ZDF-EM-Abschied

Mertesacker gewinnt Wette: Das ZDF-EM-Studio im Ausnahmezustand

10.07.2024, 09.04 Uhr
von Jürgen Winzer

Ein emotionaler Abschied im ZDF-EM-Studio: Per Mertesacker gewinnt eine Wette gegen Jochen Breyer, während die Experten den Halbfinalsieg Spaniens analysieren. Fritzy Kromp und ihre Kollegen werden vermisst werden.

Etwas mehr Pathos hätte man schon erwarten können, schließlich war's der letzte ZDF-EM-Abend. Aber KMH war gar nicht zu sehen und Jochen Breyer wurde erst ganz am Ende ein bisschen rührselig. Aber Fritzy Kromp brachte es auf den Punkt: "Ich werd euch drei vermissen. Es hat viel Spaß gemacht." Der Mertesacker Per und der Kramer Christoph grinsten spitzbübisch. Und, auch dank der spanischen Sieger im ersten Halbfinale: Die Fußballwelt war ein bisschen in Ordnung.

Wenn schon nicht wir, dann die Spanier. So denken Fußballer, das bestätigten alle Experten. Möge Spanien gewinnen, auf dass wir sagen können "Wir haben nur gegen den Champion verloren." Deshalb war's nicht verwunderlich, dass alle Experten auf Spanien setzten. Mertesacker sogar mit dem exakten Ergebnis von 2:1. Für den Schlaks aus der Eistonne wurde der Endspurt richtig erfolgreich: Erst gewann er eine Fachwissen-Wette gegen Jochen Breyer und durfte dafür ein Spaghetti-Eis schlotzen. Und dann noch Tippspiel-Sieger. Da lächelte ihn sogar Kramer brüderlich stolz an. Pat und Patachon vom ZDF-EM-Studio – sie dürfen sich als klare Gewinner des Turniers fühlen.

Per Mertesacker gewinnt Wette – und damit ein Spaghetti-Eis

Auch Reporter Oliver Schmidt verabschiedete sich gelungen. Erst lobte er Lamine Yamal als "Zauberer mit der Zahnspange" für sein Traumtor zum zwischenzeitlichen 1:1, dann machte er den Bohlen und bescheinigte Spanien das "attraktivere Gesamtpaket". Aber er hatte recht. Und sogar Didier Deschamps, der Franzosen-Coach, hatte diesmal richtig zugeschaut und erkannt, dass seine Mannen zwischenzeitlich die Ordnung verloren. Ist halt auch doof, wenn man plötzlich – vor allem in der zweiten Halbzeit – an Spaniern verzweifelt, die fast französisch zielorientiert kicken.

Über allem schwebte natürlich das Wunderkind. Ja, so ein Tor aus 16 Metern kann man yamal so machen, so aus dem Stand in den Winkel, noch leicht den Pfosten küssend. Und Lamine Yamal ist erst 16! Kramer hatte im selben Alter nur eine "lose Zahnspange" und Mertesacker war mit ganz anderen Dingen beschäftigt. "Da hatte ich Wachstumsprobleme und war ein Jahr raus."

"Die Deutschen wollten ihren Stolz zurück. Sie haben ihn sich geholt."

Fritzy hatte auch Probleme. Erinnerungslücken. Sie lobte die Stimmung, die Euphorie, die Emotionen diesmal. "Seit 2006 hat's so was nicht mehr gegeben." Das war fast so schlimm wie Schalke 05. Da gab es dann Geschichtsunterricht. "Naja, 2014, da war noch was, oder?" Mertesacker, 2006 im "Sommermärchen" aus dem Halbfinale gekegelt: "2014, was war da?" Kramer, 2014 Weltmeister mit Brummschädel: "Ein Turnier, ein Titel."

Ein bisschen Pathos wehte – natürlich – doch durchs Studio, als man noch mal kurz auf das deutsche Abschneiden zu sprechen kam. Zwar versagte die Investigativ-Abteilung, denn auch hier gab es keinerlei Aufklärung über den Verbleib oder gar eine Stellungnahme des Handball-affinen Schiedsrichters Taylor, aber Kramer formulierte den gemeinsamen Nenner: Die deutsche Mannschaft habe wieder guten Fußball geboten, sodass der Fan endlich mal wieder stolz auf sein Team sein könne. Das hatte ja sogar die "New York Times" festgestellt, als sie resümierte: "Die Deutschen wollten ihren Stolz zurück. Sie haben ihn sich geholt."

Mbappé bleibt hinter Erwartungen zurück

Die Spanier haben ihn noch gar nicht verloren, und auch sonst nichts. Sie haben alle sechs Spiele bislang gewonnen, das gelang zuvor niemandem bei einer EM. Sie haben das Finale verdient, wahrscheinlich sogar noch mehr. Sie haben mit ihrer furiosen Offensive die bis dato beste Defensive in den Urlaub geschickt und die Marseillaise vorerst mal verstummen lassen. Schluss mit dem euphorischen Gegröle, es lebe der sprachlose Marsch. Hauptsache, der schöne Fußball gewinnt.

Die wieder maskenlose Nase der französischen Nation hatte keinen guten Riecher. Mbappé verblasste gegenüber der Strahlkraft des furiosen Youngsters auf spanischer Seite. Jetzt ist nur zu hoffen, dass sich im zweiten Halbfinale die spielfreudigen Holländer gegen die spielverweigernden Engländer durchsetzen. Das wollten auch alle Experten, nur der England-affine Mertesacker nicht. Da grätschte aber Kumpel Kramer ins Wort: "Kann nicht anders sein. Wir haben zweimal England geguckt und du bist zweimal eingeschlafen!" Starkes Stück. Das kann einem mit diesen gut gelaunten Experten doch eigentlich gar nicht sein.

Dann war's vorbei im ZDF. Schade eigentlich!


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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