Im Interview

Beatrice Egli: "Tanzen, lachen, leben ist das Motto für mein ganzes Leben"

01.06.2026, 10.05 Uhr
Beatrice Egli spricht über ihre Wurzeln, die Bedeutung des Lächelns und wie sie mit Kritik umgeht. Ein Blick hinter die Kulissen der Schlagerwelt und ihrer persönlichen Philosophie.

prisma: Beatrice, du stammst aus Lachen in der Schweiz. Ist der Name Programm? Oder anders gefragt: Was bekommt man von dort mit auf den Weg?

Beatrice Egli: Tatsächlich bin ich dort geboren. Und man bekommt schon mit auf den Weg, dass das Leben mit einem Lachen leichter ist. Den Menschen mit einem Lächeln zu begegnen ist ebenfalls schöner.  

Das sagt ja im Grunde jeder von sich. Denn jeder Mensch möchte immer gute Laune haben…

Das ist ein Irrtum. Es geht nicht um gute Laune. Ich bin nicht immer gutgelaunt. Aber ich versuche, dem Leben mit einem Lächeln zu begegnen. Das ist ein großer Unterschied. Mich gibt’s auch mal schlechtgelaunt. Ich finde das auch ganz wichtig: tanzen, lachen, leben ist nicht nur der Name meiner Tour, sondern auch ein Motto für mein ganzes Leben. Leben bedeutet, alle Emotionen zu empfinden und diese auch anzunehmen. Es bedeutet Wut, Zweifel, Freude, Leichtigkeit, Schwere. Das ist auch meine Balance. Es gibt alles in meinem Leben. Ein echter Mensch sollte alle Emotionen leben dürfen. Aber ich versuche auch, dem Leben mit Freude zu begegnen. Und wenn es mal schwerer ist oder man hadert – und mit Blick auf die aktuelle weltpolitische Lage ist ja nicht alles zum Lächeln – glaube ich, dass wir durch ein Lächeln auch solche Situationen leichter nehmen können.

Du nimmst das quasi als Instrument, um Dinge zu meistern.

Ja, genau. Und es ist wissenschaftlich bewiesen: Wenn du lächelst, schüttet dein Körper nach 60 Sekunden Glückshormone aus. Und das hilft. Es ist nicht so, dass die Situation sich ändert – aber sie wird leichter.

Für andere wahrscheinlich auch, weil man Leute ansteckt damit. Das ist ja quasi deine Kernkompetenz.

Ja – ich stecke andere gerne mit guten Sachen an (lacht). Mit guter Laune, Positivität, Leichtigkeit oder Motivation zum Beispiel.

Das war bei dir wohl auch immer schon familiär bedingt. Du bist mit drei Brüdern aufgewachsen. Man stellt sich das so vor: Entweder man ist das Nesthäkchen – oder der Prügelknabe. Wie war’s bei dir?

Ich würde sagen, ich habe mich gut durchgekämpft – nicht körperlich, aber auf anderen Ebenen, mental. Aber ich durfte in einem Umfeld aufwachsen, das gesund gestritten hat. Ich finde, das ist auch etwas Wichtiges. Deswegen sage ich auch, dass ich nicht nur gut gelaunt bin. Man kann auch mal streiten, man kann auch mal laut werden, man kann auch mal Dampf ablassen. Das gehört alles dazu.

Gesund streiten heißt: Abschluss finden?

Genau. Man trägt das aus. Egal, was war. Wir haben gestritten, wir hatten Meinungsverschiedenheiten. Auch bis heute haben wir große Meinungsunterschiede. Aber es tangiert nie die Liebe oder das Band zwischen uns. Und man kann sich entschuldigen, wenn man einen Fehler gemacht hat – das finde ich auch wichtig, es gehört zu gesunder Streitkultur. Fehler eingestehen und sich zurücknehmen. Ich finde, das lernt man automatisch, wenn man mit drei Geschwistern aufwächst. Man lernt, sich zu positionieren und für gewisse Sachen einzustehen. Und dafür bin ich sehr dankbar, dass ich so aufgewachsen bin. Ganz ehrlich: Mir war das lange gar nicht bewusst. Für mich war es einfach normal. Das war jetzt nicht „Erziehung“, sondern es war unser Leben. Und das ist auch das Schöne am Älterwerden: Plötzlich merkt man: Ach so – das ist gar nicht so selbstverständlich. Es kann auch anders sein.

