Gefährlicher Journalismus

Gefährliche Berichterstattung aus der Ukraine: Die mutigen Einsätze von Elisabeth Bauer und Vincent Haiges

28.05.2024, 15.15 Uhr
von Franziska Wenzlick

Die Berliner Journalistin Elisabeth Bauer hat es sich zur Aufgabe gemacht, über die Ukraine zu berichten – auch, wenn sie sich damit selbst regelmäßig in Lebensgefahr begibt. Eine ZDF-Dokumentation begleitete die junge Frau und einen Fotografen bei ihren riskanten Einsätzen.

Laut "Reporter ohne Grenzen" sind seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine im Februar 2022 bei der Berichterstattung 13 Journalisten getötet worden. Doch das hält andere nicht davon ab, auch weiterhin über die Gräuel des Krieges und damit die ganze Wahrheit zu berichten. Auch die Kriegsreporterin Elisabeth Bauer macht weiter. Sie studierte gerade in Kiew, als Putins Krieg begann.

In der ZDF-Dokumentation :"37°: Gefährlicher Einsatz – Journalist*innen berichten aus der Ukraine" (Dienstag, 28. Mai, 22.15 Uhr, im ZDF und bereits vorab in der ZDFmediathek) erklärt sie: "Ich wollte nicht unbedingt aus dem Krieg berichten. Ich hatte einen anderen Fokus. Auch in der Ukraine. Ich will den Fokus aber nicht aufgeben, weil hier Krieg ist." So reist sie immer wieder in das vom Krieg gezeichnete Land, um über das Leben der dortigen Bevölkerung aus der Nähe zu berichten.

In Butscha etwa stattet die 29-Jährige einem Kindergarten einen Besuch ab. Zwei Mitarbeiter wurden hier beim Massaker im April 2022 getötet. Mittlerweile gehört der Krieg zum Alltag – auch für die Jüngsten. "Sind die Kinder traumatisiert?", fragt Elisabeth Bauer, als sie auf Tetjana Morosenko, die Leiterin der Einrichtung, trifft. "Jeder ist gerade traumatisiert", betont die Erzieherin. "Aber wir versuchen ihnen zu erklären, dass es bei Luftalarm notwendig ist, dass alle ruhig zum Luftschutzkeller runtergehen. Sie kennen die Regeln schon."

Journalistin Elisabeth Bauer: "Ich finde es wichtig, diese unsicheren Erfahrungen gemacht zu haben"

Auch die Journalistin selbst ist längst mit den Regeln des Krieges vertraut. "Dieser Terror bei Nacht ist eine physische Erfahrung, auch, wenn man diese Bomben nicht abbekommt", sagt sie, als sie beim nächtlichen Luftalarm in Kiew in die Metro flüchtet. "Man reagiert wirklich körperlich drauf, mit Zittern und vollkommener Anspannung."

Auch wenn sie sich selbst in Gefahr begibt: Bauer will weiterhin die Geschichten der Menschen in der Ukraine erzählen. "Ich finde es wichtig, diese unsicheren Erfahrungen gemacht zu haben. Auch mal zu spüren, wie es ist, in der konkreten Lebensgefahr zu sein – einfach, um auch nachvollziehen zu können, wie Leute leben müssen", stellt sie im Film klar. Sie selbst kann in ihre sichere Heimatstadt Berlin zurückkehren, um dort für große Zeitungen über den Krieg zu berichten. Doch Bauer weiß: "Die Menschen hinter diesen Geschichten sind weiterhin in der Ukraine – und sie haben schwere Winter vor sich."

Der renommierte Berliner Fotograf Vincent Haiges wiederum ist ein Geschichtenerzähler mit der Kamera. Seine Panzersperren oder einsamen Särge sagen mehr als tausend Worte. Trotzdem gibt es gewisse Grenzen, die Haiges einhält: "Keine Geschichte und kein Foto ist das eigene Leben wert. Ich würde jetzt niemals bewusst mein Leben in eine extrem gefährliche Situation bringen, um ein besonderes Bild bekommen zu können."

Als Kriegsfotograf: Vincent Haiges will "das Grauen vorstellbar machen"

Der 36-Jährige ist kein Jäger von Sensationen. Er war aber von Beginn an dabei, als der Tod in die Ukraine kam. Und so fotografiert der Menschenrechtler vor allem die Folgen des Krieges – etwa ein Sanitätsbataillon, das ukrainische Soldaten an der Front bergen muss. "Das Leid berührt mich nach wie vor sehr, wenn ich unterwegs bin", sagt er. Sein Ziel sei es, "das Grauen vorstellbar zu machen".

Zu diesem Zweck reist Haiges regelmäßig durch das kriegsgebeutelte Land – per Zug, denn der Schienenverkehr in der Ukraine funktioniert nach wie vor. Dass er trotz aller Vorsicht sein Leben aufs Spiel setzt, ist dem Fotografen bewusst: "In der Ukraine ist die Gefahr ganz klar der Beschuss. Dass man in ein Gebiet kommt, dass gerade beschossen wird, durch Raketen, durch Mörsergranaten. Die andere Gefahr sind Minen. Es kommt natürlich auch drauf an, in welchem Gebiet man ist, allerdings wurden sehr viele Minen gelegt." Sein ständiger Begleiter: ein Erste-Hilfe-Set zur medizinischen Erstversorgung.

Auch seinen Alltag in Deutschland hat Haiges' Job als Dokumentarfotograf geprägt. "Sich mit Themen wie Menschenrechtsverletzungen auseinanderzusetzen, verändert einen natürlich", erklärt er in der Dokumentation. "Wenn ich in Berlin bin, dann schätze ich diese Sicherheit sehr. Das ist eine Sache, die mich sehr dankbar gemacht hat."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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