Die Legenden des deutschen Fußballs: Von Matthäus bis Götze
Von Franz Beckenbauer über Lothar Matthäus bis hin zu Mario Götze: Jeder kennt sie, die WM-Stars der Deutschen, die bis heute unvergessen sind, denn sie haben den Fußballfans weltweit unvergessliche Momente geschenkt. Wir haben einige ausgewählte Persönlichkeiten für euch zusammengetragen.
Lothar Matthäus: Eine Legende, bis heute
Lothar Matthäus ist nicht nur der „Weltsportler“ aus dem Jahr 1990, sondern mit seinen 150 Einsätzen Rekordnationalspieler. Ebenso unerreicht sind seine fünf WM-Teilnahmen und seine insgesamt 25 WM-Spiele. Neben Uwe Seeler, Philipp Lahm, Franz Beckenbauer, Jürgen Klinsmann, Fritz Walter, Birgit Prinz und Bettina Wiegmann zählt er zu den Ehrenspielführern der deutschen Nationalmannschaft.
Sein Debüt für Schwarz-Rot-Gold hatte er bereits mit 19 Jahren und führte unter Bundestrainer Beckenbauer seine Mannschaft 1990 als Kapitän zum WM-Titel. Inzwischen hat er sich seit vielen Jahren bereits zu einem der profiliertesten und meistzitierten TV-Experten, Sprecher und Kolumnisten im deutschsprachigen Raum etabliert. So analysiert er beispielsweise regelmäßig Bundesliga- und Champions-League-Spiele für den Pay-TV-Sender Sky und ist fester Bestandteil der Länderspielübertragungen der deutschen Fußballnationalmannschaft bei RTL.
Jürgen („Klinsi“) Klinsmann: Einer der erfolgreichsten Spieler
Vom Bäckergeselle zu einem der erfolgreichsten Fußballspieler aller Zeiten. Zweimal wurde Jürgen Klinsmann in Deutschland zum „Fußballer des Jahres“ gekürt, einmal sogar in England, wo er einst bei Tottenham Hotspurs spielte. Das deutsche Nationaltrikot trug er dabei gleich ganze 108 Mal. Als das beste Spiel in den Farben der Nationalmannschaft gilt das Achtelfinale gegen die Niederlande.
Als Stürmer zeigte er vollen Einsatz, kämpfte sich durch und traf das Tor. Insgesamt erzielte er bei der WM 1990 drei Tore. Darüber hinaus war er von 2004 bis 2006 selbst Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft. Von 2023 bis 2024 trainierte er zuletzt die Südkoreanische Fußballnationalmannschaft.
Rudolf („Rudi“) Völler: „Es gibt nur einen Rudi Völler“
Schon 1983, als Rudi Völler für Werder Bremen aufläuft, war er Torschützenkönig und wurde zu „Deutschlands Fußballer des Jahres“ gewählt. Bei der WM 1990 aber bringt man ihn insbesondere mit seiner Achtelfinalpartie gegen die Niederlande in Verbindung, als er zu Unrecht eine rote Karte erhielt, nachdem er von Frank Rijkaard bespuck wurde. Doch nicht nur als aktiver Spieler war er überaus erfolgreich, sondern auch als Coach.
2000 wurde er zum Teamchef des deutschen Nationalteams ernannt, um diese wieder in die Erfolgsspur zurückzubringen. Unter Völler wurde „Tante Käthe“, wie er mit ergrautem Haar herzlich genannt wurde 2002 bei der WM in Japan und Korea Vize-Weltmeister. Aktuell arbeitet Rudi Völler als Direktor der A-Nationalmannschaft und der U21 beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Mittlerweile hat er seinen Vertrag verlängert und wird in dieser Funktion voraussichtlich bis zur Europameisterschaft 2028 tätig sein.
Andreas („Andi“) Brehme: WM-Held gegen Argentinien
Andi Brehme war der WM Held des Finals gegen Argentinien bei der WM 1990. Sein Tor in der 85. Spielminute machte die deutsche Mannschaft zum Weltmeister. 1998 beendete er seine erfolgreiche aktive Karriere und wurde Teammanager beim 1. FC Kaiserslautern und im Sommer 2005 Co-Trainer beim VFB Stuttgart.
Nach seiner Entlassung im darauffolgenden Jahr 2006 zog sich Brehme aus dem alltäglichen Fußballgeschäft zurück und lebte zurückgezogen. Im Alter von 63 Jahren starb er nach einem Herzstillstand am 20. Februar 2024 in München und wurde am 12. März 2024 auf dem Münchner Ostfriedhof beigesetzt.
Franz Beckenbauer: Der große „Kaiser“
Im Jahr 1990 erreichte Beckenbauer etwas, was zuvor nur der Brasilianer Mario Zagallo geschafft hat: zweimal wurde er Weltmeister, einmal als Spieler im Jahr 1974 und einmal als Trainer im Jahr 1990. Er wurde insgesamt fünfmal Deutscher Meister, viermal DFB-Pokalsieger, dreimal Europapokalsieger der Landesmeister und einmal Weltpokalsieger.
Darüber hinaus wurde er viermal zum deutschen „Fußballer des Jahres“ gewählt und zweimal zum „Europäischen Fußballer des Jahres“. Nach seiner aktiven Karriere beim FC Bayern, HSV und Cosmos New York begann er 1984 seine Trainerlaufbahn. Als Teamchef der deutschen Nationalmannschaft war er sehr erfolgreich: in insgesamt 66 Länderspielen war er 36-mal siegreich, 17-mal gab es ein Unentschieden und nur 13 Niederlagen für die deutsche Elf. In den letzten Jahren lebte der „Kaiser“, so sein medialer Spitzname sehr zurückgezogen und litt an gesundheitlichen Problemen.
