05.10.2020 Oona-Devi Liebich im Interview

Romeo und Julia auf Bayerisch

von Lara Hunt
Julia (Oona-Devi Liebich) und Tonio (Maximilian Grill) sind verliebt.
Julia (Oona-Devi Liebich) und Tonio (Maximilian Grill) sind verliebt.  Fotoquelle: ZDF / Michael Marhoffer

In der Filmreihe "Tonio & Julia" geht es um eine Liebe, die dich sein darf. prisma hat mit Hauptdarstellerin Oona-Devi Liebich gesprochen.

"Tonio und Julia"

"Dem Himmel so nah", 11. Oktober

"Mut zu leben", 18. Oktober

jeweils um 20.15 Uhr im ZDF

Auf den ersten Blick wirkt die Film-Reihe "Tonio & Julia" fast ein wenig langweilig. Pfarrer Tonio Niederegger kümmert sich liebevoll um seine Gemeinde, seine Jugendfreundin, Familientherapeutin Julia Schindel, hilft bei Problemen. Zwischendurch tauscht sich das Paar aus. Klingt ein bisschen nach Vorabendserie, läuft aber um 20.15 Uhr. Denn da ist ja noch die tiefere Ebene: Tonio und Julia sind ineinander verliebt, im Weg steht das Zölibat. "Am Anfang habe ich mir da viele Gedanken gemacht, wie die Leute wohl auf die Geschichte reagieren werden. Zum Glück war es bisher durchweg positiv. Viele wollen, dass Tonio und Julia zueinander finden und die Liebe siegt – schließlich ändert das ja nichts an Tonios Glauben", sagt Oona-Devi Liebich, die Julia Schindel spielt.

In "Tonio & Julia" wird Religion – zwangsläufig – immer wieder thematisiert. Schließlich ist Tonio Pfarrer. Wie ist Ihr Verhältnis zur Religion?

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Oona-Devi Liebich: Ich bin nicht religiös, aber ich finde es schön, wenn die Menschen glauben, weil es eben auch Halt und Hoffnung gibt. Da ist es, finde ich, ganz egal, welches "höhere Wesen" es ist, ob nun Gott, Buddha, Allah oder wer auch immer. Ich erziehe meine Kinder so, dass sie sich aussuchen können, woran sie glauben. Das haben meine Eltern auch so gemacht. Die haben mich als Kind viel mit auf Reisen genommen, nach Thailand, Indien, Afrika – da konnte ich mir ein eigenes Bild machen.

Und nachdem Sie so viel von der Welt gesehen haben, spielen Sie in "Tonio & Julia" die Familientherapeutin Julia Schindel in Bad Tölz.

Ja, Bad Tölz kann ich nur empfehlen. Es ist super zum Ausspannen, und ich habe die vergangenen drei Jahre, in denen ich dort gedreht habe, sehr genossen. Die Menschen sind liebevoll und freundlich. Ich wohne in Berlin, das ist ganz anders und auch distanzierter. In Bad Tölz kennt man sich irgendwann und ich mag das.

Können Sie sich vorstellen, in eine kleine Stadt umzuziehen?

Ich habe in den vergangenen Jahren oft mit dem Gedanken gespielt mit meiner Familie nach Bayern zu ziehen und dann eben nicht nach München, sondern eher ins Ländliche. Man kann dort einfach rausgehen und sofort wandern oder Rad fahren, zwischen Wiesen und Feldern. Das finde ich sehr entspannt.

Was macht die Reihe Ihrer Meinung nach zu etwas Besonderem?

Ach, da gibt es so viele Faktoren. Allen voran natürlich die Geschichte und da steht an erster Stelle das Zölibat. Am Anfang habe ich mir da viele Gedanken gemacht, wie die Leute wohl auf die Geschichte reagieren werden. Zum Glück war es bisher durchweg positiv. Viele wollen, dass Tonio und Julia zueinander finden und die Liebe siegt – schließlich ändert das ja nichts an Tonios Glauben.

Welche Faktoren gibt es noch?

