Filmkritik zu „The Mandalorian and Grogu“: Ist die Macht noch mit Disney?
Zu Beginn der Corona-Pandemie, am 24. März 2020, erblickte der Streaming-Dienst Disney+ in Deutschland das Licht der Welt – fünf Monate zuvor war er bereits in den USA an den Start gegangen. Der Konzern hinter gigantischen Franchises wie Star Wars oder auch Marvel mischte mit diesem Schritt die damals noch überschaubare Streaming-Landschaft gehörig auf. Dabei setzt Disney vordergründig auf Serien. Im Fall von Marvel und Star Wars sind es längst so viele, dass wohl nur die allergrößten Fans noch den Überblick behalten haben.
Zumindest bei der ersten Staffel von „The Mandalorian“ – anfänglich dem Aushängeschild für Disney+ – war die Begeisterung bei vielen Star-Wars-Fans noch groß. Im Laufe von Staffel zwei und drei scheint das zwar etwas nachgelassen zu haben, doch das so liebenswerte Duo aus Mando/Din Djarin und Grogu alias Baby Yoda hat sich längst eine Dauerkarte im Herzen vieler Menschen gesichert. Auch deshalb wirkt es folgerichtig, dass Star Wars mit ihnen beiden auf die Kinoleinwände zurückkehrt. Doch das allein macht noch keinen überzeugenden Film.
Pedro Pascal erstmals als Mandalorianer auf der großen Leinwand
„The Mandalorian and Grogu“ zeichnet im Endeffekt genau das aus, was auch die Serie so charmant macht: eine herzerwärmende Vater-Sohn-Dynamik, einige, aber nicht zu viele, humorvolle Momente sowie die wuchtige, authentisch choreografierte Action. Letztere serviert uns Regisseur und Drehbuchautor Jon Favreau bereits im Auftakt. Der führt uns einmal mehr vor Augen, wie viel Spaß es macht, einem Mandalorianer beim Kämpfen zuzusehen – vor allem dann, wenn er sein gesamtes Waffenarsenal einsetzt und dabei auch noch so entspannt zu bleiben scheint.
Trotz dessen gewinnt man nicht den Eindruck, dass Mando (Pedro Pascal) unbesiegbar wäre, schließlich bereiten ihm manche Gegner größere Schwierigkeiten als andere. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass man als Zuschauer weiß, dass weder Grogu noch der von Pedro Pascal so charismatisch verkörperte Mando ums Leben kommen werden. Stören muss man sich daran selbstverständlich nicht – zumal sich Fans ohnehin möglichst viele weitere Abenteuer der beiden wünschen. Apropos Abenteuer: Wohin verschlägt es Mando und Grogu dieses Mal überhaupt?
Wovon „The Mandalorian and Grogu“ erzählt
Die Handlung spielt nach der Originaltrilogie, also nach dem Sturz des Galaktischen Imperiums. Dessen Überreste soll der Mandalorianer aufspüren. Er steht mittlerweile nicht mehr in den Diensten eines jeden, der ihn bezahlt, sondern arbeitet für die Neue Republik, über die wir jedoch kaum etwas erfahren. Nach dem erfolgreichen Abschluss einer Mission bekommt Mando von Colonel Ward (Sigourney Weaver) den Auftrag, den Kriegsherren Janu zu finden, über den die Neue Republik nur wenig weiß. Über Informationen zu ihm verfügen jedoch die Anführer des berüchtigten Hutten-Clans: die Geschwister und Nachfolger von Jabba the Hutt, der in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) von Prinzessin Leia erwürgt wird.
Es ist also ein erzählerischer Spagat, den „The Mandalorian and Grogu“ versucht. So will man sich einerseits treu bleiben und Mando und Grogu weiterhin auf Einzelabenteuer schicken, die an Gaming-Quests erinnern. Eben ganz so, wie die Zuschauenden es von der Serie gewohnt sind. Andererseits wird jedoch auch der Versuch unternommen, neue Elemente zur Star-Wars-Welt und dessen größeren Handlungssträngen hinzuzufügen. Zweifellos ist das ein lobenswerter Ansatz, die Umsetzung wirkt allerdings eher halbherzig.
