29. Dezember, 20.15 Uhr, ARD) – ins sonnige Italien. Den Bildern tut das gut, der ARD-Zweiteiler gewinnt an optischer Wertigkeit. Ulrich Matthes als Kardinal Borgia, der spätere Papst Alexander VI., bereichert das Ensemble.

Trotzdem hat man, wie meistens, wenn das deutsche Fernsehen ins Mittelalter reist, nicht wirklich das Gefühl, eine neue Zeit zu betreten. Die Figuren im Drehbuch von Kathrin Richter und Jürgen Schlagenhof ("Das Beste kommt erst") sprechen und benehmen sich ziemlich heutig – mit Ausnahme der holzschnittartigen Handlung, die es im echten Leben ja meist so nicht gibt.

Natürlich hatten die "Die Puppenspieler" nicht das Budget der grandiosen HBO-Produktion "Game of Thrones" zur Verfügung. In Sachen Größe der Bilder muss man natürlich Abstriche machen. Warum im deutschen TV-Mittelalter meist auch jegliche Kreativität in Figurenzeichnung, Dialogführung und Handlungsentwicklung fehlt, bleibt das Geheimnis der Filmemacher und ihrer Wächter in den Redakteursstuben der auftraggebenden Sender.


Quelle: teleschau – der Mediendienst