Neue Krimi-Reihe im ZDF nach Motiven der "Dan Sommerdahl"-Krimis der dänischen Autorin Anna Grue: Die Leiche einer Frau, die erst vor Kurzem entbunden hat, wird am Strand gefunden.

Wer sich von der neuen ZDF- Reihe auf dem Krimitermin am späten Sonntagabend skandinvische Schwärze oder gar politisch Hochkarätiges erwartet, wie etwa in der preisgekürten Dänenserie "Borgen", geht fehl. "Dan Sommerdahl – Tödliche Idylle", eine Koproduktion von TV 2, Dänemark, und ZDF, will "mit Witz, Liebe und sonniger Szenerie" raffinierte Kriminalfälle erzählen und dabei "weniger die Verbrechen als vielmehr Zwischenmenschliches" in den Mittelpunkt stellen, wie es im Werbetext zur Reihe heißt.

Viel Raum nimmt in der Reihe nach Motiven der dänischen Autorin Anna Grue denn auch das Eheleben des Kommissars Dan Sommerdahl und seiner Gattin Marianne ein. Zweifellos sind die Streitgespräche und Wiederannäherungsversuche zwischen den beiden das Beeindruckendste an der neuen Reihe, die nun – bereits im März angesetzt – mit einiger Verzögerung ins Sonntagabendprogramm gelangt. Mag die Beziehung der beiden Hauptfiguren, die übrigens auf derselben Dienststelle tätig sind, auch recht klischeebeladen sein – die Vernachlässigung des Ehelebens wuchs über all die Jahre wegen Dans Dienstbeflissenheit -, so ist hier wenigstens ein psychologischer Furor zu erleben, der sonst weitgehend fehlt. Die Darsteller Peter Mygind (schon in "Borgen" als Arbeiterführer dabei und kürzlich im Iris-Berben-Film "Mein Altweibersommer" als Wanderzirkusdirektor zu sehen) und Laura Drasbæk geben da ihr Bestes.

Eher ruckhaft vollzieht sich die eigentliche Krimihandlung. Am Strand wird eine Frauenleiche gefunden. Die Frau hatte vor Kurzem ein Kind geboren. Ein Kind, das allenfalls 24 Stunden überleben würde. Kommissar Zufall greift immer wieder eifrig ein, Blindspuren werden gelegt, die so breit sind wie eine Autobahn. So macht sich etwa ein stalkender, gewalttätiger Ehemann höchst verdächtig, der selbst ein Kind sucht und dessen Mutter zurückgewinnen will. Andererseits führt die von Dan Sommerdahl im offenen Holzfällerhemd verfolgte Spur recht nonchalent ins Milieu ausgebeuteter Putzkolonnen-Arbeiterinnen aus osteuropäischen Ländern. Wurde etwa das verloren gegangene Kind verkauft?

Die Chance, aus dem 24-Stunden-Countdown einen spannenden Thriller zu machen, wurde jedenfalls von der Autorin (und Ideengeberin) Lolita Bellstar leichtfertig vertan. Idylle und Krimi unter ein Dach zu bringen, dürfte denn auch ein ziemlich unmögliches Unterfangen sein. Eine schöne Kulisse, Helsingör und sein Hamlet-Schloss samt Hafen, reichen da jedenfalls nicht aus.

Dan Sommerdahl und sein Kollege Flemming (André Babikian) wirken überdies fast wie unbeteiligte Buddies in diesem Reihenkrimi. Der Fall löst sich zwischen Dans anfänglich geplatzter Silberhochzeit und einem fatalen Seitensprung seiner Gattin am gleichen Abend geradezu von selbst. 24 Stunden können lang sein, aber 90 Minuten eben auch. Drei weitere Folgen winken als Gutenachtgruß jeweils am Sonntagabend, um 22.15 Uhr, im ZDF.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH