ZDFzeit-Doku

"Wir Trümmerkinder – Zeit der Hoffnung": Wie erlebten TV-Stars die Nachkriegszeit?

von Elisa Eberle

Prominenten Zeitzeugen aus der Unterhaltungsbranche wie Mario Adorf, die Wepper-Brüder und Ingrid van Bergen erinnern sich in einer ZDFzeit-Doku an die Nachkriegszeit, die sie als Kinder erlebten.

ZDF
ZDFzeit: Wir Trümmerkinder – Zeit der Hoffnung
Dokumentation • 20.10.2020 • 20:25 Uhr

75 Jahre liegt das Ende des Zweiten Weltkriegs nun schon zurück. Eine Zeit, die fast so lang ist wie ein ganzes Menschenleben. Bald schon, in zehn, zwanzig Jahren wird keiner mehr da sein, der den jüngeren Generationen von den damaligen Sorgen, aber auch den wenigen Freuden erzählen kann. Umso wichtiger ist es, die verbleibenden Zeitzeugen heute nach ihren Erinnerungen zu fragen, ihre Geschichten aufzuzeichnen und für die Jugend zugänglich zu machen. "Wir Trümmerkinder – Zeit der Hoffnung" ist ein Film, der diesen Zweck verfolgt. "ZDFzeit" zeigt die 45-minütige Dokumentation nun erstmals im Fernsehen.

Es sind keine x-beliebigen Menschen, die die Filmemacherin Annette Köhler (Regie und Buch) für ihr Projekt versammelt. Es sind die Urgesteine der deutschen Unterhaltungsbranche: Da wäre zum Beispiel der große Mario Adorf ("Kir Royal"), der kürzlich seinen 90. Geburtstag feierte. Als Hitlerjunge erlebte er das Kriegsende, wuchs mit seiner alleinerziehenden Mutter in ärmlichen Verhältnissen auf. Auch die Schauspiel-Brüder Fritz und Elmar Wepper sind dabei, ebenso wie Eva-Maria Hagen, die Mutter der Sängerin Nina Hagen.

Adorf, Wepper, Hagen: Sie alle gehören einer Generation an, die unser Land bis heute prägt. Als Kinder haben sie den Krieg erlebt, haben Nächte im Luftschutzbunker und Fluchten überstanden. Doch sie haben auch den Wiederaufbau gesehen: das Wirtschaftswunder im Westen und den sozialistischen Musterstaat DDR im Osten. "Ich habe nicht an den Wiederaufbau geglaubt", erinnert sich Mario Adorf. "Ich habe gedacht, Deutschland wird zerstört bleiben."

1945 war Deutschland am Boden: Die Städte waren zerstört, Kinder von den Erlebnissen des Krieges traumatisiert. Auch die Schauspielerin Ingrid van Bergen hat Schlimmes erlebt: Ein Soldat hat sie vergewaltigt. "Wenn ich heute höre, dass Leute Traumabewältigung machen, dass Psychiater ihnen zur Seite stehen", sagt sie, das hätte es damals nicht gegeben: "Es gab nur eiserne Disziplin." Heute sieht es die 89-Jährige anders: Sie und ihr Bruder hätten "schwere Schäden" gehabt.

Van Bergen war nach dem Krieg eine Halbwaise – ein Schicksal, das sie mit vielen Kindern teilte: Auch die 85-jährige Hagen wuchs ohne Vater auf, der Vater von Michael Degen ("Donna Leon") fiel der Shoah zum Opfer. Das Kriegsende in Berlin erlebte der inzwischen 88-Jährige als eine Befreiung: "In der Nähe vom Alexanderplatz sahen wir Rotarmisten tanzen. Sie tanzten wie die Verrückten. Das war wirklich reine Freude: Der Krieg war zu Ende." Er erinnert sich: "Meine Mutter sagte: 'Jetzt fangen wir an zu leben. Wir sind neu geboren."

Mario Adorf, Ingrid van Bergen, Michael Degen, Winfried Glatzeder, Eva-Maria Hagen, Vera von Lehndorf sowie Elmar und Fritz Wepper: Sie alle haben Deutschland durch ihr Schaffen geprägt. Für die Doku zeichnen sie nun ihr persönliches, überraschend positives Bild von der deutschen Nachkriegsgeschichte. Illustriert werden ihre Geschichten durch eine Mischung aus historischen Filmaufnahmen aus jenen Jahren, gepaart mit animierten Zeichnungen im Stil der Graphic Novel. Dies, so stellt der Kreativdirektor Jan Schulz klar, solle verdeutlichen, dass es sich um "subjektive Eindrücke und Erlebnisse der Betroffenen handelt", mit anderen Worten, um eine Interpretation.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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