„The Mandalorian and Grogu“: Für einen Star-Wars-Kinofilm zu platt
Dafür, dass uns „The Mandalorian and Grogu“ auf der großen Leinwand präsentiert wird, fühlt er sich zu selten wie ein runder Kinofilm an. Vielmehr wird man das Gefühl nicht los, man würde doch wieder Einzelfolgen der Serie schauen – so als ob eben doch eine vierte Staffel produziert worden wäre. Letztendlich wird nur wenig Substanzielles erzählt, weshalb sich das Finale auch eher wie ein Zwischenfinale zur Mitte einer Staffel anfühlt, aber nicht wie das Endspiel in einem Kinofilm. So mancher Fan wird bei diesem Kritikpunkt vermutlich nur mit den Schultern zucken und fragen: Ist das denn etwas Schlechtes?
Das liegt unter anderem an der Erwartungshaltung, mit der man es sich im Sessel bequem macht. Wer einfach im Wesentlichen noch mehr von dem sehen möchte, was bereits die drei Serienstaffeln geliefert haben, könnte durchaus mit einem positiven Gefühl den Kinosaal verlassen. Hat man jedoch auf eine große Überraschung gehofft oder auf eine folgenschwerere Erzählung mit Charakterentwicklungen für Mando und Grogu, wird man enttäuscht zurückgelassen. So muss man leider feststellen: Der einzige Grund, weshalb „The Mandalorian and Grogu“ als Kinofilm existiert, ist das Geld, dass Disney mit dem beliebten Duo einspielen kann. Rein dramaturgisch ergibt es in der Form dagegen keinen Sinn.
Trotz Schwächen unterhaltsam – visuelle Effekte im Mandalorian-Film mangelhaft
Möglicherweise können Ultrafans, die sämtliche Star-Wars-Serien in Gänze gesehen haben, dem neuen Kinofilm etwas mehr abgewinnen, weil einzelne Elemente wiederaufgegriffen werden. Der Sinn eines Kinofilms liegt jedoch nicht darin, dass man zuvor eine Fülle an Serien gesehen haben muss, um sich zurechtzufinden, wie es bei Marvel teilweise der Fall ist. Hier erstreckt sich dieses Problem ehrlicherweise auch auf andere Serien, die dadurch einen Teil ihrer Eigenständigkeit einbüßen. Angesichts dessen muss „The Mandalorian and Grogu“ zugutehalten werden, dass er selbst dann unterhält, wenn man die Serie nicht komplett gesehen hat.
Das liegt an den zuvor genannten Stärken der Serie, die sich auch im Film wiederfinden – bis hin zum coolen Look der Kostüme. Wo wir schon über die Optik sprechen: Dafür, dass das Star-Wars-Abenteuer rund 165 Millionen US-Dollar gekostet haben soll, ist es immer wieder hässlich anzusehen. Sicher, die hochwertigen Kostüme überzeugen ebenso wie viele Sets, die sich tatsächlich bewohnt anfühlen. Vor allem bei großen Panoramen sind jedoch die Hintergründe so verwaschen und unscharf, dass es fast schon billig wirkt. Auf vielen Fernsehern dürfte das nicht unbedingt auffallen, doch auf der Kinoleinwand springt es einen förmlich an.
Am Ende bleibt die Frage: Weitere Kinofilme oder doch Staffeln? In welcher Form es mit Mando und Grogu weitergehen wird, ist noch offen. Ganz wesentlich dürfte das auch davon abhängen, wie viel genau „The Mandalorian and Grogu“ an den Kinokassen einspielt. So oder so wird es jedoch höchstwahrscheinlich nicht weitere sieben Jahre dauern, bis das nächste Star-Wars-Filmabenteuer aufkreuzt.
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