Ein Nachruf

Mario Adorf: "Je älter ich werde, umso mehr sehne ich mich nach Mayen und der Eifel"

09.04.2026, 14.18 Uhr
von Hans Peter Schössler
Mario Adorf hat seine letzte Reise angetreten. Im Alter von 95 Jahren ist der in Mayen in der Eifel groß gewordene legendäre Schauspieler in Paris verstorben. Er erfüllte mit seiner Kunst die Träume mehrerer Generationen.

Als er am 18. Januar 1996 in der Mainzer Staatskanzlei die Carl-Zuckmayer –Medaille, die wichtigste Kulturauszeichnung des Landes Rheinland-Pfalz, aus der Hand von Ministerpräsident Kurt Beck erhält, erzähle ich nach der Veranstaltung Mario Adorf, dass am nächsten Tag der 75. Geburtstag von Prof. Berno Wischmann gefeiert wird. In der Sportschule in Mainz, die den Namen von Wischmann trägt. Adorf reagiert wie ich es erhofft habe. „Der Professor“, sagt er fast ehrfürchtig und ich spüre, dass ihm viele  Gedanken durch den  Kopf gehen. In Mainz hat er von 195o bis 1953 studiert. Philosophie, Psychologie, Kriminologie, Literatur, Musikgeschichte und Theaterwissenschaften. Das Letztere bei Prof. Karl Holzamer, dem späteren ersten Intendanten des ZDF. Und beim Sportprofessor, dem einzigartigen Berno Wischmann, der nach dem Krieg auch bei Rot-Weiß Koblenz Leichtathletiktrainer war, da lernte Mario Adorf Boxen und Fechten. Als Teil der Theaterwissenschaft.

An diesem 18.Januar 1996 sagte mir Adorf, er werde noch eine Nacht länger in Mainz bleiben, um am nächsten  Morgen dem Professor zu gratulieren. Es wird ein großer Tag für Berno Wischmann. Adorf ist der Überraschungsgast. Ganz am Ende der Feier liegen sich die beiden Männer in den Armen. Und Prof. Holzamer, damals bereits 90, konnte auch noch  über Nacht organisiert werden.

Eine Karriere auf der Leinwand

Jetzt lebt der große Schauspieler  nicht mehr. Seine Karriere  begann auf der Theaterbühne. Von 1955 bis 1962 spielte er bei den Münchner Kammerspielen große Rollen wie  „Endstation Sehnsucht“ oder „Othello“. Doch der Film erreicht ihn früh. 1959 mit „Am Tag als der Regen kam“ und dann 1963 „Winnetou I“. Das Klischee des Banditen, des Bösewichts wurde er lange nicht mehr los, aber niemand hätte diese Rollen auch besser spielen  können als er. Manche Filme dieser Jahre möchte Mario Adorf am liebsten vergessen machen. Dennoch haben sie seinen Ruf des Weltstars nicht beschädigt. Befördert haben seinen Ruf, ein großer Schauspieler zu sein, die Arbeiten mit Volker Schlöndorff in den 197o er Jahren. Filme wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ oder „Die Blechtrommel“ verdeutlichten, wie sehr Mario Adorf die großen Charakterrollen spielen konnte. Auch im Fernsehen suchte und fand  er das Besondere wie „Kir Royal“, „Via Mala“, „Der große Bellheim“ oder „Der Schattenmann“. Und 2oo2 dann „Die Nibelungen“ bei den gleichnamigen Festspielen in Worms. Zurück zum Film spielte er 2oo8 in dem Kinderfilm „Die Rote Zora“ und 2o10 für das Fernsehen „Der letzte Patriarch“.Die wichtigsten Ehrungen wie der Deutsche und der Bayerische Filmpreis wurden ihm zuteil.

Je älter er wurde, umso bedeutender wurde seine Kunst, egal in welchem Medium. Und selbst seine Werbung, vor allem die für eine Versicherung aus Aachen, war Kunst.

Mario Adorf - Ein Weltbürger

Italien, Frankreich und Deutschland sind die wesentlichen Stationen im Leben des Schauspielers , der in  Zürich geboren wurde und der in Mayen in der Eifel mit seiner Mutter aufwuchs, hier die Schule besuchte und von da nach Mainz zum Studium ging. Längst gibt es an der Burg eine Straße, die nach ihm benannt wird und die Klassentreffen ließ er sich selten  entgehen. „Je älter ich werde, umso größer ist meine Sehnsucht  nach Mayen und der Eifel“, erzählte er einmal . Und die Mayener selbst haben ein höchst sensibles und waches Gespür für den Umgang  mit ihrem prominentesten Bürger. In Mayen ließen sie Adorf erst einmal zu sich kommen. Hier sollte er Ruhe finden, in der Umgebung seiner Kindheit und Jugend, bei seinen Erinnerungen an die viele Arbeit seiner Mutter, an das Lernen fürs Leben, die Streiche mit Freunden. Und Mario Adorf gab immer und immer mehr an seine Mayener zurück. In vielen Gesprächen, für die er sich Zeit nahm, mit verblüffenden Erinnerungen an Menschen, die ihm begegnen, und einer nicht übersehbaren Liebe zu dieser Stadt und ihren Menschen.

Der Weltbürger war in Paris, St. Tropez, München und in Mayen daheim.

Noch mehr über Adorfs inspirierendes Leben findet ihr hier beim Merkurist Koblenz.

Hans Peter Schössler ist Mitglied der Redaktion des Merkurist Koblenz (aktuell4u.de).

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