Film in der ARD

"Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?" – Verkopftes Essay über das Leben

von Heidi Reutter

Nach 40 Jahren Ehe ist Charlotte einigermaßen frustriert. Sie packt ihre Enkelin ein und fährt einfach davon. Ihr Mann und ihre Tochter reisen ihr hinterher.

ARD
Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?
Komödie • 22.09.2020 • 22:50 Uhr

Der deutsche Film bringt immer wieder bemerkenswerte Werke hervor – mit originellen und feinsinnig inszenierten Geschichten, die berühren, weil sie lebensnah sind. Weil sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge zeigen, dass Familie manchmal ein verdammter Fluch sein kann. Man denke etwa an "Lucky Loser" (2017) oder an "Toni Erdmann" (2016). Auf die Tragikomödie "Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?" (2017), in dem es ebenfalls um Familien-Differenzen geht, trifft dies leider nicht zu. Die ARD zeigt das Spielfilmdebüt von Kerstin Polte nun als Free-TV-Premiere.

Charlotte (Corinna Harfouch) kriegt die Krise, nach fast 40 Jahren Ehe ist die Luft raus und eigentlich geht ihr Ehemann Paul (Karl Kranzkowski) ganz schön auf die Nerven. Ihr Leben ist nur noch Routine, da ist nichts, was noch Spaß machen würde. Charlottes Tochter Alex (Meret Becker) steckt ebenfalls in der Krise: Gerade jobbt die alleinerziehende Mutter als Taxifahrerin, trinkt am Geburtstag ihrer Tochter Jo (Annalee Ranft) aus Frust über den Familienzwist einen über den Durst.

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Und dann haut Charlotte einfach so ab ... Wie sich herausstellt, hat sie Jo mit im Gepäck, die sich im Auto versteckt hatte. Gemeinsam fahren Oma und Enkelin spontan an die Nordseeküste und quartieren sich in der schrägen Pension des enigmatischen Horster (Bruno Cathomas) ein. Auch Alex und ihr Vater machen sich auf den Weg in Richtung Meer – und so beginnt für alle Beteiligten ein kurioser Roadtrip.

"Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?" ist eine Geschichte, in der sich jeder existenzielle Fragen stellt. Das macht den Film, der in teils langen Einstellungen sehr kontemplativ daherkommt, zu einem sehr verkopften Essay über das Leben und über zwischenmenschliche Beziehungen. Die Figuren wirken dabei sehr konstruiert und artifiziell. Meret Becker als planlose, etwas durchgeknallte Mutter, die plötzlich ihre Vorliebe für Frauen entdeckt, oder Karl Kranzkowski als Vater, der nicht recht begreift, was eigentlich los ist mit seiner Frau, sind durchaus überzeugend.

Aber ihre Figuren wollen beim Zuschauer einfach keine Emotionen auslösen. Im Gegenteil: Man betrachtet das unstrukturierte Geschehen auf der Leinwand in einer Mischung aus Langeweile und Teilnahmslosigkeit, wobei einem alles vorkommt, wie szenische, manchmal originell inszenierte Versatzstücke aus Filmen, die man liebt, die aber hier nichts Eigenes ergeben. Der Film krankt an seinem Anspruch, an seinen gekünstelten Dialogen, dem die gottgleiche Figur des ungepflegten, seltsam entrückten Hotelchefs Horster noch eins drauf setzt. Wenigstens eine lebensbejahende Erkenntnis nehmen wir mit: "Gäbe es keinen Tod, würde man alles auf morgen verschieben." Bloß das nicht.

Für "Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?" wurde Kerstin Polte mit dem Bayerischen Filmpreis und dem Preis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet. Gemeinsam mit den Filmemacherinnen Laura Laabs, Isabell Suba und Lilli Tautfest ist sie Teil des feministischen Kollektivs r.O.K.S. – dessen Name sich von einem sowjetischen Flammenwerfer ableitet. Dementsprechend hat sich das Quartett vorgenommen, fiktionale Inhalte zu entwickeln, welche übliche Figurenklischees "flambieren".


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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