Highlight der Filmgeschichte

"Der Golem, wie er in die Welt kam": Der Stummfilm, der die Künstliche Intelligenz vorhersah

25.06.2024, 10.18 Uhr
von Maximilian Haase

ARTE zeigt den UFA-Klassiker "Der Golem, wie er in die Welt kam" von 1920. Der Stummfilm erzählt die Geschichte einer künstlichen Intelligenz und bleibt auch nach 100 Jahren aktuell. Die Aufführung erfolgt im Rahmen einer musikalisch unterlegten Stummfilmreihe.

ARTE
Der Golem, wie er in die Welt kam
Stummfilm • 24.06.2024 • 23:55 Uhr

Sehenswerte Rekonstruktion

Die 1920er-Jahre waren blühende Zeiten für die deutsche Kultur im Allgemeinen – und für den deutschen Film im Speziellen. Zwischen den Kriegen produzierte die UFA vor allem in Babelsberg weltberühmte Werke, man denke nur an Fritz Lang, Ernst Lubitsch und Friedrich Wilhelm Murnau. Hoch im Kurs lagen – wohl angesichts zahlreicher Krisen und Utopien – die fantastischen Genres. Heute, da die Zeiten immer wieder mit denen der Weimarer Jahre verglichen werden, erscheint diese Filmkunst auch nach über 100 Jahren noch aktuell. Das zeigt etwa ein viel zitierter und herausstechender Vertreter der Ära, der von der Erschaffung einer künstlichen Intelligenz erzählt. "Der Golem, wie er in die Welt kam" von 1920 dreht sich um das titelgebende Wesen aus Lehm, das sich gegen seinen Schöpfer wendet. ARTE zeigt den ikonischen Klassiker nun im Rahmen einer musikalisch unterlegten Stummfilmreihe.

Alles begann mit Mary Shelleys Roman "Frankenstein", der das Genre der Science Fiction und genauer die Vorstellung der Schöpfung durch den Menschen erstmals ausführlich beleuchtete. Es folgten 200 Jahre der Adaption und Variation des Themas, das filmisch von "2001" über "Terminator" bis "Her" in SciFi und Fantasy derart durchgespielt wurde, dass wir heute ehrfurchtsvoll auf die reale Debatte um Künstliche Intelligenz blicken.

Wie aktuell der Diskurs auch über Jahrzehnte bleibt, beweist Paul Wegeners und Carl Boeses Meisterwerk, das zu den großen deutschen Stummfilmerfolgen zählt mithilfe der wiederentdeckten Originalmusik von Hans Landsberger in brillanter Qualität neu aufbereitet wurde. Gelungen ist die Rekonstruktion, die seit den 1990er-Jahren vorangetrieben wurde, allemal.

Große abendländische Erzählung

Die Geschichte, später rezipiert von den "Simpsons" bis zu feministischen SciFi-Romanen wie Marge Piercys "He, She, It", verhandelt als eine der großen Erzählungen der abendländischen Kultur vom Fortschrittsdenken über den Antisemitismus bis zum Vaterverrat so ziemlich jedes Sujet der Moderne.

Im Prag des 16. Jahrhunderts formt der Magier Rabbi Löw (Albert Steinrück) den Golem aus Lehm (gespielt von Paul Wegener), der einer Überlieferung zufolge die Juden vor der Verfolgung retten soll. Und tatsächlich: Das ungeheure Wesen erwacht – und rettet prompt dem Kaiser das Leben, der zuvor noch die Vertreibung der Juden aus der Stadt angeordnet hatte. Der Herrscher besinnt sich und bietet der Gemeinde fortan Schutz. Weil der Golem seinen Dienst getan hat, entzieht der Rabbi ihm die Lebensenergie – mit schwerwiegenden Folgen: Erschaffen als künstliche Intelligenz, wendet sich der Golem mit aller Gewalt dagegen, sein Dasein unter den Lebenden wieder abgeben zu müssen. Die KI, die selbständig wird und sich gegen ihren Schöpfer wendet: Überholt wird dieses Thema wohl nie sein.

Der Golem, wie er in die Welt kam – Mo. 24.06. – ARTE: 23.55 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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