Du bist in einer sehr großen Familie aufgewachsen.

Ja. Da gehören viele dazu. Abgesehen von meinen Geschwistern auch Cousinen und Cousins, Tanten und Onkel. Wenn man das weiterspinnt, werden es Hunderte. Aber im engen Kreis, direkt blutverwandt, sind es 90. Das prägt. Das ist etwas, das ich so kostbar finde. Früher hat man gesagt: Ein Dorf zieht ein Kind groß. In meinem Fall war’s wirklich so: Eine Großfamilie zieht ein Kind groß. Durch diese vielen Einflüsse und Meinungen, aber auch Weltansichten und Werte durfte ich von vielen etwas mitnehmen. Das hat mich geprägt und zu der Person gemacht, die ich heute bin. Ich glaube, deswegen bin ich bis heute ein Mensch, der sehr gerne unter vielen Kulturen ist. Ich bin viel unterwegs und neugierig darauf, wie andere Menschen gewisse Dinge sehen.

Und die Bühne war im Familienkreis schon groß.

Ja – wobei, wenn eine Familie aus so vielen Leuten besteht, kommen nicht zu jeder Gelegenheit alle zusammen. Aber ja: Im Familienkreis war die Bühne schon früh groß.

Mit Gefühl zum Erfolg

Du hast ja ganz früh angefangen zu performen, lange bevor viele dich über DSDS wahrgenommen haben. Wie war der Weg dahin – und warum?

Der Weg dahin war, ich würde sagen, rund. Man macht viele Bögen. Aber etwas, was mir bewusst wurde: Ich wusste immer, dass ich Schlagersängerin werden will. Ich habe die deutsche Sprache immer schon sehr geliebt. Ich finde es auch schön, dass sie in der Musik in den vergangenen zehn Jahren so vielfältig eingesetzt wird. Der Weg war dann aber nicht so gerade wie mein Ziel. Und das ist auch gut so. Es gab viele Umwege. Ich habe mehrere letzte Plätze belegt bei Gesangswettbewerben. Aber ich bin froh, dass ich jede Bühne mitgenommen habe: Geburtstage, Hochzeiten, Kirmes – bei uns heißt sie „Chilbi“. Meine Eltern hatten eine Metzgerei und einen Catering-Service. Einmal im Jahr am Wochenende hatten wir einen Stand und haben Würste und Hamburger verkauft. Und ich bin dann abends noch auf die Bühne nebenan und habe gesungen. Dann gab’s „Turnerkränzle“, Veranstaltungen vom Turnverein. Da gab es auch einen Gesangswettbewerb – aber der enthielt keine Karaokeversion von deutschen Songs, da musste ich einen englischen Song singen, und ich war ganz weit hinten. Und danach war ich schon direkt wieder am Stand, um zu arbeiten bei meinen Eltern. Dass wir Kinder da mithalfen, war selbstverständlich.

Und ehe ich mich versah, war ich schon beim Grand Prix der Volksmusik mit Lys Assia zusammen. Wir haben den ersten Platz in der Schweiz belegt, haben die Schweiz vertreten. In Österreich haben wir aber den letzten Platz belegt. Ich durfte diese Höhen und Tiefen – dieses: man wird gefeiert und danach ist wieder alles schlecht – sehr früh erleben. Und ich sage nicht, dass das mit 17, 18 immer leicht war. Es macht was mit dir. Vor allem das Bewusstsein, dass andere dich bewerten. Und auch deine Körperlichkeit – wo ich dachte: Das hat doch nichts mit meiner Stimme zu tun. Dann bin ich nach Hamburg gegangen, auf die Schauspielschule. Ich habe immer noch am Wochenende in der Schweiz Auftritte gehabt. Und ich muss sagen: Ich durfte in der Schauspielschule viel lernen. Diese Körperlichkeit, dieses: Wer bist du? Was sind deine Stärken? In der Schauspielschule geht’s erst mal darum, wer man wirklich ist. Das hat mir sehr viel für meinen weiteren Weg gegeben. Und dieses „Weg-von-zu-Hause“, weg vom bekannten Umfeld – das hat mir viel Mut und Stärke und vor allem Selbstvertrauen geschenkt. Gerade weil ich mit meiner Körperlichkeit vielleicht noch nicht an dem Punkt war, an dem ich sagen konnte: Das geht mir am Allerwertesten vorbei. Heute kann ich sagen: Alle, die mich kennen, haben ihre Meinung über mich. Ich kann mittlerweile sagen: Das ist eben deine Meinung. Ich bin hingegen mit mir selbst im Reinen – und das sollte immer der Weg sein. Das war vor zehn Jahren anders als heute. Und: Nur weil man sich heute gut findet oder mit sich im Reinen ist und sich selbst liebt und Selbstvertrauen besitzt, heißt das nicht, dass das so bleibt. Der Mensch verändert sich, das Umfeld verändert sich. Darum reflektiere ich mich auch regelmäßig. Und ich habe ein sehr ehrliches Umfeld, keine „Ja-Sager“. Das hilft mir sehr für diese Beständigkeit, die es braucht im Öffentlichen.

Wie sehr tangieren dich Kommentare im Internet? Liest du sowas – oder wird das abgeschirmt? Lächelst du das auch an?

Mittlerweile ist es durch diese Anonymität im Internet so, dass Kommunikation teilweise übergriffig ist. Eine Meinung zu äußern, ist das eine. Aber verurteilend und wertend zu sein, ist etwas anderes. Wenn ich Sachen lese, bei denen ich denke: Was ist das denn? Dann wünsche ich den Menschen einfach gute Besserung. Denen geht’s ja definitiv nicht gut. Wenn jemand so was in die Welt tragen muss über jemand anderen – dann mein Beileid für den Menschen. Das spüre ich wirklich. Es tut mir wirklich leid. Mich tangiert es nicht.

Was hat dich zur Faszination Schlager gebracht?

Zunächst: Die Berührung durch Musik wird dir durch das gegeben, womit du aufwächst. Was hören die Eltern? In meinem Fall lief zu Hause immer Schlager. Meine Eltern – oder meine Mama – ist auf Schlagerkonzerte gegangen, hat mich mitgenommen. Und ich fand’s einfach nur toll. Und wie gesagt: Ich liebe die deutsche Sprache – und da meine ich wirklich Hochdeutsch. In der Schweiz sprechen wir auch Deutsch, aber es ist ganz anders. Und manchmal wechsle ich emotional auch ins Schweizerdeutsch. Das ist einfach eine andere Sprache. Aber Hochdeutsch hat mich immer besonders berührt. Als ich ein Kind war, gab’s in der Schweiz nicht viel Musik auf Hochdeutsch. Es gab Schlager, Volksmusik, später die Neue Deutsche Welle. Heute gibt’s so viele Arten von deutscher Musik. Damals nicht. Ich bin einfach ein sonniges Gemüt und mag diese Leichtigkeit. Ich habe Musik gehört und selber gesungen. Oft vor dem Spiegel. Nur, dass ich nicht die Backstreet Boys oder Britney Spears imitiert habe, sondern Michelle, Christina Bach und Vicky Leandros. Ich hatte auch einen Discman. Meine Brüder ebenfalls Bei denen lief David Hasselhoff und Michael Jackson. Bei mir Michelle, Christina Bach und Schlager. Ich habe immer Leute gesucht, die Schlager mit mir machen wollen, doch das war schwieriger als gedacht. Aber: Je steiniger der Weg ist, umso fester wird der Boden unter deinen Füßen. Außerdem: „Ich liebe das Leben“ von Vicky Leandros, ist bis heute ein Song, der mich glücklich macht. Und ich finde, es ist auch ein gutes Lebensmotto.

Wie kam der Sprung zu DSDS zustande?

Ich habe jede Bühne mitgenommen. Den DSDS-Aufruf habe ich bei meiner Tante in der Zeitung gesehen. Meine damalige Managerin meinte: „Würdest du da hingehen wollen?“ Und ich habe geantwortet: „Ja, kann ich ja mal machen.“ Ich habe mir da gar nichts bei gedacht. Und dort sind auch nicht so viele Leute, wie man denkt. Es fühlt sich nicht so krass an. Vielleicht habe ich das auch lockerer gesehen, weil ich es bis dahin schon zehn Jahre gemacht habe und auch schon jegliche Art von Scheitern erlebt habe. Also habe ich die Lieder gesungen, bei denen ich dachte: Das könnte passen. Und wenn’s nicht passt, ist das auch okay – weil ich gewohnt war, dass das nicht alle toll finden. Im Grunde habe ich gedacht: Es ist toll, wenn ich da bin und mich irgendjemand sieht und mich vielleicht wieder bucht. Vielleicht habe ich einen Auftritt mehr. Mehr habe ich nicht gedacht. Dass ich das gewinne, davon habe ich nicht mal geträumt.

"Was will ich bei den Leuten auslösen?"

Also bist du eher spontan und nicht der Mensch mit dem Fünfjahresplan?

Oh nein, auf gar keinen Fall. Das Leben spielt so viel dazwischen – und das ist gut. Ich bin sehr emotional und entscheide sehr bewusst: Was will ich machen? Gefällt mir das?

Was würdest du jungen, aufstrebenden Künstlern heute raten, wo alle sagen: Man braucht einen Plan, Social Media, Aktionen?

Ich sage immer: Mein Ursprung ist kein Plan, sondern eine Emotion. Eine Freude, eine Euphorie, etwas, das dich erfreut oder zum Kribbeln bringt. Das ist für mich der Ursprung von allem, was ich tue – auch in der Tourvorbereitung. Ich überlege nicht: Was ist strategisch richtig. Ich lasse mein Gefühl und mein Wesen entscheiden: Was möchte ich erzählen, was möchte ich zeigen?

Diese Strategie gilt auch bei der Zusammenstellung der Setlist, oder?

Ich suche aus über 200 Songs meine Setlist aus. Klar kann ich sehen, wie oft ein Song gestreamt wurde. Aber ich weiß auch: Wenn ich live auf Tour gehe, kann ich Songs neu interpretieren. Auch Songs, die gar keiner auf dem Schirm hatte, kriegen wieder eine Geschichte – weil ich davon erzähle, was mir der Song bedeutet oder warum es den Song gibt. Und ich packe den musikalisch mit der Band in ein neues Kleid. Vor allem ist doch die Frage: Was möchte ich den Menschen geben? Ich möchte ihnen einen Abend schenken, an dem sie abschalten und genießen können, viel lachen, viel tanzen, locker in der Hüfte werden – und vor allem dem Leben mit einem großen Ja begegnen. Das versuche ich mit meinem Team musikalisch zu erreichen. Da gibt es keine Strategie, sondern einen Wunsch: Was wollen wir bei den Leuten auslösen?

Sind die Setlists dann Wundertüten bei dir?

Ja. Es gibt ein paar Songs, die müssen sein. Für mich ist wichtig, die Historie mitzunehmen. Und das wird auf der aktuellen Tour ganz besonders herausgestellt: Wo komme ich her, was ist passiert, und wo bin ich? „Tanzen, Lachen, Leben“ zeigt auch mein Leben in den letzten Jahren. Und die Musik ist wie ein Tagebuch. Du hörst einen Song und hast Flashbacks. Da kommen tausende Leute, die ihre eigenen Geschichten zu meinen Songs haben. Wenn du später den Song hörst, bist du zurück im Konzert – zurück in diesem Gefühl von Leichtigkeit, Euphorie, Optimismus. Das ist das Schönste. Und das hältst du in den nächsten zehn, zwanzig Jahren fest. Mein Wunsch ist, dass die Leute etwas mitnehmen: Leichtigkeit, Optimismus und Euphorie, die den Alltag beflügelt, erleichtert und das Leben etwas schöner macht.

Du hast dein letztjähriges Album 2026 verlängert: Warum keine EP als eigenes Produkt?

Das Album erzählt ja weiterhin eine Geschichte. Einige Songs waren schon da und passen thematisch und musikalisch hinein. Einige habe ich ergänzt. Das finde ich schön, weil doch wieder anderthalb Jahre dazwischen waren. Vom Schreiben bis zum Veröffentlichen ist es ja immer ein langer Weg. Gewisse Songs sind erst später entstanden, und gerade mit Blick auf die Tour merkt man: Man möchte noch etwas mitnehmen. Eine Geschichte fehlt noch, die man musikalisch erzählen will. „So schön cha s’Läbe si“ ist sehr traditionell. „Alibi“ hingegen ist wahnsinnig modern, „Bass“ auch. Und „Euphoria“ ist eigentlich auch ein kleiner Flashback für mich. Den habe ich das letzte Mal 2013 oder sogar 2012 gesungen. Dieser Song ist wirklich mein absoluter ESC-Favorit, daher habe ich versucht, mein eigenes Ding daraus zu machen. Denn wenn du einen Song coverst, sollte er sich anhören wie dein Song, denn das Original gibt es ja schon. Daher habe ich ihn auf Deutsch gesungen. Deutsch ist meine Sprache. Auf Deutsch kann ich anders artikulieren und ich treffe andere Emotionen.

Hast du vor dem Video zu „Alibi“ nachgedacht, was du damit auslösen könntest?

Natürlich. Und ich finde es super spannend – das ist das Schönste an der Geschichte: Das vermeintlich Provokante am Video, dass eine Frau sich nach einer anderen Frau sehnt, hat die Öffentlichkeit gar nicht so wahnsinnig interessiert. Und das ist ja eigentlich das Beste, was passieren kann. Liebe sollte selbstverständlich sein – in all ihren Formen und Farben. Ich bin auch sehr glücklich darüber mit GNTM-Kandidat Tony, den mein Team und ich gemeinsam in einer Germany’s Next Topmodel-Folge als Schauspieler für das Musikvideo gecastet haben, eine großartige Besetzung gefunden zu haben, der abseits vom Video auch nochmal seine ganz eigene Geschichte mitbringt. 

Schlager gilt oft als oberflächlich, und es gibt Vorurteile über die Szene. Wie erlebst du das?

Ich glaube, der Schlager ist so erfolgreich, weil er immer mit der Zeit gegangen und sehr vielseitig ist. Ich finde auch, er ist durch die Künstler und Künstlerinnen sehr vielseitig dargestellt. Es ist ein breites Spektrum. Alle Generationen sind vertreten. Das macht ihn besonders und stark. Ich erlebe da keinen Hass. Warum auch? Ich finde, miteinander ist man stärker. Ich glaube, es ist allen bewusst, dass es uns gut geht. Natürlich hat jeder ein Privatleben und meistens trennt sich das vom Beruflichen. Das ist gesund. Wir gehen auf in diesem Job und haben Spaß dabei. Wir wollen alle die beste Show abliefern. 

Nimm uns mal mit in deine Songwriting-Phase. Wie entsteht dein neues Album?

Schreiben bedeutet bei mir: Das Leben hat Geschichten parat, die ich aufschreibe. Aber noch viel mehr hat das Publikum Geschichten geschrieben, und die trägt es mir zu. Ich bekomme so viele Mails, daraus kann man jede Menge Songs machen. Wenn ich spontan Ideen habe, halte ich viel auf dem Handy fest. Mir war klar: Ich möchte ein Album machen, das positiv ist. Auch wenn’s schwere Themen sind, sollen sie sich positiv auflösen. Am Ende soll es ein Elixier der guten Laune sein. So bin ich in die Songwriting-Sessions gegangen. Ich habe mit tollen Textern und Komponisten gearbeitet, die ihre Ideen ebenfalls einbringen.

Wie sieht ein Songskelett bei dir aus?

Ganz unterschiedlich. Mal ist der Text da, mal ist die Musik da. Mal ist nur ein Wort da. Manchmal habe ich eine Sprachmemo, damit ich weiß, wo es hingehen soll. Bei „Alibi“ zum Beispiel habe ich einfach „Alibi“ aufgeschrieben – ich brauchte einen Song, der so heißt. Bei „Magisch“ war die Idee, den Menschen zu danken, die mein Leben durch ihr Dasein erfüllen, durch ihr Wesen. Ich habe das umschrieben, und dabei kam „Magisch“ raus. Und „Warum nicht?“ ist die Antwort auf die meistgestellte Frage in meinen Interviews: Warum bist du immer so gut drauf? So schreibt das Leben die Musik.

