ARD-Doku

"Walfang unterm Hakenkreuz": Wie deutsche Walfänger in der Antarktis wüteten

von Hans Czerny

Um an Fett zu kommen, tötetet deutsche Walfänger vor dem Zweiten Weltkrieg mehr als 30.000 Blau- und Finnwale in der Antarktis. Eine Doku in der ARD beleuchtet dieses unbekannte Kapitel der Geschichte.

ARD
Walfang unterm Hakenkreuz
Dokumentation • 07.04.2020 • 00:00 Uhr

Deutsche Walfänger töteten zwischen 1936 und 1939 in der Antarktis mehr als 30.000 Wale. Dem nationalsozialistischen Regime ging es in dieser Zeit darum, die sogenannte "Fettlücke" zu schließen. Denn Fett war damals in Deutschland Mangelware – die heimische Landwirtschaft konnte die Bevölkerung nicht mehr ernähren und Walfett musste von norwegischen und britischen Flotten übernommen werden. Diese Abhängigkeit vom Ausland sollte durch einen Vierjahresplan zur eigenen Rohstoffversorgung beseitigt werden – Margarine, aber auch Waschmittel wurden von den Firmen Henkel und Walter Rau aus dem Walfisch hergestellt. Alleine 1935 wurden für den Walfang in der Antarktis sieben Flotten mit 50 Fangschiffen gebaut. Es begann ein blutiges Schlachten – die Blau- und Finnwale verarbeitete man noch auf den Schiffen.

"Der Gestank ist mörderisch zwischen den Bergen von Innereien, die die Matrosen mit Schneeschiebern über die Kante schippen", so beschrieb ein Walfänger damals seine Erlebnisse. Erst mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs hörte das Schlachten vorübergehend auf, die totale Ausrottung war so gestoppt. Doch in den Fünfzigern ging die Jagd mit der Harpune weiter, wie die Radio-Bremen-Doku von Frido Essen zeigt. Nachdem den Deutschen der Walfang nach dem Krieg verboten war, heuerten sie zu hunderten unter anderem auf der "Olympic Challenger" des griechischen Reeders Aristoteles Onassis an.

Der Historiker Ole Sparenberg hat den Walfang im 20. Jahrhundert erforscht und behauptet nun im Film: "Nichts hat den Walen mehr geschadet, als die Erfindung der Margarine."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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