Timothée Chalamet in Höchstform – Filmkritik zum Ping-Pong-Drama „Marty Supreme“
New York City in den 1950er Jahren: Der junge Verkäufer Marty (Timothée Chalamet ) hat einen Traum: Er strebt danach, Weltmeister im Tischtennis zu werden. Noch verdient er sich seinen Lebensunterhalt im Schuhgeschäft seines Onkels; nur bei Feierabend kann er in den verrauchten Wettkampfhallen der Stadt seiner Leidenschaft nachgehen. Um seine Profikarriere finanzieren und an den großen Turnieren in Städten wie London, Paris oder Tokio teilnehmen zu können, braucht er dringend mehr Geld.
„Marty Supreme“: Kein klassischer Sympathieträger
Bei der Verfolgung seiner Ziele gerät er an ebenso skrupellose wie zwielichtige Geschäftsmänner und beginnt Affären mit einem ehemaligen Filmstar (Gwyneth Paltrow) sowie mit seiner früheren Jugendliebe Rachel (Odessa A’zion). Die Handlung ist lose an der Geschichte des Tischtennisspielers Marty Reisman angelehnt, jedoch überwiegend frei erfunden. Es handelt sich also nicht um eine der mittlerweile so zahlreichen Filmbiografien, wie es sie vor allem über Musiklegenden wie Freddie Mercury gibt, die zumindest halbwegs originalgetreu eine Lebensgeschichte nacherzählen.
Hollywood-Superstar Timothée Chalamet stellt in „Marty Supreme“ mal wieder unter Beweis, dass er einen Film im Prinzip im Alleingang tragen kann. Seinen Charakter Marty verkörpert er mit einer Mischung aus Charme, Humor und gefühlt grenzenloser Dreistigkeit. Nicht selten schießt Marty übers Ziel hinaus; verärgert seine Familie und Freunde ebenso wie mögliche Sponsoren. Auch aus Publikumsperspektive ist Marty nicht gerade der klassische Sympathieträger – allein schon deswegen, weil er in seinem jugendlichen Leichtsinn oft selbstsüchtig handelt und auch jene verletzt, die ihm nahestehen.
Timothée Chalamet in „Marty Supreme“: Mit dem Tischtennisschläger zum ersten Oscartriumph?
Chalamet verleiht Marty dabei jedoch auch eine ordentliche Portion Liebenswürdigkeit. Trotz seiner teils unausstehlichen Art fällt es deshalb nicht schwer, mit Marty mitzufiebern. Abgerundet wird Chalamets Verkörperung auch durch seine Performances im Tischtennis, die nicht nur äußerst unterhaltsam sind, sondern auch Lust darauf machen, selbst mal wieder einen Schläger in die Hand zu nehmen. Wie der Schauspieler in der „Tonight Show“ von Jimmy Fallon erzählte, hat er stolze sechs Jahre lang Tischtennis trainiert.
Dass dieser Aufwand sich gelohnt hat, zeigt etwa auch die Auszeichnung für Chalamet als bester Hauptdarsteller im Bereich Comedy/Musical bei den Golden Globes 2026. Auch bei den Critics’ Choice Awards ging der amerikanisch-französische Schauspieler als bester Hauptdarsteller nach Hause. Beim renommiertesten Filmpreis der Welt – den Oscars – ist Chalamet ebenfalls in dieser Kategorie nominiert, wie auch schon 2018 für „Call Me by Your Name“ und 2025 für seine Verkörperung von Bob Dylan in „A Complete Unknown“. Gelingt ihm im dritten Anlauf sein erster Oscarerfolg?
Kapitalismuskritik in „Marty Supreme“
„Marty Supreme“ ist keine klassische Underdog-Geschichte und auch nicht in erster Linie ein Film über Tischtennis. Tatsächlich würde die Handlung mit jeder anderen Leidenschaft vermutlich genauso gut funktionieren – zumindest dann, wenn sich diese ebenfalls kapitalistisch ausschlachten lässt. Zwar ist „Marty Supreme“ einerseits ein wahnsinnig rasanter und spaßiger Mix aus Komödie, Drama und Thriller, andererseits zeigt er jedoch auch die tiefgreifende Macht des Geldes. Wer es etwa im Sport weit bringen möchte, der braucht nicht bloß Talent, harte Arbeit und eine ordentliche Portion Glück, sondern ist auch auf die Gunst von Wirtschaftsbossen oder anderen vermögenden, einflussreichen Sponsoren angewiesen.
Es ist kein Geheimnis, dass es beispielsweise ganze Fußballclubs gibt, die ohne externe Millioneninvestments reicher Investoren zweifellos nicht dort stehen würden, wo sie es mittlerweile tun. „Marty Supreme“ prangert den Einfluss von Großkapitalisten zwar nicht offensiv an, kritisiert ihn jedoch in Zwischentönen. Erzählt wird das nicht zuletzt über die Charakterentwicklung von Marty selbst.
Trump-Fan im Cast
Ein unschöner Beiklang schwingt jedoch in der Entscheidung von Regisseur Josh Safdie mit, den Milliardär Kevin O’Leary für die Rolle als ebenfalls reichen Unternehmer Milton Rockwell zu besetzen. Der Kanadier O’Leary ist bekennender Fan von US-Präsident Donald Trump und unterstützte diesen bei der Präsidentschaftswahl 2024. Im Podcast von A24 (Produktionsgesellschaft und Filmverleih) erklärte Regisseur Safdie die Entscheidung damit, dass O’Leary „ein bekanntes Arschloch“ sei, für den Kapitalismus stehe, aber auch unterhalten könne.
Safdie ging es also vor allem um Authentizität. Hinzu kommt, dass O’Leary als widerwärtiger Gegenspieler von Marty klar negativ gezeichnet wird. Nichtsdestotrotz bieten Safdie und die übrigen Entscheidungsträger O’Leary damit eine Bühne, was moralisch mehr als fragwürdig ist.
Warum „Marty Supreme“ den Kinobesuch wert ist
Filmisch lebt „Marty Supreme“ schlussendlich von seiner rasanten und dynamischen Geschichte, die dem Publikum kaum eine Verschnaufpause gewährt. Marty stolpert von einem kurzen Abenteuer/Problem ins nächste – immer wieder gerät sein Hauptziel, an großen Turnieren teilzunehmen, in den Hintergrund. Dabei bleibt Chalamets Charakter jedoch stets aktiv, wird kein reiner Spielball Anderer. Neben Chalamet spielt auch der übrige Cast stark auf – allen voran Odessa A’zion als Rachel, die so einige Abenteuer zusammen mit Marty bestehen muss. Wer den Weg ins nächste Kino findet, kann sich zudem auch über ästhetische Bilder und eine mitreißende Filmmusik freuen. Neben dem eigens für „Marty Supreme“ komponierten Score sind auch große Hits zu hören – zum Beispiel die 80er-Songs „Forever Young“ von Alphaville oder "Everybody Wants to Rule the World" von Tears For Fears.
„Marty Supreme“ läuft ab dem 26. Februar 2026 in den deutschen Kinos.