In dem Schwarz-Weiß-Film  dreht sich alles um sieben Figuren aus der britischen "Upper class". "The Party" wimmelt nur so von klug gesetzten Pointen, und überraschender Situationskomik.

Alle rechneten mit einem entspannten Abend mit Freunden. Mit einer lockeren Plauderei, dem Austausch ohnehin bekannter Ansichten, und am Ende lächeln alle und gehen zufrieden heim. So spielt es sich meistens ab. Aber eben diesmal nicht. Es läuft aus dem Ruder. Es gibt hemmungslose Offenheit, Streit, unerwartete Geständnisse – und der Abend wird zum Fiasko. Eine solche Geschichte erzählt Sally Potter mit ihrem Kammerspiel "The Party", das 3sat nun erstmals im Free-TV zeigt. Ein knackiger Schwarz-Weiß-Film, der sich als süffisanter Blick auf die linksliberale Elite Großbritanniens versteht.

Es sind nur sieben Figuren, um die sich hier alles dreht. Allesamt der gesellschaftlichen Oberklasse Englands angehörig, die meisten von ihnen politisch links und auf der Suche nach dem Sinn. Längst angekommen im bürgerlichen, womöglich spießigen Leben, aber alle sind sie wohl irgendwann mit dem Ziel angetreten, etwas Wesentliches zu bewirken.

Gastgeberin des Abends, der eigentlich eine "Party" werden sollte, ist Janet (Kristin Scott Thomas). Die Politikerin der nicht explizit benannten Oppositionspartei, ist soeben zur Schatten-Gesundheitsministerin ernannt worden, und das würde sie gerne ein bisschen feiern. Nur ihr Ehemann Bill (Timothy Spall) scheint darauf keine Lust zu haben. Mürrisch sitzt er im Wohnzimmer und legt alte Platten auf. Ein überraschendes Geständnis von ihm steht am Anfang eines höchst turbulenten Abends. Nur so viel: Um seine Gesundheit steht es nicht zum Besten, und so hat er sich seine Gedanken über das Leben gemacht.

Zu Gast auch: die permanent zynische April (Patricia Clarkson), die mit ihrem Ehemann, dem esoterischen Therapeuten Gottfried (Bruno Ganz) verbale Kämpfe ausfechtet. Und dazu das lesbische Pärchen Jinny (Emily Mortimer) und Martha (Cherry Jones), die Drillinge erwarten. Was Jinny freut, die deutlich ältere Martha jedoch auf andere Weise beschäftigt: Was wird aus einer Beziehung, wenn plötzlich die Familie derart anwächst, will sie wissen. Als schließlich noch der offensichtlich völlig zugekokste Tom (Cillian Murphy) in der Tür steht, gerät das Fest vollends zur Farce. Er ist der Ehemann von Janets engster Mitarbeiterin Marianne (eine Frau, über die viel geredet, die aber nie gezeigt wird). Und Tom hat eine Pistole dabei ...

Es sind die sensiblen Themen, die Sally Potter hier anfasst. Es geht um Political Correctness, um die ewige Contenance. Um das verunglückte Comeback alter Sitten. Um Feminismus. "The Party" ist vor allem ein Film über Frauen, allesamt durchaus erfolgreich und ihre Männer, die damit womöglich nicht umzugehen wussten. Dann geht sie dahin, die Moral, was bei Sally Potter ebenso tragische wie komische Züge hat. Die britische Regisseurin ("Orlando", "Ginger & Rosa") zeigt ihre Figuren in extremen Situationen, beobachtet sie beim Verzweifeln, beim Scheitern. Und doch schwingt nie Missachtung mit, was sich auf das Publikum überträgt. Irgendwie mag man sie dann doch alle.

So gut wie der gesamte Film, der äußerst kurz geraten ist, spielt sich in einem einzigen Haus ab. Die Handlung geschieht mehr oder minder in Echtzeit, sodass kleinere Längen bei den Dialogen in Kauf genommen werden müssen. Doch dann wimmelt es von klug gesetzten Pointen, überraschender Situationskomik – und obendrauf gibt's einen überraschenden Schluss. Es entsteht ein wildes Sammelsurium unzähliger menschlicher Gefühle. Diese "Party" lohnt sich!

The Party – Mi. 29.01. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH