US-Wahlnacht

Peter Kloeppel hat "ein bisschen Fracksausen"

Die Berichterstattung über die US-Wahl ist für Peter Kloeppel ein "Herzensanliegen". Der RTL-Anchorman ist mit einer Amerikanerin verheiratet und oft in den USA. Vor der langen Wahlnacht hat er gemischte Gefühle.

Wer noch in Erinnerung hat, wie herausragend sich RTL-Anchorman Peter Kloeppel am 11. September 2001 während der stundenlangen Live-Strecke bei den Terroranschlägen auf die Türme des World Trade Centers in New York schlug, weiß: Den Mann kann keine journalistische Herausforderung mehr schrecken. Der 62-Jährige hat einiges erlebt. Und doch bekennt er vor der Wahl des US-Präsidenten: "Ich habe ein bisschen Fracksausen."

Wobei es ihm dabei eher um die unchristlichen Arbeitszeiten geht. Die RTL/ntv-Sondersendung beginnt um 3 Uhr nachts. Im "Mediengruppe RTL Podcast" gestand Kloeppel jetzt: "Das ist eine Uhrzeit, zu der ich sonst lieber schlafe. Ich habe jetzt nicht meine stärksten Phasen nachts um drei Uhr, aber ich weiß, wenn es spannend wird und interessant ist und ja auch Auswirkungen auf unser Leben hier in Deutschland hat, dann hält mich das auch wach." Dann, so Kloeppel, habe er "genug Adrenalin im Blut" und könne "hoffentlich auch genug über das erzählen, was ich selber weiß oder auch den Korrespondenten helfen zu erzählen, was sie wissen".

Ausführlich spricht der RTL-Anchor über seine Einschätzung zum Ausmaß der politischen Spaltung in den USA. "So aufgeheizt wie jetzt habe ich es noch nicht erlebt", sprach der erfahrene TV-Reporter Klartext. Allerdings hielt er den Ball in Relation zur allgemeinen verbalen Zuspitzung eher flach: "Die Amerikaner sind Menschen, so wie ich sie zumindest erlebt habe, die in den Extremen teilweise sehr extrem sein können, die aber in ihrer Mitte doch auch eine sehr große Stabilität aufweisen. Und deswegen bin ich davon überzeugt, dass es nicht Friede, Freude, Eierkuchen direkt am nächsten Tag geben wird, wenn die Wahl tatsächlich für Joe Biden ausgehen sollte, aber es wird auch nicht so sein, dass sich die Menschen in den Häusern verschanzen müssen, weil der Nachbar, der möglicherweise Republikaner ist und weiß, man selber ist Demokrat, dann auf einmal durch die Fenster schießt."

<<< US-Wahl 2020: die Teams und Sendezeiten der deutschen Sender >>>

Kloeppel äußerte sich auch dazu, dass vereinzelt bereits über drohende gewaltsame Auseinandersetzungen im Nachgang zur Wahl gesprochen wurde. Er sei "fest davon überzeugt, dass es keinen Bürgerkrieg geben wird", so der Fernsehjournalist in Diensten von RTL. "Es wird natürlich Demonstrationen geben von Trump-Anhängern, die zeigen wollen, dass sie da sind. Und wir haben solche Demonstrationen, solche Machtdemonstrationen, auch in den vergangenen Wochen und Monaten erlebt." Kloeppel betont weiter: "Ich fand das ziemlich abstoßend, wenn auf einmal Menschen in Kampfuniform mit Schnellfeuergewehren versuchen, beispielsweise ein Repräsentantenhaus in einem Staat zu stürmen und glauben, dass sie allein durch das Vorzeigen von Waffen und militaristischer Ausrüstung irgendeine Form von Macht übernehmen können."

Er sei froh, unterstrich Peter Kloeppel im "Mediengruppe RTL Podcast", dass "wir hier in Deutschland nicht eine so polarisierte Medienwelt haben". Doch natürlich müsse man auch hierzulande achtgeben, denn, so der 62-Jährige, "was wir auch lernen, ist, wie stark der Einfluss der sozialen Medien in den vergangenen fünf Jahren gewachsen ist. Wie stark natürlich auch Donald Trump ein Instrument wie Twitter nutzt, um seine Botschaften an seine Anhänger durchzubringen. Und wie sehr Medien dann häufig auch auf diese Twitterbotschaften aufspringen und eine Nachricht daraus machen, obwohl man, wenn man genauer hinguckt, feststellen muss, das ist jetzt einfach nur ein Schlagwort, das er da in die Welt schickt. Und das sollte uns nicht unbedingt dazu veranlassen, jetzt gleich eine Meldung daraus zu machen oder es für eine Nachricht zu halten."

Für ihn als Reporter sei die Berichterstattung schon etwas Besonderes, keine Frage, doch "natürlich auch ein bisschen Routine, weil ich es schon ein paarmal gemacht habe", gab Peter Kloeppel zu den Vorbereitungen auf die Wahlnacht zu Protokoll. Er müsse "jetzt nicht so wahnsinnig viel noch auswendig lernen". Peter Kloeppel kennt sich im Metier der US-Berichterstattung bestens aus: "Ich verbringe viel Zeit in den USA, bin mit einer Amerikanerin verheiratet, das heißt, wir sprechen auch viel über Politik und über das Land. Und so gesehen ist das ein Herzensanliegen, was ich in dieser Nacht auch präsentieren kann."

RTL und ntv senden am Abend praktisch durchgängig ein Sonderprogramm zur US-Wahl. Um 3 Uhr morgens heißt es dann "Kampf ums Weiße Haus – Die Entscheidung": Peter Kloeppel und Gesa Eberl zeigen das Wahlergebnis im Detail, ordnen ein und geben einen Ausblick für die Zukunft.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
Das könnte Sie auch interessieren