8 Minuten und 46 Sekunden Stille

Oliver Pocher setzt bemerkenswertes Zeichen gegen Rassismus

von Jens Szameit

Um einen vorlauten Spruch ist Oliver Pocher bekanntlich nur selten verlegen. Umso verblüffender, wenn der Moderator und Comedian einmal bei laufender Kamera die sprichwörtliche Klappe hält – und das auch noch über achteinhalb Minuten lang. Mit ausdauerndem Schweigen begannen der 42-jährige und Ehefrau Amira am späten Donnerstagabend eine neue Ausgabe der Late-Night-Show "Gefährlich ehrlich". Eine bemerkenswerte Aktion aus aktuellem, tragischen Anlass.

"Wir müssen heute ein bisschen ernsthafter beginnen als in den vergangenen Sendungen", eröffnete Amira Pocher die Sendung. "Leider ja", übernahm Oliver Pocher, "denn die USA haben ein großes Problem mit rassistisch motivierter Polizeigewalt gegen Schwarze." Es folgte eine Zusammenfassung des Falles George Floyd, der in den Vereinigten Staaten derzeit Anlass für soziale Unruhen und Proteste ist. Der Afroamerikaner war wegen eines mutmaßlichen Kleindelikts in Gewahrsam genommen worden und bei seiner Verhaftung gewaltsam zu Tode gekommen.

"Ein Polizist blieb für 8 Minuten und 46 Sekunden auf George Floyds Nacken knien, der mindestens 16-mal sagte, dass er nicht atmen kann", führte Amira Pocher die von einem Handyvideo festgehaltenen Ereignisse aus: "Rassismus tötet. Und Rassismus ist nicht nur ein amerikanisches Problem." Deshalb, so Oliver Pocher, wolle man gemeinsam mit den RTL-Zuschauern ein "Zeichen gegen Rassismus" setzen.

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Jene 8 Minuten und 46 Sekunden, in denen George Floyd um sein Leben kämpfte, schwieg das Paar vor laufender Kamera. In einem Laufband eingeblendet wurden die Namen jener Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich per Instagram-Nachricht an der Aktion beteiligen wollten. Über 400 Namen wurden eingeblendet, ehe das Schweigeintervall endete.

"So lang hast du noch nie den Schnabel gehalten", gratulierte Amira Pocher ihrem Gatten, der sich für den regen Zuschauerzuspruch bedankte. Er fühle sich von dem Thema "indirekt betroffen", weil seine Kinder in Amerika leben. "Auf so 'nem Sender einfach mal innezuhalten und 8 Minuten und 46 Sekunden nichts zu sagen, ist ist gewisser Hinsicht ein Statement", erklärte Pocher, fast etwas überflüssig, die für sich selbst sprechende Aktion. "Ich hoffe, es ist in irgendeiner Art und Weise gelungen."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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