Auf deinem neuen Album höre ich Pop- und Eurodance-Einflüsse. Wie weit kann man Grenzen verschieben?

Ich mache immer das, was ich selber cool finde. Ich denke gar nicht an Grenzen, weil ich mich selber nicht in eine Schublade stecken würde. Musikalisch gibt’s eh keine Grenzen. Ich bin so vieles: neugierig, interessiert an Musik. Und Musik erschafft Freiraum. Bei „Sing meinen Song“ fanden alle anderen, dass meine Beiträge nach Schlager klangen, sobald ich sie gesungen habe. Das ist meine Stimme, und das finde ich toll. Gleicher Song, gleicher Text, es singt jemand anders, und es klingt komplett anders.

Gibt es Momente, in denen jemand sagt: Stopp, das kaufen die Leute dir nicht ab?

Wenn ich darauf Lust hätte und es ehrlich wäre, würde ich das trotzdem machen. Ich schließe nichts aus, weder Duette noch Ausflüge in andere Genres: Ich bleibe ja ich.

"Ich bin ein Schweizer Taschenmesser"

Wenn du einen Wunsch frei hättest: Wer wäre dann als nächstes dein Duettpartner?

Ich finde Apache richtig cool. Er bleibt er, ich bleibe ich. Es ist die Frage, was passiert, wenn beides zusammenkommt – das wäre etwas Neues. Musik ist immer da, um neue Welten zu entdecken. Genregrenzen spielen da keine Rolle.

Was bringst du an Schweizer Mentalität mit?

Schweizer Neutralität bringe ich sicher mit. Schweizer Bodenständigkeit ebenfalls. Und ein Schweizer Taschenmesser bin ich auch ein bisschen. So nennt man mich manchmal. Weil ich einfach mache.

Du spielst demnächst im größeren Schweizer Venue.

Das Hallenstadion wird ein ganz besonderes Konzert. Das ist tatsächlich das Tourkonzert, das nicht sein wird wie die anderen. Einmal durch das Nachhausekommen. Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich schon gesungen habe, werden dabei sein. Es werden auch mehr Schweizer Songs gespielt. Für mich ist das ein Riesenhighlight. Ich habe mir das immer gewünscht: Seit Teenie-Zeiten hatte ich das Hallenstadion im Visier, und jetzt trete ich da auf. Ich bin tatsächlich die erste Schweizer Sängerin, die das Hallenstadion füllt, das wusste ich vorher selber auch nicht. Das zeigt einmal mehr: Träumen darf man. Und das Wichtigste beim Träumen ist: Machen, machen, einfach machen. Dadurch werden Träume auch wahr.

Paola Felix ist eine Schweizerin, die dich sehr beeinflusst hat. Wieso?

Sie wusste, wann sie aufhört, weil sie eine sehr selbstbestimmte, selbstbewusste Frau ist, die alles in ihrem Leben selbst entschieden hat, was sie selber entscheiden konnte. Dazu gehörte auch ihr Karriereende. Und sie hat eine tolle Karriere gehabt: Musikerin, Entertainerin. Sie hat das Fernsehen revolutioniert mit Kurt Felix zusammen. Was sie gemacht hat, war historisch. Und bis heute ist sie das geblieben und hat sich den Glanz bewahrt. Ich schätze sie sehr, spreche sehr gerne mit ihr und freue mich immer, wenn ich sie sehe.

Du hörst ja noch lange nicht auf.

Erst mal nicht (lacht). Aber auch dann würde ich selber entscheiden. Ich mache das so lange, wie es mir Freude macht, denn dann ist es auch erfolgreich. Und erfolgreich bedeutet für mich nicht, wie meine Leistung von außen bewertet wird, sondern wie ich sie empfinde. Wenn ich glücklich und erfüllt bin, mache ich weiter. Aber ich weiß auch: Alles hat seine Zeit. Es könnte sein, dass ich irgendwann in die zweite Reihe gehe. Vielleicht gebe ich dann all das Wissen, das ich über die Jahre sammeln durfte, weiter.

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