Der Film "Nur eine Frau" erinnert an den Ehrenmord an der jungen Deutschtürkin Aynur Sürücü, die 2005 von ihrem Bruder auf offener Straße getötet wurde. Immer wieder werden dokumentarische Elemente eingeschoben.

Am 7. Februar 2005 wurde Aynur Sürücü auf offener Straße getötet – niedergestreckt mit drei Schüssen, abgefeuert von ihrem eigenen Bruder. Aynur, 1982 in Berlin geboren, wurde Opfer eines Ehrenmordes. Die junge Frau aus einer türkischstämmigen Familie hatte sich geweigert, so zu leben, wie es ihre Familie von ihr verlangte. In dem intensiven Drama "Nur eine Frau", nun in der ARD erstmals im Free-TV zu sehen, erzählt Sherry Hormann ("Wüstenblume") die Geschichte von Aynur. Almila Bagriacik ("4 Blocks", Kiel-"Tatort") spielt die junge Frau, deren Tod für Diskussionen über die Integration von Ausländern gesorgt hatte.

Zu Beginn des Films schwenkt die Kamera über eine belebte Straße in Berlin und fokussiert auf Frauen unterschiedlicher Herkunft. "Sie könnte ich sein", meint die Stimme aus dem Off. Doch dem ist nicht so, wie die nächste Einstellung offenbart. Sie zeigt einen Tatort mit einer Leiche, bedeckt von einer weißen Plane. Es sind Archivaufnahmen vom Todestag Aynur Sürücüs. "Das bin ich. Mein Bruder hat mich erschossen", klärt die Stimme auf, die zu der jungen Türkin gehört, die nur 23 Jahre alt wurde.

"Nur eine Frau" erzählt vom Leben Aynurs beginnend im Mai 1998, als sie mit 16 Jahren ihre Schule in Berlin verlässt, um in der Türkei ihren Cousin zu heiraten – so wollen es ihre Eltern Deniya (Meral Perin) und Rohat (Mürtüz Yolcu), so will es der strenge Islam, nach dem die Familie ihr Leben ausrichtet. Doch schon ein Jahr später flüchtet Aynur vor ihrem gewalttätigen Ehemann und kehrt geschunden nach Berlin zurück. Statt Mitgefühl schlägt ihr in der Familie Unverständnis entgegen. Zwar entscheidet sich Rohat für den Verbleib seiner Tochter in Berlin, aber sie darf weder in die Schule noch alleine auf die Straße.

Doch schon bald beginnt Aynur, zunächst hinter dem Rücken ihrer Eltern und Geschwister, die althergebrachten Traditionen zu hinterfragen. Gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn Can verlässt Aynur schließlich die Familie und zieht in eine kleine Wohnung. Dazu beginnt sie eine Ausbildung, lernt neue Freunde kennen, verliebt sich – und legt das Kopftuch ab. Für ihre Brüder um Tarik (Aram Arami) und Nuri (Rauand Taleb, bekannt aus "4 Blocks") ist das liberale Leben ihrer Schwester ein Affront. Statt Allah zu gefallen, mache Aynur der Familie Schande, so die einhellige Meinung der Brüder. Jahrelang terrorisieren die jungen Männer ihre Schwester, sprechen Todesdrohungen aus und radikalisieren sich in der Moschee – bis Nuri Aynur am 7. Februar 2005 vor ihrer Wohnung mit drei Schüssen hinrichtet.

Es ist kein klassischer Spielfilm, mit dem Regisseurin Sherry Hormann die Erinnerung an Sürücü wahrt. Immer wieder sind Bilder aus den Lebzeiten des Mordopfers zu sehen, dazu einige Videos aus Privatarchiven. Diese dokumentarischen Einschübe verleihen dem 90-Minüter Authentizität und rufen ins Bewusstsein, dass sich die schreckliche Tat genau so ereignet hat. Basierend auf den Recherchen der Journalisten Matthias Deiß und Jo Goll und gestützt auf den Gerichtsakten und Gesprächen mit Anwälten und Zeitzeugen, bleibt das Drama stets nah an den realen Ereignissen. Sogar an Originalschauplätzen wurde gedreht, etwa in Cafés, in denen Aynur sich gerne aufhielt, oder an der Bushaltestelle, an der sie starb.

Neben der tragischen Geschichte bleibt besonders die Darbietung der Hauptdarstellerin Almila Bagriacik in Erinnerung. Sie taucht tief in ihre Rolle ein und verkörpert glaubhaft eine Frau, die versucht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, aber sich trotz aller Enttäuschungen und Drohungen nicht gänzlich von ihrer Familie lossagen kann. Dadurch schafft sie ein eindrucksvolles Denkmal für die mutige und lebensbejahende Frau, die Aynur Sürücü war.

Nur eine Frau – Mi. 29.01. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH