Das sagen sie

Nach Aus von “Polizeiruf”: Stars kritisieren Entscheidung der ARD

10.02.2026, 15.22 Uhr
Eins, zwei, drei - und schon vorbei. Die Attribute „erfolgreich und preisgekrönt“ reichen für einen Fortbestand offenbar nicht aus, denn innerhalb der Krimi-Reihe „Polizeiruf 110“ verschwindet nun das Ermittlerduo aus Halle. Die TV-Kommissare reagieren mit offenen Worten, klarer Kritik und einem Rest Hoffnung.
Die TV-Kommissare Peter Kurth und Peter Schneider
Die TV-Kommissare Peter Kurth und Peter Schneider  Fotoquelle: MDR/filmpool fiction/Felix Abraham

Es sah wie eine Erfolgsgeschichte aus: Als Peter Kurth (68) und Peter Schneider (51) im Jahr 2021 erstmals als Kommissare Henry Koitzsch und Michael Lehmann im „Polizeiruf 110“ aus Halle auf Sendung gingen, schalteten fast acht Millionen Zuschauer ein. Die Kritiken waren wohlwollend, die Resonanz groß.

Auch der zweite Fall im Jahr 2024 konnte das Publikum überzeugen. Doch nach dem dritten Fall ist nun Schluss. Am 15. Februar 2026 laufen die beiden Ermittler mit „Der Wanderer zieht von dannen“ ein letztes Mal über die Bildschirme. Eine Entscheidung, die nicht nur Fans irritiert – sondern gleichermaßen die beiden Hauptdarsteller selbst.

“Polizeiruf”-Star: „Ich habe es aus der Presse erfahren“

Besonders Peter Schneider spart nicht mit deutlichen Worten. Im Interview mit „Hörzu“ berichtet der Schauspieler, er habe erst Anfang 2025 aus Medienberichten erfahren, dass die Reihe offenbar von Anfang an nur auf drei Filme ausgelegt gewesen sei. Über das plötzliche Ende sagt er schlicht: „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht so richtig.“ Ursprünglich sei der 51-Jährige für eine Reihe angefragt worden, und in seinem Verständnis bedeute eine „Reihe“ nicht zwangsläufig eine Trilogie. Sein Kollege Peter Kurth bestätigt den Eindruck einer missglückten Kommunikation. Man habe die Hoffnung gehabt, nach mehreren Fällen gemeinsam über die Zukunft zu sprechen. „Dieses Gespräch fand einfach gar nicht statt“, kritisiert er.

Erfolgsformat ohne Zukunft?

Für viele Beobachter wirkt das Aus widersprüchlich. Schließlich konnte der Hallenser „Polizeiruf“ sowohl beim Publikum als auch bei Kritikern punkten. Schneider verweist darauf, dass die Filme gute Quoten erzielten und sogar Preise eingeheimst haben. Gerade deshalb sei die Entscheidung schwer nachvollziehbar: „Eigentlich könnte der MDR stolz darauf sein“, meint er. Auch innerhalb der Branche wird die Frage laut, warum ein erfolgreiches Format so schnell endet.

Ost-Perspektiven im Fokus

Ein Punkt, der Schneider besonders beschäftigt, ist die Diskussion um ostdeutsche Perspektiven im Fernsehen. Immer wieder wird unter dem Schlagwort „Quote Ost“ darüber gesprochen, wie stark ostdeutsche Geschichten im öffentlich-rechtlichen Programm vertreten sind. Für ihn sei das Hallenser Team ein Beispiel dafür gewesen, wie authentisch solche Erzählungen funktionieren können: Viele Beteiligte stammen aus der Region und bringen ihre eigene Sicht auf Menschen und Themen ein. Dass gerade ein solches Projekt endet, stößt bei ihm auf Unverständnis.

Lag es am Geld? Die Darsteller widersprechen

Spekulationen über zu hohe Gagen weisen Kurth und Schneider entschieden zurück. Man habe zu üblichen ARD-Tagessätzen gearbeitet, betont Schneider – und sei beim dritten Film sogar kompromissbereit gewesen, um die Produktion überhaupt zu ermöglichen. Die Produktionskosten hätten eher mit aufwendigen Drehorten und einer großen Anzahl an Beteiligten zu tun gehabt. Ein klassischer Studio-Krimi sei eben günstiger zu realisieren als ein Film mit vielen Außenaufnahmen. Mit anderen Worten: Am Geld allein wird es nicht gelegen haben.

Ein grundloses Ende?

Die Kritik der Schauspieler richtet sich weniger gegen das Ende an sich als gegen den Umgang der Verantwortlichen damit. Für Kurth liegt das Problem vor allem in der fehlenden Abstimmung. Schneider wiederum stört sich an der offiziellen Darstellung, die Reihe sei von Beginn an als abgeschlossene Trilogie geplant gewesen. Nach seiner eigenen Aussage ist dies nie kommuniziert worden. Dass der Sender laut MDR-Programmdirektorin Jana Brandt (61) bislang kein Nachfolgeprojekt für den „Polizeiruf“ aus Halle plant, verstärkt die Enttäuschung zusätzlich. Während der MDR weiterhin den „Polizeiruf“-Standort Magdeburg hält, bleibt die Zukunft des Hallenser Settings ungewiss.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Trotz aller Kritik klingt bei beiden Schauspielern auch eine leise Hoffnung mit. Schneider formuliert es optimistisch: „Der Käse ist nie gegessen.“ Der öffentlich-rechtliche Rundfunk lasse grundsätzlich Raum für Veränderungen und sollte sich die Gelegenheit ergeben, wäre er bereit zurückzukehren. Kurth reagiert etwas vorsichtiger, stimmt seinem Kollegen im Kern jedoch zu: „Fast alles“ würde er für eine Fortsetzung tun. Ein klares Zeichen dafür, dass das Duo mit der Rolle noch nicht abgeschlossen hat.

Zwischen Publikumserfolg und Programmstrategie

Das Aus für den Hallenser „Polizeiruf 110“ wirft erneut ein Schlaglicht auf die Frage, nach welchen Kriterien die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Programm planen. Zwischen Quoten, regionaler Vielfalt und finanziellen Rahmenbedingungen werden dort Entscheidungen getroffen, die nicht immer nachvollziehbar erscheinen. Für Fans bleibt der Abschied bitter: Nur drei Filme, die mehr Potenzial hatten, als ihre kurze Laufzeit vermuten lässt. Für Kurth und Schneider hingegen ist das Kapitel aktuell abgeschlossen – aber unter Umständen nicht endgültig.

Letzter Einsatz und viele offene Fragen

Wenn am Sonntagabend der letzte Fall beginnt, startet die Geschichte mit einem mysteriösen Todesfall in einer Badewanne. Ein typischer „Polizeiruf“-Auftakt, der Spannung verspricht und leider gleichzeitig das Ende einer ungewöhnlich kurzen Ermittler-Ära markiert. Ob die Kritik der Stars etwas bewirken wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur: Selten verabschiedete sich ein „Polizeiruf“-Team so offen und ehrlich von seinem Publikum. Gut möglich, dass dies einer der Gründe ist weshalb viele Zuschauer hoffen, dass Koitzsch und Lehmann irgendwann doch noch einmal zurückkehren.

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