18 Jahre lang raste die DTM im Ersten über die Bildschirme. Überzeugend ins Ziel kamen Sender und die Tourenwagenserie zuletzt aber nicht mehr. So waren die Einschaltquoten in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Bei ausbleibendem Erfolg jedoch gehen Sport und TV Hand in Hand. Logische Folge: Trennung! Da der Rennzirkus aber immer auch weiter geht, hat die DTM nun eine neue Heimat gefunden. SAT.1 übertragt die insgesamt zehn Rennwochenenden samstags und sonntags live. Dabei soll nicht mehr nur "ein Helm in einer Maschine" zu sehen sein, wie Moderatorin Andrea Kaiser verspricht. Die Fahrer, darunter einige ehemalige Formel-1-Piloten, sollen in den Vordergrund rücken. Die Ampeln auf Grün schaltet SAT.1 am Samstag, 5. Mai, 13 Uhr, mit dem Saisonauftakt in Hockenheim.

Als im vergangenen Jahr René Rast im letzten Rennen auf dem Hockenheimring als Zweitplatzierter über die Ziellinie raste, war die Sensation perfekt. Mit dem Audi-Piloten konnte sich zum ersten Mal seit 24 Jahren wieder ein DTM-Rookie zum Champion krönen. Vor ihm gelang dies dem Italiener Nicola Larini.

Trotz der sportlichen Sensation: Bis auf die Motorsport-Fanatiker hat eine breitere Öffentlichkeit Rasts Triumph kaum mitbekommen. Zumindest in der ARD fuhren die PS-Raketen nur noch hinterher. Die Einschaltquoten waren in den vergangenen Jahren stetig gesunken. In der Saison 2017 schalteten im Schnitt nur noch 0,89 Millionen Zuschauer an den DTM-Rennwochenenden ein. 2016 lag der Schnitt mit 0,94 Millionen nur unwesentlich höher. Die Eine-Million-Grenze blieb allerhöchstens in Sichtweite.

Die Trennung von ARD und DTM war also folgerichtig. Zumal es an der Form der Übertragung immer wieder Kritik gab. Fehlende Flexibilität war nur einer der Vorwürfe. Unter anderem wurden Feierlichkeiten auf dem Podium nicht gezeigt. Und "zuletzt hat man nur noch den Helm in einer Maschine gesehen", wie etwa Andrea Kaiser meint.

Im DTM-Team von SAT.1 übernimmt die rennbegeisterte Ehefrau von Rallye-Champion Sébastien Ogier neben Matthias Killing den Job der Moderatorin. Mit dem Wechsel der Sender verspricht sie, "dass wir mehr den Menschen unter dem Helm zeigen. Die Fahrer sind alle witzig, eloquent, alles andere als auf den Kopf gefallen. Wir wollen Emotionen zeigen. Tränen vor Freude, vor Trauer, vor Wut." Ohnehin seien gerade die DTM-Fahrer "richtig coole Typen". Kaiser: "Die haben Eier!"

SAT.1-Sportchef Alexander Rösner sieht in der DTM sogar ein Premiumprodukt. Für das er doch ordentlich Sendezeit herausgeschlagen hat. Es gilt mit wenigen Ausnahmen unter anderem beim Nachtrennen im italienischen Misano eine einheitliche Zeit für den Start der Übertragungen: samstags und sonntags, 13 Uhr. 30 Minuten sind jeweils für die Vorberichterstattung und 15 Minuten für die Interviews und die Analyse im Nachhinein eingeplant. Das frisch gebundene DTM-Paket ist somit 15 Minuten länger als noch bei der ARD.

Seinen Fokus richtet Rösner vor allem auf die Fahrer. Die deutschen Piloten und Mitfavoriten auf den Titel, Timo Glock (BMW) und Rückkehrer Pascal Wehrlein (Mercedes), haben bereits in der Formel 1 Runden gedreht. "Wir wollen die Gesichter unter den Helmen zeigen", so Rösner. Der Sportchef spricht etwas blumig sogar von "Heldentum".

Diese "Helden" sollen vor allem ein jüngeres Publikum anlocken. Dazu werden auch die Social-Media-Plattformen bespielt. Bei Facebook beispielsweise ist ein Talkformat geplant. Mit der sogenannten "Champions Cam" können User den Sieger des letzten Rennens im folgenden Lauf begleiten. Zudem sollen die Fahrer auch immer wieder bei weiteren Formaten innerhalb der ProsiebenSat.1-Sendergruppe zu sehen sein. Eine persönliche Zusammenfassung des Siegers vom Wochenende beispielsweise beim "SAT.1 Frühstücksfernsehen" ist denkbar oder ein Techniktest etwa bei "taff". Hauptsache Gesicht zeigen eben.

Neben den Moderatoren Kaiser und Killing sowie Kommentator Eddie Mielke ist auch Timo Scheider bei der neuen DTM im Einsatz. Der zweimalige Champion übernimmt die Aufgabe des Experten. "Ich freue mich sehr auf die Aufgabe. Ich hätte im Rennanzug gerne öfter mehr gesagt, jetzt habe ich die Chance dazu", sagt Scheider. Seinen ehemaligen Kollegen oder auch Rivalen drohte er bereits: "Ich bin jetzt auf der anderen Seite und werde auch die unangenehmen Fragen stellen."

Diese Ansage wird vor allem Gerhard Berger gerne hören. Der Chef des DTM-Rechteinhabers und Vermarkters ITR erwartet vom neuen TV-Partner eine "kritische Beobachtung". Auch mal einen "Fußtritt" seitens des Senders will der ehemalige Formel-1-Haudegen spüren. Die Vorstellungen des Österreichers versprechen doch einiges. Berger: "Wir wollen nicht nur auf der Strecke Emotionen zeigen, sondern auch bei den Übertragungen. Weg von flachen Gesprächen, dafür mit Ecken und Kanten."


Quelle: teleschau – der Mediendienst