Krimi im ZDF

"Nord Nord Mord – Sievers und die schlaflosen Nächte": dünne Story, viel Humor

von Wilfried Geldner

Kommissar Sievers will sich auf Sylt ein Häuschen mieten, als ausgerechnet der Sohn der Besitzerin ermordet wird. Der neue "Nord Nord Mord"-Krimi setzt mehr auf Humor als eine packende Story.

ZDF
Nord Nord Mord – Sievers und die schlaflosen Nächte
Krimi • 05.10.2020 • 20:15 Uhr

Noch immer hat sich Kommissar Sievers nicht so recht an die Insel Sylt gewöhnt. Die Hecken "zu hoch", die Nasen der Leute auch, und die Preise sind dreimal so hoch wie in Kiel, so hat er's bei seinem Start beschrieben. Jetzt, in seinem vierten Fall ("Nord Nord Mord – Sievers und die schlaflosen Nächte"), freut sich Sievers immerhin auf ein kleines Backsteinhaus, in dem er Ruhe vor der Nordseebrandung finden will. Doch der Sohn der Besitzerin, der ihm die Schlüssel übergeben soll, kommt nicht – wie auch, man hat ihn, den Chef einer Sylter Flugfirma, ermordet.

Von der Insel Sylt wurden kürzlich die ersten Herbststürme vermeldet, sie sollen glimpflich verlaufen sein. Ein neuer Kurdirektor wurde gesucht, und die Leute von der "Nord Nord Mord"-Produktion drehten gleich drei neue Folgen am Stück. Die Krimireihe ist bei den Zuschauern beliebt wie geschnitten Brot. Acht Millionen Zuschauer gab es zuletzt, Marktanteil 27 Prozent. Die Zuschauer mögen die Komik in Krimis, nicht zuletzt, weil sie der drastischen Morde allmählich überdrüssig scheinen.

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Es geht in "Sievers und die schlaflosen Nächte" ganz ähnlich zu wie im Gag-versessenen "Tatort" aus Münster. Stefan Cantz und Jan Hinter, die Autoren, haben denn auch vielfach dort mitgewirkt. Allerdings kann einem die schlichte Konstellation der Sylter Kommissare mit Fortdauer auch leicht auf die Nerven gehen. Hier Sievers, der erfahrene Alte, verschwiegen und in sich versponnen. Dort die Jungen: Hinnerk Feldmann, der vermeintliche Alleswisser (Oliver Wnuk), der dem Alten partout nicht verzeihen kann, dass man nicht ihm den Job gegeben hat – sowie Ina Behrendsen (Julia Brendler), die als Gestalt gewordene Synthese immer genau den Durchblick hat, der Feldmann fehlt.

So eine eiserne Komödienkonstellation kann lähmen, was die Geschichten zwischen den Sylter Dünen betrifft. Anders als noch bei "Sievers und die Tote im Strandkorb" mit seinem sozialen Ambiente im Altenheim, kommt hier kaum Neugierde auf die Lösung des Falles auf. Es gab einen heftigen Streit ums besagte Haus, der Bruder des Toten wollte es womöglich nicht vermietet sehen. Höchst verdächtig ist aber auch der Geschäftspartner des Ermordeten, der mit dessen Frau ein Verhältnis hatte. War er erpressbar? Warum aber bricht der Bruder des Toten bei der Mordnachricht in Tränen aus – ist er womöglich im method-acting geschult?

Allem anderen ist neben Sievers' schöner Strand-Verschwiegenheit jene Szene überlegen, in der Ina und Feldmann zusammenrumpeln. Feldmann hat sie mit ins Kleinflugzeug gezwungen, in dem der mögliche Mörder "eine Niere" ins Kieler Krankenhaus bringen will, es bestehe Fluchtgefahr. Noch während des Flugs will Feldmann den Täter – am liebsten gar bei einem Looping – im Verhör überführen. Ina bekommt einen Wutanfall, damit dem Zuschauer aus der Seele sprechend: "Schweig, Feldmann, schweig!"

Schön anzuschauen ist die zweite Leiche nicht, die man am Ende findet. Dafür werden von der Regie (Arno Saul) all die Sylt-Totalen nachgereicht, die man zuvor vermisste. Und fast hätte Sievers auf Geheiß seiner Psychotherapeutin auch noch Tango getanzt, als Beruhigungsmittel gegen die Schlaflosigkeit beim lange unerfindlichen allnächtlichen Hahnenschrei.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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