Glamour im Käfig

„Marie Antoinette“ auf ZDFneo: Kostümfilm von Sofia Coppola mit Kirsten Dunst

10.02.2026, 12.11 Uhr
Sofia Coppola zeigt Marie Antoinette als glamouröse Teenagerin in einem goldenen Käfig. Die Inszenierung in Versailles gleicht einem schillernden Kostümfilm, der eher an ein It-Girl als an eine Monarchin erinnert.

Sie gilt als Inbegriff der Dekadenz. Wer Marie Antoinette, die Königin der Verschwendungssucht, zu seiner Heldin macht, geht ein Risiko ein. Schließlich muss der Film Sympathien für jemanden wecken, der seinem hungernden Volk einst geraten haben soll: "Esst doch Kuchen!" Regisseurin Sofia Coppola ("Lost In Translation") ließ 2006 die Politik fast ganz beiseite und zeigte "Marie Antoinette" als einsames Mädchen im Elfenbeinturm Versailles, das mit eigenen Problemen zu kämpfen hatte. Kein Zufall, wenn man sich dabei eher an Paris Hilton als an die Zustände im Paris des 18. Jahrhunderts erinnert fühlt. ZDFneo zeigt den schillernden Kostümfilm am Dienstag, 10. Februar um 22.30 Uhr in einer Wiederholung.

Plakativ, bunt und poppig – so sieht Versailles bei Sofia Coppola aus. Die Themen: die neuesten Schuhe, prächtige Kleider und Haarmode. Was kaum einer weiß: Marie Antoinette (Kirsten Dunst) kam als unerfahrene österreichische Prinzessin mit 14 Jahren nach Frankreich. In einer eindrucksvollen Szene zeigt die Regisseurin, wie das junge Mädchen alles, sogar die Kleidung am Leib, hinter sich lassen muss, um für ihren zukünftigen Mann und Thronfolger Louis XVI. (Jason Schwartzman) ganz "französisch" zu werden. Der, ebenfalls ein Teenager, interessiert sich allerdings mehr fürs Jagen als für Frauen.

Ein Leben im Korsett der Etikette: Der Alltag am französischen Hof

Marie Antoinette muss also allein und ohne Vertraute aus Österreich ihren Weg finden, fern der Realität vor den Schlossmauern. Ohne jeden "Sissi"-Herzschmerz erlebt man hier eine junge Königin, die zu Beginn versucht, das strenge höfische Korsett aus Empfängen und förmlichen Begegnungen mit Charme und Menschlichkeit zu lockern.

Ob beim morgendlichen Anzieh-Ritual oder beim Essen, Louis und Marie dürfen keinen Handgriff selbst tun. In diesem präzisen, entmenschlichten System hat jeder eine Funktion. Ihre ist es, Erben auf die Welt zu bringen. Doch dafür muss sie erst das sexuelle Interesse ihres Mannes wecken. Ein schwieriges Unterfangen.

Kein klassischer Historienfilm: Sofia Coppola bricht mit Erwartungen

Für die Regisseurin sind Marie Antoinette und Louis zwei Jugendliche in einer Extremsituation. Sie mussten Frankreich in einer unbeständigen und schwierigen Zeit führen. Es hat sich gezeigt, dass sie ihrem Volk keine Hilfe waren. Stattdessen feiert Marie Antoinette rauschende Feste und private Partys mit ihren Freunden. Die Klatschpresse war zwar damals nicht dabei, aber dafür gibt es ja nun Sofia Coppola. Die Filmemacherin stützt ihr Bild der Marie Antoinette auf die Recherchen Antonia Frasers und ihre Aufsehen erregende Marie-Antoinette-Biografie (2002).

Die Geschichtsschreibung tat Marie Antoinette bis dato wohl Unrecht. Den "Kuchen-Satz" hat sie nie gesagt. Doch einen ganzen Film trägt diese Erkenntnis nicht. Trotz der prächtigen Ausstattung und des Drehs in Original-Räumen erhebt Sofia Coppola gar nicht den Anspruch, einen authentischen Historienfilm zu präsentieren. Sie inszeniert das Leben der Adeligen schillernd und farbenprächtig und orientiert sich dabei eher am Auftreten eines It-Girls des 21. Jahrhunderts als an der französischen Königin.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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