2016 wurden ihm bei einer Herzoperation sechs Bypässe gelegt, 2019 ließ ihn ein Augeninfarkt auf dem rechten Auge nahezu erblinden. Beckenbauer, der laut Aussagen von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zuletzt an der Parkinson-Krankheit litt, starb am 7. Januar 2024 im Alter von 78 Jahren in Salzburg. Beigesetzt wurde er jedoch im Grab seiner Eltern auf dem Friedhof am Perlacher Forst in München.
Gerhard („Gerd“) Müller: Keine langen Wege
Gerd Müller war der Mann für die schnellen Wege. Sein Finaltor 1974 gegen die Niederlande ist der Beweis dafür: kein großer Anlauf, kein Aufbäumen, sondern nur der kleine Moment, in welchem der Ball wie aus dem Nichts daliegt und er selbst schon bereit steht. Während andere Spieler in solchen Situationen noch überlegten, wie sie richtig reagieren sollten, hat Müller schon abgeschlossen und das Spiel entschieden. Gleiches gilt für die WM 1970.
Drei Tore erzielte er gegen Peru, als würde er freie Räume sehen, die nur er wahrnehmen konnte. Seine Rekorde hatten über 40 Jahre lang Bestand- einige davon stehen auch heute noch. Seinen letzten öffentlichen Auftritt absolvierte er 2013 anlässlich des Sport-Bild-Award für sein Lebenswerk. Im Oktober 2015 machte der FC Bayern München seine Alzheimer-Demenz-Erkrankung öffentlich. Er lebte bis zum Schluss in einem Pflegeheim in Wolfratshausen, wo er auch am 15. August 2021 im Alter von 75 Jahren verstarb.
Uwe Seeler: Legende, auch ohne Titel
Einen WM-Titel konnte er in seiner Spielerlaufbahn nicht erlangen, zählte jedoch zu einem der konstantesten deutschen WM-Spieler überhaupt. Vier Turniere, 21 WM-Spiele und neun Tore gehören dazu. 1966 in England führte er Deutschland ins Finale. Obwohl er nie den großen Pokal in den Händen hielt, war er dennoch ein entscheidender Spieler, der Deutschland überhaupt erst weit gebracht hat und das mit viel Instinkt und Körpergefühl, wie kaum ein anderer.
Für den HSV schoss der Mittelstürmer in fast 20 Jahren mehr als 400 Tore. Von Fans wurde der gebürtige Hamburger „Uns Uwe“ getauft. Am 21. Juli 2022 starb Seeler im Alter von 85 Jahren in Norderstedt. Nach seinem Tod würdigte ihn der Hamburger SV als „größten HSVer aller Zeiten“. Drei Tage nach seinem Ableben gedachte die aktive Fanszene Seeler beim Heimspiel mit einer Choreografie, die u.a. einen Banner mit der Aufschrift „Loyal und bescheiden- der Größte aller Zeiten“ zierte.
Miroslav Klose: Ein Mann für die leisen Töne
Miroslav Klose war nie der auffällige Spieler im klassischen Sinne. Er provozierte nicht, spielte kein Theater, sondern tat genau das, womit er brillieren konnte: seiner Leidenschaft für den Fußball. 2002 setzte er das in die Tat um mit einem Kopfball gegen Saudi-Arabien, dann wieder ein Kopfball und der erneute Treffer- und plötzlich spielte er sich ins Rampenlicht.
Zwölf Jahre später erzielte er sein 16. Tor bei einer WM und wurde damit zum nahezu unscheinbaren WM-Rekordtorschützen. Auch auf das 16. Rekordtor beim legendären 7:1 gegen Brasilien im Jahr 2014 erfolgte kein Ausbruch von großem Jubel, vielmehr blieb er bescheiden und stellte sich in den Dienst der Mannschaft und trug damit zum Pokalgewinn im selben Jahr bei.
Nach seiner Karriere als aktiver Spieler wechselte er in den Trainerbereich und gibt dort erfolgreich sein Wissen weiter. Der heute 47-jährige war von 2018-2020 Trainer der U17 des FC Bayern München und von 2020-2021 Trainerassistent der A Mannschaft des FC Bayern München. Seit 2024 ist er Teamchef des 2.Ligavereins 1. FC Nürnberg.
Mario Götze: 2014 wird er zum „WM-Helden“
Mario Götze erzielte in der 113. Spielminute im WM-Finale gegen Argentinien 2014 das Siegtor und macht sich so bis heute unsterblich. In der 88. Minute kommt er für den besten WM-Torschützen aller Zeiten, Miroslav Klose. Was dann folgt ist Geschichte und etwas, was nur wenigen Spielern im deutschen Fußball gelang: Gerd Müller, Andreas Brehme, Helmut Rahn und seit 2014 auch Mario Götze.
Was alle miteinander verbindet: es sind allesamt WM Helden, die den einen Treffer erzielt haben, den einen Treffer zum großen Titel. So ist auch Götzes Tor nicht nur eins für die Ewigkeit, sondern auch ein ästhetischer Anblick: die Flanke von Schürrle kommt hoch von links exakt in den Lauf und der damals erst 22-jährige selbst nimmt den Ball mit der Brust und schießt ihn mit links in den Winkel. Für die Nationalmannschaft spielt er heute nicht mehr. Er hat das Kapitel DFB-Team für sich persönlich abgeschlossen und legt stattdessen den Fokus gänzlich auf die Familie und seinen Verein Eintracht Frankfurt, für den er bereits seit der Saison 2022/2023 aufläuft. Inzwischen hat er seinen Vertrag dort bis 2028 verlängert.
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