Es gibt viele Auseinandersetzungen, die wirklich spannend sind. In der Folge die jetzt ausgestrahlt wird geht es zum Beispiel ums Erwachsenwerden. Was können Kinder entscheiden? Können die Eltern loslassen? Die darauffolgende Episode beschäftigt sich mit dem Thema Fehlgeburt. Wir haben da mit Gabriele Kreis und Katja Kittendorf ganz wunderbare, feinfühlige Autorinnen, die uns gefragt haben, welche Themen wir uns wünschen. Das Thema Fehlgeburt war für mich sehr wichtig, denn ich hatte selber damit zu tun. Das ist ein riesiger Verlust.

Sie gehen aber sehr offen damit um, nicht jeder würde davon erzählen.

Klar, erstmal muss man lernen, damit umzugehen. Viele Frauen, denen das widerfährt sagen nichts und versuchen alleine damit klarzukommen. Dabei kann Reden helfen, auch für den Mann ist das oft ein schrecklicher Verlust, über den irgendwann auch gesprochen werden sollte. Es ist eine sehr schmerzhafte Erfahrung, die Kerben im Leben hinterlässt. Es ist auch eine Erfahrung, die wirklich viele Frauen machen. Deshalb finde ich es auch so wichtig, dass da nicht geschwiegen wird, sondern Fehlgeburten thematisiert werden. Ich finde das ist uns in der Folge sehr gut gelungen. Katja Kittendorf ist mit dem Thema sehr sensibel und berührend umgegangen. Und das Schauspielerpaar hat die Situation wirklich ganz toll und feinfühlig gespielt. Es hat mich beim Dreh echt gepackt, aber zwischenzeitlich dann auch fast an meine Grenzen gebracht.

Was raten Sie als Betroffene Frauen, die eine Fehlgeburt hatten?

Sich Menschen zu suchen, mit denen man darüber reden kann und die für einen da sind. Ich habe eine starke Familie, die mir Halt gegeben hat. Und wenn es da wirklich niemanden gibt, sollte man sich in dieser Situation – finde ich – einen Therapeuten suchen. So ist man dann nicht damit allein. Viele Menschen verzweifeln an so einer Situation, da kommt man nicht einfach so drüber hinweg. Auch, wenn man es nicht sieht, tut es weh und macht sich irgendwann bemerkbar. Das Schöne an dem Film ist, finde ich, dass er auch zeigt, dass es möglich ist, so eine Situation zu bewältigen.

Sind noch mehr Folgen "Tonio & Julia" in Planung?

Das steht noch nicht fest. Corona hat vieles durcheinandergewirbelt, da müssen wir abwarten.

Haben Sie bereits neue Projekte?

Noch nicht, auch da kam Corona dazwischen. Das ist schade, andererseits konnte ich durch Corona viel Zeit mit meinen Töchtern verbringen. Die eine ist fünf Jahre alt, die andere 15, und zum Glück haben wir einen Hund. Also sind wir viel rausgegangen und konnten uns austoben. Trotzdem hat gerade meine Fünfjährige gelitten, weil sie ihre Freunde gar nicht oder nur auf Distanz sehen konnte. Das kann man Kindern nur schwer zumuten. Aber alles in allem haben wir das Beste draus gemacht und hatten auch sehr schöne Ferien am Bodensee und in Bayern.

Als Kind sind Sie viel und weit gereist. Fehlt Ihnen das jetzt?

Nicht wirklich. Meine Eltern waren abenteuerlustig und wollten die Welt sehen. Meine Mutter ist in der DDR groß geworden, da hatte sie diese Möglichkeiten nicht. Als ich sechs Jahre alt war, ging es los – nach Afrika. Aber eben auf eigene Faust. Meine Eltern haben den Flug gebucht, dort ein Auto gemietet und sind in den Nationalpark gefahren. Ich habe viel gesehen, aber meine letzte große Reise, ich war 14 Jahre alt, war weiter weg. Ich bin da mit meinen Eltern nach Indien geflogen und das war für eine 14-Jährige – also jedenfalls für mich – ein hartes Pflaster. Danach wollte ich nicht mehr. Seitdem reise ich nur für die Arbeit oder entdecke Europa.

Auch wenn Sie noch keine Pläne haben, beim Kinofilm "Nicht schon wieder Rudi!" haben Sie 2015 Regie geführt. Wollen Sie das nochmal machen?

Das ist tatsächlich mein kleiner geheimer Traum. Aber manchmal ist es in der Branche so, dass man sich entscheiden muss – oder sollte. Ich habe mich zunächst einmal für die Schauspielerei entschieden.

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