Rache ohne Gnade

„The Equalizer“ mit Denzel Washington: Ein stiller Einzelgänger wird zur tödlichen Waffe

29.01.2026, 11.37 Uhr
In "The Equalizer" tritt Denzel Washington als ehemaliger CIA-Agent auf, der die Hilflosen beschützt. Regisseur Antoine Fuqua inszeniert eine blutige und tiefsinnige Charakterstudie, die ProSieben am 29. Januar um 22.55 Uhr zeigt.

Um sich in die Rolle des ehemaligen CIA-Agenten Robert McCall hineinzuversetzen, nahm Denzel Washington nicht nur Unterricht bei einem Martial-Arts-Experten der Army, er beschäftigte sich auch mit dem Phänomen des zwanghaften Verhaltens. Denn die Hauptfigur im Action-Drama "The Equalizer" besitzt so einige eigenartige Ticks. In seiner Adaption der gleichnamigen 80er-Jahre-Serie nähert sich Regisseur Antoine Fuqua, unter dessen Leitung Washington 2001 mit "Training Day" einen Oscar gewann, der ambivalenten Figur des "Gleichmachers". ProSieben wiederholt den Film am Donnerstag, 29. Januar um 22.55 Uhr.

Eigentlich ist Robert McCall offiziell tot. Zumindest glauben das diejenigen, mit denen er in seinem früheren Leben als verdeckter Ermittler der CIA zusammengearbeitet hat. Denn in Wirklichkeit ist der ehemalige Agent quicklebendig und führt unter neuer Identität ein bodenständiges Leben als Baumarkt-Mitarbeiter in Boston. Dort hat sich der von Washington überragend herausgearbeitete Ruheständler ein karges, aber entspanntes Exil eingerichtet, in dem ihm vor allem regelmäßige Tagesabläufe wichtig scheinen.

Robert McCall: Der stille Einzelgänger mit dunkler Vergangenheit

So sitzt McCall, Klassiker der Literatur schmökernd, jeden Abend in seinem Stammdiner. Etwas scheint dennoch nicht zu stimmen, man ahnt schwerwiegende psychische Schäden aus der Vergangenheit. Außer Andeutungen erfährt der Zuschauer über das frühere Leben des äußerlich ruhigen, im Inneren aber brodelnden Mannes kaum etwas. "Ich mag diese Erklärungsszenen nicht, die immer mit 'Als ich neun Jahre alt war ...' beginnen", verriet Washington über den Stil der Charakterentwicklung in "The Equalizer".

Dass McCall explodieren muss, zeichnet sich längst ab, als er in besagtem Diner die junge Teri (Chloë Grace Moretz) kennenlernt, die als Prostituierte von ihren Zuhältern erniedrigt und zum Sex mit gewalttätigen Freiern gezwungen wird. Mit einem Mal findet McCalls Lethargie und Zwanghaftigkeit ihren Kulminationspunkt: Sein Sinn für Gerechtigkeit und Rache kehrt zurück, er verspürt ein tiefes Bedürfnis, der Minderjährigen in ihrer aussichtslosen Lage zu helfen.



Von nun an wandelt sich "The Equalizer" von einer unaufgeregten, bisweilen gar tiefsinnigen Charakterstudie zum blutig-gewalttätigen Action-Kracher. Ob mit dem Korkenzieher, mit Glasscherben oder in der großen Final-Szene aus dem vielfältigen Baumarkt-Angebot schöpfend: Das Blut fließt in Strömen, die Knochen brechen, und McCall meuchelt in aller Seelenruhe – Rache ist seine Therapie. Das ist bis zu einem gewissen Punkt unterhaltsam und befriedigt den uns allen innewohnenden Wunsch nach bittersüßer Vergeltung. Leider schafft es Fuqua am Ende nicht, wieder einen Bogen zum Beginn des Filmes zu schlagen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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